Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Zahl der Arbeitslosen steigt kräftig an
Marburg Zahl der Arbeitslosen steigt kräftig an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:35 29.01.2021
Die Zahl der Arbeitslosen ist im Landkreis binnen Jahresfrist um gut 21 Prozent gestiegen.
Die Zahl der Arbeitslosen ist im Landkreis binnen Jahresfrist um gut 21 Prozent gestiegen. Quelle: Foto: Uwe Anspach/dpa
Anzeige
Marburg

Die Arbeitslosigkeit im Landkreis hat kräftig zugelegt – 6 083 Menschen waren im Januar arbeitslos gemeldet – 657 mehr als noch vor einem Jahr, was einem Plus von 21,1 Prozent entspricht. Und: Erstmals sind bei der Arbeitsagentur mehr Arbeitslose gemeldet als beim Kreisjobcenter (KJC). Dort stieg die Zahl der Arbeitslosen um vergleichsweise niedrige 3,6 Prozent an – auf 2 974 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, wie der Landkreis mitteilte –, ein Zuwachs um 102 Personen.

Dazu sagte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow (CDU): „Der Arbeitsmarkt hat auf die derzeitigen Schließungen bisher glücklicherweise nicht im großen Umfang mit einer Zunahme von Entlassungen reagiert.“

Viele Betriebe würden ihre Beschäftigten halten wollen, unterstützt durch Kurzarbeit und Stützungsmaßnahmen. „Es ist aber nicht auszuschließen, dass die weitere Schließung von Einzelhandel, Restaurants, Kultur und Sport in den kommenden Wochen noch Jobs kosten wird.“ Doch wisse man inzwischen „woran wir mit einem Lockdown sind. Und mit den nach und nach anlaufenden Impfungen gibt es berechtigte Hoffnung, die Pandemie in den Griff zu bekommen“, so Zachow.

„Die von Corona verursachte Arbeitslosigkeit spielt sich hauptsächlich im Versichertenbereich ab“, konstatiert denn auch Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur. Die Arbeitslosenquote im Kreis stieg von 4,2 Prozent im Dezember auf nun 4,5 Prozent, im Vorjahr lag sie bei 4,0 Prozent.

2 828 Personen im Landkreis bezogen Arbeitslosengeld, rund 17 Prozent oder 416 mehr als vor einem Jahr, rund neun Prozent oder 230 Menschen mehr als im Dezember.

Besonders deutlich ist die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Marburg gestiegen – um 0,6 Zähler auf 4,7 Prozent. In Biedenkopf stieg die Quote mit einem Plus von 0,5 Punkten auf 4,3 Prozent ähnlich stark. Nur in Stadtallendorf hielt sich der Anstieg mit 0,1 Zählern auf eine Quote von 4,2 Prozent relativ in Grenzen.

„Sehr große Sorgen machen uns die Langzeitarbeitslosen“, so Breustedt – diese machten nahezu ein Drittel aller Arbeitslosen aus, „ein Anstieg um 412 Personen oder 28,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, da müssen wir uns etwas einfallen lassen. Wobei es beim aktuellen Arbeitsmarktgeschehen aber schwierig ist, Lösungen zu finden“, gibt er zu.

„Der Arbeitsmarkt ist nicht komplett tot“

Einen starken Anstieg gebe es darüber hinaus vor allem im Bereich Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung (+35,7 Prozent) und in kaufmännischen Berufen, Handel und Tourismus (+28,2 Prozent). Neu arbeitslos meldeten sich 1 864 Menschen, das sind 244 weniger als vor einem Jahr und 629 mehr als im Dezember 2020. In Arbeit vermittelt werden konnten 690 Menschen, das sind 32 mehr als im Vorjahresmonat. Laut Breustedt sei dies ein positives Signal, „der Arbeitsmarkt ist nicht komplett tot“.

363 Arbeitsstellen wurden im Januar neu gemeldet, das waren 47 oder 11,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Gegenüber Dezember 2020 waren es 96 Stellen oder rund 21 Prozent weniger.

Neue Zahlen gibt es auch zur Kurzarbeit: Für den Landkreis lagen seit Beginn der Corona-Krise 2 590 Kurzarbeit-Anzeigen von Betrieben vor – mit potenziell 29 211 Beschäftigten. Realisiert wurde allein im September konjunkturelle Kurzarbeit bei 5 861 Menschen in 574 Betrieben. Jedoch würden sich zunehmend größere Betriebe aus der Kurzarbeit abmelden – „ein gutes Signal“, so Breustedt.

Einen kurzen Blick warf Breustedt auch auf den Ausbildungsmarkt, der nur sehr schleppend in Gang komme – die jungen Menschen seien verunsichert, würden vielleicht lieber auf der Schule bleiben. „Dazu gibt es keinen Grund: Es gibt zahlreiche Ausbildungsstellen“, so Breustedt. Um darauf aufmerksam zu machen, hätten die rund 3 000 Schüler der Abschlussjahrgänge mit dem Halbjahreszeugnis ein Informationsschreiben erhalten. Zwar spreche nichts gegen einen weiteren Schulbesuch. „Aber man sollte sich vorher beraten lassen.“

Von Andreas Schmidt

29.01.2021
29.01.2021