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Marburg Zehn Listen streiten um 81 Plätze
Marburg Zehn Listen streiten um 81 Plätze
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18:31 22.01.2021
In sieben Wochen, am 14. März, werden Ortsbeiräte, Stadt- und Gemeindeparlamente und der Kreistag neu gewählt.
In sieben Wochen, am 14. März, werden Ortsbeiräte, Stadt- und Gemeindeparlamente und der Kreistag neu gewählt. Quelle: Michael Kappeler/dpa
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Marburg

Am 14. März wird in Hessen gewählt. Nicht der Landtag, sondern die Gremien, die am nächsten am Leben vor Ort dran sind, die Ortsbeiräte, die Stadt- und Gemeindeparlamente und natürlich der Kreistag mit seinen 81 Mitgliedern.

Bei der Besetzung des neuen Kreistages verspricht es, sehr spannend zu werden. Denn wie immer gibt es nur einen Kuchen zu verteilen und es treten dieses Mal zehn Listen an, zwei mehr als 2016. Und es gibt zudem eine veränderte Liste. Die Piraten sind weiter dabei, allerdings in der Kombination „Piraten und Liberale“. Ob diese Liste der FDP Stimmen kosten wird?

Aber fangen wir bei den beiden Parteien an, die zuletzt immer am meisten vom Kuchen abgeschnitten haben – SPD und CDU. Die Koalition zwischen diesen beiden Parteien bestach anders als die auf Bundesebene immer durch eine außerordentliche Harmonie. Bis zuletzt gab es keine Sticheleien. Und doch: Im Kommunalwahlkampf wollen sich beide Parteien nur auf sich konzentrieren und nach Möglichkeit ihre Anzahl an Sitzen erhöhen.

Denn zuletzt haben beide eingebüßt. Die SPD als stärkste Fraktion zwei Sitze, die CDU gar fünf. Das lag auch daran, dass es eine neue Liste gab, von der sich doch ziemlich viele Wähler frischen Wind versprachen: Die erstmalig 2016 angetretene AfD fischte ordentlich ab und katapultierte sich zur drittstärksten Fraktion im Kreistag. Eine Partei, die im Gegenzug merklich an Zuspruch verlor, waren die Grünen, die 2011 mit 13 Sitzen dabei waren, 2016 nur noch mit acht.

Die Grünen sind tatsächlich aber die einzige Fraktion, die auch jetzt noch mit acht Personen im Kreistag vertreten ist. Bei allen anderen Fraktionen gab es Veränderungen, weil Kandidaten, die offensichtlich mit der Ausrichtung ihrer eigenen Fraktion nicht zurechtkamen, nicht das Mandat zurückgaben, sondern sich anderen Fraktionen im Kreistag anschlossen. Als gutes Sammelbecken erwiesen sich dabei die Freien Wähler, bei denen bei Abstimmungen bekanntermaßen kein Fraktionszwang herrscht. So kann dort immer nach Überzeugung und Gewissen abgestimmt werden.

Und so wuchsen die Freien Wähler im Ganzen um drei Fraktionsmitglieder. Zwei kamen von der AfD, ein Mitglied von der CDU. Dann fand ein FDP-Mitglied ein neues Zuhause bei den Piraten, behielt aber dabei seine liberale Grundhaltung bei, sodass sich eine neue Fraktion unter dem Namen „Piraten und Liberale“ formte, die nun auch ganz offiziell zur Wahl antritt. Und die SPD wuchs zuletzt auch um ein Mitglied. Das kam aus den Reihen der Linken.

Im Bund sind die Grünen wieder auf einem guten Weg, die SPD strauchelt dort, die CDU hält sich an der Spitze, die AfD verliert an Zustimmung. Auf Landesebene, also in Hessen stehen die mitregierenden Grünen unter Druck, der so stark ist, dass sich eine neue Bewegung formierte: die Klimaliste. Dort fanden Menschen zusammen, die den Klimaschutz zentral an erster Stelle stellen und da auch keine Kompromisse eingehen wollen. Dann ist da noch die Liste der „Weiterdenker“. Da finden sich Menschen, die die aktuelle Politik in der Corona-Krise hinterfragen und eigenen Einfluss nehmen wollen.

Bleibt nun noch die Frage, wie die Listen ihren Wahlkampf organisieren, denn mit einem Lockdown bis mindestens 15. Februar und der Aussicht, auch danach kaum zu Info-Versammlungen laden zu können, wird es sicher nicht leicht. Jedenfalls werden die Listen in der OBERHESSISCHEN PRESSE in den kommenden Wochen Stellung zu verschiedenen Themen beziehen.

Was gibt es noch zu sagen? In Sachen Kreistagswahl wird der Einfluss der Menschen, die in Marburg leben, weiter steigen. Wenn auch die Einwohnerzahl des Landkreises seit 2016 gerade mal um 440 gestiegen ist, so leben in Marburg nun 2 461 Menschen mehr.

Das Leben auf dem Land attraktiv zu halten, wird wohl eine der großen Zukunftsaufgaben bleiben. Manche Kommunen haben zuletzt ordentlich in Baugebiete investiert, die sie auch schnell verkaufen konnten. Man gewann viele Familien mit Kindern dazu, musste deshalb oftmals in die Kindergärten investieren und diese erneuern oder vergrößern, doch das Gesamtplus an Einwohnern hielt sich sehr stark in Grenzen. In 16 Kommunen ging es seit der letzten Wahl nach unten. Neben Marburg ging es nur für fünf Kommunen nach oben, in Lahntal – Stand Juni 2020 – gerade mal um neun Personen.

Rund 3600 mehr Frauen im Landkreis als Männer

Da drängt sich das Thema Ortskernentwicklung auf. In vielen Häusern in den Altortslagen, aber auch in Siedlungshäusern aus den 1970er Jahren leben nur zwei Personen oder eine Person, wo früher ganze Familien wohnten. Ach, noch was fällt weiter auf: Im Landkreis Marburg-Biedenkopf leben gut 3 600 mehr Frauen als Männer, aber die Listen bleiben eigentlich männerdominiert.

Auch aus den Kommunen werden die Sprecher der einzelnen Listen in dieser Zeitung im Direktvergleich Stellung zu lokalen Themen nehmen.

Von Götz Schaub

22.01.2021
22.01.2021