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Marburg Wohnungsbau: Das sagen die Experten
Marburg Wohnungsbau: Das sagen die Experten
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16:00 29.07.2022
Sozialer Wohnungsbau in der Friedrich-Ebert-Straße am unteren Richtsberg in Marburg.
Sozialer Wohnungsbau in der Friedrich-Ebert-Straße am unteren Richtsberg in Marburg. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Laut einer Prognose, auf die sich das RP Gießen im Entwurf des Regionalplans bezieht, wächst Marburgs Bevölkerung bis zum Jahr 2035 derart, dass 3 500 zusätzliche Wohnungen benötigt werden. Nach Plänen der Stadt könnten vor allem im Süden Marburgs und auf dem Hasenkopf in den nächsten Jahren bis zu 1 200 Wohnungen entstehen. Wo die weiteren 2 300 Wohneinheiten gebaut werden könnten und ob dieses Ziel realistisch ist, das fragte die OP Dr. Thomas Spies, Reiner Kahle und Bettina Böttcher-Dutton.

Dr. Thomas Spies, Oberbürgermeister

Dr. Thomas Spies, Oberbürgermeister: In den letzten 10 Jahren sind rund 3 000 Wohnungen neu entstanden. Das geht noch einmal, um 3 500 weitere Wohnungen bis 2035 zu bauen – von der Stadt Marburg und Privaten, über Umbau, Aufstockung und Neubau. Die Zukunftsstadt Hasenkopf, der Obere Rotenberg, Marburger Süden und die Nordstadt haben ein Potenzial von etwa 1 000 bis 1 200 Wohnungen. Fokus der Stadtverordnetenversammlung ist – neben Verdichtung und Umwandlung – insbesondere Marburgs Osten.

Reiner Kahle

Reiner Kahle, Obermeister der Elektro-Innung: 3 500 Wohnungen bis 2035 zu bauen, ist eine sehr, sehr große Herausforderung. Wie in anderen Gewerken auch fehlt es den Betrieben der Elektro-Innung an ausreichend Personal, und unsere Betriebe leiden unter massivem Materialmangel. Zudem sind viele Betriebe bis unter das Kinn beschäftigt mit dem Bau von Elektro-Ladesäulen für E-Mobilität, mit dem digitalen Ausbau der Schulen und dem Ausbau von Fotovoltaik. Wir haben keinen Spielraum.

Bettina Böttcher-Dutton

Bettina Böttcher-Dutton, Ombudsstelle Fair Wohnen: Selbst neu gebaute Sozialwohnungen kosten zum Teil 8,50 Euro pro Quadratmeter Miete. Die Frage ist, wer das am Ende bezahlen kann – ob mit oder ohne Wohnberechtigungsschein. Ich bin skeptisch, dass das Ziel von 3 500 Wohnungen in den nächsten zwölf Jahren umgesetzt werden kann. Es wäre besser gewesen, die Stadt betriebe eine eigene Bodenbevorratung. Bei der Bebauung muss an Kindergärten oder Einkaufsmöglichkeiten gedacht werden.

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Von Till Conrad und Gianfranco Fain