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Marburg Wunsch: Mietpreisbremse an Lebenssituation anpassen
Marburg Wunsch: Mietpreisbremse an Lebenssituation anpassen
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00:24 30.05.2014
Werner Girgert (links) und Bernd Gökeler leiteten den Diskussionsabend. Foto: Arnd Hartmann
Werner Girgert (links) und Bernd Gökeler leiteten den Diskussionsabend. Foto: Arnd Hartmann
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Marburg

Das Thema „Wohnen in Marburg und der Region - sozialen Wohnungsbau fördern und nachhaltige Konzepte zur Wohnraumplanung realisieren“ führte zu einer lebhaften Debatte. Durch den vom DGB Marburg-Biedenkopf organisierten Diskussionsabend führten der Leiter der Multiple-Sklerose-Selbsthilfegruppe Bernd Gökeler sowie der Soziologe und Journalist Werner Girgert. Beide beleuchteten zentrale Aspekte und Bruchstellen von kommunalpolitischen Entscheidungen der vergangenen Jahre, demografischen Entwicklungen und der Privatisierung des Immobilienmarktes, die den Großteil der Wohnraumproblematik umfassen. Als Grundlage dienten den Referenten Erhebungen und Statistiken von Bund, Land und Stadt, die eine Stagnation des sozialen Wohnungsbaus seit 18 Jahren in Marburg belegen.

Gerade dort, wo die Kulturen aufeinandertreffen, Senioren auf nachbarschaftliche Unterstützung angewiesen sind und Studenten günstig leben wollen, fehle es an nötigen Ressourcen von rund 3500 zusätzlichen Sozialwohnungen im Stadtgebiet.

Genossenschaftsmodell wird diskutiert

„Aber eben auch die Teuerung von Strom- und Energiekosten bedeutet eine zusätzliche Belastung für Menschen, die mit weniger Einkommen haushalten müssen“, sagte Gökeler. Seiner Meinung nach seien beim Neubau sozialer Wohnprojekte bestimmte Auflagen einzuhalten. Dazu zähle als architektonische Grundlage ein universelles Design.

Eine Verbesserung von Wohnumfeld und Quartiersentwicklung sei laut Gökeler nur zu erreichen mit einem ausgewogenen Verhältnis von Eigentümern und Mietern.

Von allen Seiten wurde dem Wunsch Ausdruck verliehen, die gesetzliche Mietpreisbremse zu überdenken und an die individuelle Lebenssituation anzupassen, um alle Mietverhältnisse zu berücksichtigen. Auch ein genossenschaftliches Modell für zukünftige Planungen wurde zur Diskussion gestellt, jedoch benötigt eine solche Konzeptrealisierung elementare Bausteine wie Grundstücksflächen und das nötige Eigenkapital zur Gründung.

Girgert erklärte anhand von Grafiken die Faktoren von Gentrifizierung, also der Aufwertung eines Stadtteils durch dessen Sanierung oder Umbau - mit der Folge, dass die dort ansässige Bevölkerung durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten verdrängt wird.

Seit der Finanzkrise dominierten wieder vermehrt Wohnungsverkäufe den Immobilienmarkt. „Die Verdrängung von Geringverdienern aus den Innenstädten ist die Folge von Wohnungsmangel und weiter steigenden Mietpreisen“, sagte Girgert.

von Arnd Hartmann