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Marburg Bohren und Füllen im Nomadenzelt
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10:58 01.05.2021
Viele kleine Kinder in der Mongolei haben zum Teil schon katastrophale Zahnschäden.
Viele kleine Kinder in der Mongolei haben zum Teil schon katastrophale Zahnschäden. Quelle: Misheel Kids Foundation
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Rosenthal

Wenn Gabriella Schmidt-Corsitto ihren kleinen Patienten in den Mund schaut, sitzt sie nicht in einer gut temperierten, weißgetünchten und chromblitzenden Arztpraxis.

Bis 2013 lebte die ursprünglich aus Zürich stammende Dentalhygienikerin in Rosenthal, dann zog es sie mit ihrer Familie in die Mongolei. Dort gründete Schmidt-Corsitto die „Misheel Kids Foundation“ – eine Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, den grassierenden Karieserkrankungen bei mongolischen Jungen und Mädchen den Kampf anzusagen.

Jahrhundertelang war Zahnhygiene in dem mittelasiatischen Staat an der Grenze zu Russland und China kein Thema gewesen – die Menschen dort ernährten sich weitgehend zuckerfrei. Doch mit der Öffnung des Landes in Richtung Westen hielten auch Schokoriegel, Bonbons und gezuckerte Getränke Einzug in dem von Steppen, Wüsten und Bergen durchzogenen Land.

Die Misheel Kids Foundation

Seit mittlerweile drei Jahren reist Gabriella Schmidt-Corsitto mit einem jeweils zehnköpfigen Team von Ärzten, medizinischen Assistenten, Köchen und Fahrern in die entlegenen Gebiete des dünn besiedelten Landes, um überall dort zu helfen, wo es keine angemessene zahnmedizinische Versorgung gibt. Mindestens 2.000 Kilometer mehr haben die Geländewagen der Misheel Kids Foundation nach jedem dieser „Dental Treks“ auf dem Tacho, und auch in diesem Jahr packt die mongolische „Karies-Patrouille“ wieder ihr Material in die Autos.

Viele kleine Kinder in der Mongolei haben zum Teil schon katastrophale Zahnschäden. Quelle: Misheel Foundation

Zwei komplett ausgestattete mobile Zahnarztpraxen, die durch eine Spende der deutschen Botschaft in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar angeschafft werden konnten, erlauben es den Ärzteteams, an jedem Punkt des Landes Patientinnen und Patienten behandeln zu können. Auch dort, wo kein Strom vorhanden ist, sorgt ein transportabler Generator für ausreichend Watt, Volt und Ampere.

Zahnhygiene steht im Vordergrund

Überall dort, wo der „Dental Trek“ Station macht, geht es nicht allein darum, Löcher zu füllen und irreparable faule Zähne zu ziehen – die Helferinnen und Helfer um Gabriella Schmidt-Corsitto legen ihr Hauptaugenmerk darauf, den Menschen Dinge wie Mundhygiene und gesunde Ernährung nahezubringen. „Um das zu unterstützen, verteilen wir auch altersgerechte Zahnbürsten“, berichtet die Rosenthalerin. Die eigentlichen Behandlungen reichen dann von Kontrolluntersuchungen und Reinigungen bis hin zu Wurzelkanalbehandlungen, Füllungen und Extraktionen.

Viele kleine Kinder in der Mongolei haben zum Teil schon katastrophale Zahnschäden. Quelle: Ambling Light Photography

„2020 haben wir weiter ,Dental Treks‘ durchgeführt“, berichtet die Zahnhygienikerin, die regelmäßig für ein paar Wochen in ihre alte hessische Heimat zurückkehrt: „Allein im vergangenen Jahr haben wir über 1.000 Kinder in den ländlichen Regionen sowie in den Waisenhäusern von Ulaanbaatar behandelt.“

Für dieses Jahr erhält die Stiftung erneut von der Deutschen Botschaft in Ulaanbaatar finanzielle Unterstützung in fünfstelliger Höhe. „Es gibt 30.000 Euro für das gesamte zahnmedizinische Instrumentarium sowie für ein mobiles Röntgengerät, Sterilisierapparate für die Instrumente sowie alle benötigten Füllungsmaterialien“, freut sich Gabriella Schmidt-Corsitto.

Die kommenden Pläne stehen

Ihr Plan für 2021: „Wir werden wieder in die ländlichen Regionen der Mongolei fahren, aber auch in die GER-Distrikte von Ulaanbaatar, um mit unserer mobilen Zahnarztpraxis die Ärmsten der Kinder von ihren Zahnschmerzen zu befreien; darüber hinaus aber auch alle anderen Zähne komplett zu sanieren und durch unseren Prophylaxe-Unterricht eine bessere Mundgesundheit zu erreichen.“ Das ehrgeizige Ziel für den aktuellen „Dental Trek“ ist die Behandlung von rund 1.300 Kindern.

  • Wer mehr über die Misheel Kids Foundation wissen will oder die Stiftung unterstützen möchte, findet weitere Informationen im Internet.

Von Carsten Beckmann