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Marburg Gezerre um gelbe Schleifen
Marburg Gezerre um gelbe Schleifen
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14:00 23.06.2022
Um das Anbringen des Symbols „Gelbe Schleife“ streiten sich die Marburger Stadtverordneten.
Um das Anbringen des Symbols „Gelbe Schleife“ streiten sich die Marburger Stadtverordneten. Quelle: Florian Lerchbacher
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Marburg

„Selbst wenn der Antrag keine Mehrheit findet, ist er es wert, erneut über das Thema zu diskutieren.“ Und so werden die Stadtverordneten am Freitagnachmittag über den Antrag der CDU/FDP-Fraktion debattieren und entscheiden, ob die Universitätsstadt an der Aktion „Gelbe Schleife“ teilnimmt, um in der Bundeswehr Dienende zu würdigen. Michael Selinka begründete den Antrag unter anderem mit der aktuellen außenpolitischen Situation und der Bedeutung, die die Bundeswehr dadurch zurückerlangt habe. Man wolle den Einsatz von Menschen würdigen, die ihr Leben im Einsatz für Freiheit und Demokratie aufs Spiel setzen, erklärte Selinka und wies auch auf die Nähe zum Bundeswehrstandort Stadtallendorf hin.

Wie sich im Hauptausschuss andeutete, stehen die Christdemokraten und Liberalen mit ihrer Ansicht vermutlich auf sehr verlorenem Posten. Die Grünen würden das Ansinnen trotz der dramatisch geänderten Lage mit „Nein“ beantworten, erklärte Fraktionschef Christian Schmidt. Schließlich gebe es auch andere Berufsgruppen, die besonderen Gefahren ausgesetzt seien, wie zum Beispiel die Pflegekräfte während der Pandemie.

Kein aktiver Teil der Stadt

Die geforderte Unterstützung führe am Kern der Debatte ebenso vorbei wie der Applaus, der den Pflegekräften gespendet wurde. Zudem seien Soldaten und Soldatinnen kein aktiver Teil dieser Stadt mehr, wie es zum Beispiel in Stadtallendorf noch sei. „Es geht euch nur darum, einen positiven Bezug zur Militarisierung herzustellen“, warf Schmidt den Antragstellern vor.

Kritik kam auch von Steffen Rink, weil die Schleifen „öffentlich zelebriert“ angebracht werden sollen. Die Haltung der SPD-Fraktion zu diesem Thema habe sich seit dem Jahr 2017 nicht geändert. Die gelben Schleifen seien ebenso nur ein Symbol wie das Klatschen für Pflegekräfte. Die Vertreter der Linkspartei verwiesen auch auf die noch nicht aufgeklärten Skandale mit neonazistischem Hintergrund bei der Bundeswehr und meinen wie die anderen Gegner des Antrags, dass es Sache der Regierung sei, die Bundeswehr angemessen auszustatten, um deren Aufgaben und Einsatz zu würdigen.

Wahrnehmung der Wertschätzung

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/FDP-Fraktion Roger Pfalz erwiderte, dass der Bundeswehretat nicht in der Zuständigkeit der Stadtverordnetenversammlung liege und man tun wolle, was vor Ort möglich sei. Aus persönlicher Erfahrung wisse er, dass eine solche Wertschätzung wahrgenommen werde, und erinnerte daran, dass Soldaten und Soldatinnen aus Stadtallendorf auch zum Einkauf oder der Freizeitgestaltung nach Marburg kommen.

Der CDU/FDP-Antrag sieht vor, Gelbe Schleifen an den vier Ortseingängen und an einem öffentlichen Gebäude wie dem Rathaus mit Vertretern des „Fördervereins Stab Division Schnelle Kräfte“ aus Stadtallendorf unter Einbezug der Öffentlichkeit anzubringen.

Die Stadtverordnetenversammlung tagt am Freitag ab 16.30 Uhr im Erwin-Piscator-Haus.

Von Gianfranco Fain

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