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Marburg GWH stoppt den Sozialwohnungsbau
Marburg GWH stoppt den Sozialwohnungsbau
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16:48 11.12.2019
GWH-Wohnungen am Richtsberg: Der Wohnungsbauer zieht sich aus dem Bau neuer Sozialwohnungen zurück. Die bestehenden Wohnungen müssen energetisch in jedem Fall saniert werden. Foto: Björn Wisker
GWH-Wohnungen am Richtsberg: Der Wohnungsbauer zieht sich aus dem Bau neuer Sozialwohnungen zurück. Die bestehenden Wohnungen müssen energetisch in jedem Fall saniert werden. Quelle: Björn Wisker
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Marburg

 Oberbürgermeister­ Dr. Thomas Spies (SPD) bestätigte am Freitag auf Anfrage­ der OP, dass das Wohnungsbauunternehmen bereits bewilligte Fördermittel für den Bau der Sozialwohnungen zurückgegeben habe. „Es handelt sich bei den in Rede stehenden Wohnungen vor allem um Wohnraumverdichtung, die ohnehin kritisch gesehen wird“, sagte Spies. Die Stadt werde auf die Absage reagieren und Pläne entwickeln, wo weiterer Wohnraum entstehen kann.

Hintergrund der Absage: Die GWH war im Februar mit ihrem Vorhaben gescheitert, bei mehr als 400 Wohnungen am Richtsberg die Heizungen zu modernisieren durch den Anschluss an drei kleine Nahwärme-Kreislaufe. Wegen der damit verbundenen Kosten drohten Mieterhöhungen – und dagegen waren die Mieter mit Unterstützung der Politik auf die Barrikaden gegangen. Solange, bis die GWH am 21. Februar ihre Pläne zurückgezogen hatte.

Mit Schreiben vom 4. März teilte die Geschäftsführung der GWH nun mit, dass sie sich aus ihrem Marburger Neubauprogramm verabschiedet. Geplant waren weitere dringend benötigte 120 Sozialwohnungen. „Durch den Ausstieg des Unternehmens entsteht ein schwerer Schaden für die Stadt Marburg und ihre Bürger“, sagt Dietmar Göttling, Fraktionschef der ­Grünen im Stadtparlament. Man brauche die Investitionen der Wohnungsbaugesellschaften zur energetischen Sanierung der Gebäude, und der Richtsberg brauche Modernisierungsmaßnahmen, „wenn seine soziale Struktur stabilisiert­ ­werden soll“, sagt Göttling.

Grüne fragen OB und Bürgermeister, was sie unternommen haben

Die Grünen wollen deshalb von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies wissen, was der Oberbürgermeister und der Bürgermeister als Baudezernent unternommen haben, damit die GWH sich nicht nach dem Konflikt um die Heizungsmodernisierungen am Richtsberg aus ihrem Marburger Neubauprogramm verabschiedet.

Seitens der GWH war betont worden, dass sie die Heizungsmodernisierungen für ihre Wohnungen am Richtsberg gerne mit den Stadtwerken vorgenommen hätten, diese aber doppelt so teuer wie andere Anbieter waren. „Wann wusste der Oberbürgermeister als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke von dem Angebot der Stadtwerke an die GWH“, fragen die Grünen in einem Berichtsantrag.

Es sei Aufgabe des Magistrats, die GWH von der Notwendigkeit eines umfassenderen Klimaschutzes zu überzeugen und hierzu finanzielle Unterstützung durch den Klimabonus anzubieten, damit, so wie es die GeWoBau durchführt, die Mieter nicht belastet werden, meinen die Grünen. Sowohl die Grünen wie auch die SPD haben in den Haushaltsentwurf für 2019 eine Million Euro eingestellt, um solche Modernisierungen durch die Stadt zu fördern. So sieht es der Klimagipfel vor.

„Ungeachtet der berechtigten Kritik an der GWH wegen der inakzeptablen Kommunikation­ mit den Mietern und der Kritik an den beabsichtigten Mieterhöhungen, gilt es weiterhin, das Energiekonzept Richtsberg zum Klimaschutz noch umsetzen zu können und die 404 Wohnungen am Richtsberg neben der Neugestaltung der Wärmeversorgung, wie es im Energiekonzept vorgesehen ist, auch die Erneuerung der Fenster und eine entsprechende Wärmedämmung zu verhandeln.

von Till Conrad