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Marburg Zahl der Arbeitslosen sinkt trotz Sommerpause
Marburg Zahl der Arbeitslosen sinkt trotz Sommerpause
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18:41 31.08.2021
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist trotz der Sommerpause gesunken.
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist trotz der Sommerpause gesunken. Quelle: Julian Stratenschulte
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Marburg

Die Corona-Pandemie hat nahezu keine Spuren auf dem heimischen Arbeitsmarkt hinterlassen. Im August waren 5 304 Personen im Landkreis arbeitslos – 1 123 oder 17,5 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. „Es wird aber bald zu einem Übersprung zwischen den Rechtskreisen kommen“, befürchtet Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit. Heißt: „Die ersten Menschen, die sich vergangenes Jahr aufgrund der Pandemie bei uns arbeitslos gemeldet haben, werden langsam als Langzeitarbeitslose in die Zuständigkeit des Kreisjobcenters wechseln.“ Rund 35 Prozent aller Arbeitslosen seien ein Jahr und länger ohne Arbeit.

Doch auch dort gibt es noch einen Abschwung: Denn im Bereich des SGB II – also beim Kreisjobcenter (KJC) – wurden laut Arbeitsagentur 3 147 Arbeitslose gezählt, das waren 216 oder 6,4 Prozent weniger als im August vergangenen Jahres.

„Es ist schön zu sehen, dass sich der Arbeitsmarkt im Landkreis weiterhin stabil zeigt“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow (CDU). „Trotz steigender Inzidenzen hoffen wir auf eine Belebung des Arbeitsmarktes und eine weiterhin positive wirtschaftliche Entwicklung“, so Zachow.

Breustedt verdeutlicht, dass die Arbeitsmarktzahlen unter den Vorzeichen des eventuell weiter steigenden Pandemiegeschehens sehr positiv seien – die Arbeitslosenquote im Kreis sank binnen Jahresfrist von 4,8 auf 4,0 Prozent.

Vor allem im Agenturbezirk Stadtallendorf sank die Zahl der Arbeitslosen stark – binnen Jahresfrist um 20,1 Prozent auf eine Arbeitslosenquote von 3,6 Prozent. Im Hinterland gab es 17,3 Prozent weniger arbeitslos gemeldete Menschen (Quote: 3,6), und bei der Agentur in Marburg sank die Zahl der Arbeitslosen um 16,5 Prozent (Quote: 4,3 Prozent). „Profitiert haben nicht nur alle Regionen, sondern – bis auf die Langzeitarbeitslosen – auch alle Personengruppen“, sagt Breustedt. Insbesondere die Zahl der arbeitslosen Ausländer „macht zwar immer noch knapp ein Drittel aller Arbeitslosen aus – dennoch ist sie um 22,3 Prozent auf 1 474 gesunken.“

Wer nicht mitwirkt, verliert den Arbeitslosen-Status

Neu arbeitslos meldeten sich im August 1 475 Personen – 247 oder gut 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. „Aus dem Erwerbsleben kamen 528 Personen neu zu uns“, verdeutlicht Breustedt – das seien 20 Personen oder 3,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. „Auf den ersten Blick kein kritischer Wert“, ordnet der Agenturleiter ein. Doch zeige ein genauerer Blick, dass 118 davon direkt beim Kreisjobcenter gelandet seien – „ein Plus von 47,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das heißt, es haben sich viele wieder gemeldet, die nur kurzfristig beschäftigt waren und in dieser Zeit keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben haben“, sagt Breustedt.

1 309 Personen meldeten sich im August aus der Arbeitslosigkeit ab, 162 oder rund 14 Prozent mehr als vor einem Jahr.

„Darunter waren aber auch 157, die wegen fehlender Verfügbarkeit oder Mitwirkung aus der Arbeitslosigkeit entlassen wurden“, so der Leiter. Bedeutet: Die Agentur habe diese Menschen angeschrieben und eingeladen – sie hätten aber auch nach dem zweiten Mal nicht reagiert. „Das wird jetzt noch häufiger passieren“, ist sich Breustedt sicher. Denn: „Wir treten jetzt wieder stärker in den Kontakt mit den Kunden – wer aber nicht zur Verfügung steht, kann auch nicht in Arbeit vermittelt werden.“ In der Folge gebe es auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Und: „Die Personen landen auch nicht automatisch beim Kreisjobcenter – denn sie sind ja nicht arbeitslos“, verdeutlicht Breustedt.

„Richtig gut sieht es bei den neu gemeldeten, sozialversicherungspflichtigen Stellen aus – wir haben 747 im Zugang, das ist ein Plus von 121 Prozent“, sagt der Agenturleiter. Insgesamt seien der Agentur gar 792 neue Arbeitsstellen gemeldet worden, 427 oder 117 Prozent mehr als vor einem Jahr. „Der Arbeitsmarkt hat schwierige Bereiche, hat aber auch viele Bereiche, wo sich richtig was tut“, sagt Breustedt, „die Produktion läuft wieder.“

Weiterhin eine bedeutende Rolle spielt auf dem heimischen Arbeitsmarkt auch die Kurzarbeit – „wenn auch lange nicht mehr so wie vor einem Jahr“, sagt Volker Breustedt. Im April – dem letzten greifbaren Wert – habe es in 760 Betrieben des Landkreises Kurzarbeit gegeben, betroffen waren knapp 5 000 Menschen.

„Im Vorjahresapril waren es jedoch noch 1 180 Betriebe, mit 14 070 betroffenen Mitarbeitern“, zieht Breustedt den Vergleich. „Auch das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich viele wirtschaftlichen Vorzeichen verbessert haben – auch wenn die Kurzarbeit immer noch eine erhebliche Rolle spielt.“

Immer noch Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt

„Wir haben elf Prozent weniger Bewerber um einen Ausbildungsplatz – das ist kein Riesen-Einbruch, der hätte schlimmer ausfallen können“, sagt Volker Breusedt. Demnach gab es 1 376 junge Leute, die eine Berufsausbildung absolvieren wollen – 172 weniger als vor einem Jahr. Parallel dazu seien bis jetzt 1 476 Berufsausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit Marburg gemeldet worden – ein Minus von 64 Stellen oder rund 4 Prozent.

„Die Betriebe können die Gewissheit haben, dass die Bewerber auch wirklich interessiert sind – denn die jungen Leute, die aufgrund der Pandemielage ängstlich waren, sind auf der Schule geblieben“, sagt der Agenturchef. Es gebe noch 265 nicht versorgte Bewerber und 342 unbesetzte Ausbildungsstellen – rechnerisch also 1,1 Ausbildungsstellen je Bewerber.

Von Andreas Schmidt

31.08.2021
31.08.2021