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Marburg „Abbruch-Offensive“ schafft nötigen Platz
Marburg „Abbruch-Offensive“ schafft nötigen Platz
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16:00 10.12.2021
So soll die Bebauung auf dem alten Molkereigelände nach Fertigstellung aussehen – dort entsteht auch die neue Firmenzentrale von S+S.
So soll die Bebauung auf dem alten Molkereigelände nach Fertigstellung aussehen – dort entsteht auch die neue Firmenzentrale von S+S. Quelle: Foto: S+S Immobilien
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Marburg

Der Bedarf an Wohnraum ist weiterhin immens. Nicht umsonst hat die neue Bundesregierung das Ziel ausgegeben, in den kommenden Jahren 400 000 neue Wohnungen zu schaffen. Neue Wohnungen schaffen ist auch das Kerngeschäft von Karsten Schreyer mit seinem Unternehmen S+S Immobilien – „momentan läuft quasi eine Abbruch-Offensive, um dem weiterhin immens hohen Bedarf nach Wohnraum gerecht zu werden“, sagt Schreyer im Gespräch mit der OP. S+S habe in den vergangenen beiden Jahren große Grundstücke kaufen können, „die nahezu alle zu Quartiersentwicklungen führen werden“. So zum Beispiel im Areal Temmler- und Frauenbergstraße, wo die Abbruch-Arbeiten bereits weit fortgeschritten sind – so zum Beispiel mit den ehemaligen „Kult“-Hallen. „Ich bin mir sicher, dass wir dort ein sehr gutes Agreement mit der Stadt hinbekommen werden, was die dortige Entwicklung angeht. Denn das Gebiet bietet eine riesige Chance für Marburg.“ 250 bis 300 Wohneinheiten seien dort möglich – exklusive dessen, was die Stadt auf ihrem eigenen Grundstück dort plant.

Entwicklung in der Südstadt

Doch für Schreyer fängt die Entwicklung dieses Gebiets bereits am Südbahnhof an. „Die Stadt will ja den Bahnhof umbauen.“ S+S wird indes das Molkerei-Gelände entwickeln. „Das Gebäude wurde bereits entkernt, die Abbruchgenehmigung liegt vor“, sagt Schreyer. Auf dem Areal werden nicht nur bis zu 200 Wohnungen entstehen, sondern auch ein großzügiges Business-Center mit knapp 5 000 Quadratmetern Fläche auf mehreren Etagen. „Der Bedarf ist auch dafür vorhanden. Wir führen bereits Gespräche mit Interessenten. Es können Flächen zwischen 300 und 1 000 Quadratmetern angemietet werden.“ Zudem werde es in dem Büro-Gebäude auch gemeinschaftliche Räume geben, die alle Nutzer je nach Bedarf buchen können – beispielsweise Besprechungsräume mit neuester Technik und optionalem Catering. „S+S wird zudem seinen Firmensitz dorthin verlegen“, sagt Karsten Schreyer.

„Ähnlich, wie wir an der Entwicklung der Marburger Nordstadt beteiligt waren, werden wir es auch im Süden der Stadt sein“, freut sich der Unternehmer.

Abgebrochen wurde auch bereits das ehemalige Sulzer-Gebäude am Ortsrand von Niederweimar. Dort sollen 36 neue Wohnungen entstehen.

Und auch in Gießen ist das Unternehmen aktiv. „Dort arbeiten wir an einer sehr großen Quartiersentwicklung auf dem Areal des ehemaligen Keller-Theaters“, erläutert Schreyer. Acht ehemalige US-Army-Gebäude müssen weichen, um 350 Wohneinheiten Platz zu machen, „das ist das größte Wohnbebauungsprojekt derzeit in Gießen“.

Den Klimaschutz im Blick

Macht in der Summe „knapp 1 000 Wohneinheiten, die gerade entwickelt und aktuell sowie in den kommenden Jahren gebaut werden“.

Und dabei hat S+S auch den Klimaschutz im Blick. „Wir haben gerade beschlossen, dass wir alle Projekte künftig im Standard KfW 40 EE bauen – das ist im Geschosswohnungsbau mit die höchste Klasse der Energieeffizienz“, sagt Karsten Schreyer. Das bedeute für Käufer, dass sie „33 750 Euro je Wohneinheit Zuschuss von der KfW erhalten“. Natürlich bedeute das für S+S höhere Investitionskosten. „Die gehen wir aber gerne ein, da wir beim Klimaschutz einen richtungsweisenden Weg einschlagen wollen.“ Aus diesem Grund sei S+S auch der „Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ beigetreten.

Die Rohstoffkrise hat indes auch das Marburger Unternehmen nicht verschont, „es gab Preissteigerungen binnen kürzester Zeit von bis zu 300 Prozent. Und der weltweite Rohstoffmangel macht es auch in Zukunft nicht einfacher, bauen zu können.“

Als problematisch sieht Schreyer auch mitunter sehr langwierige Genehmigungs- oder Bebauungsplan-Verfahren. „Ich kann nur an alle Kommunen appellieren, Genehmigungswege zu vereinfachen“, sagt Karsten Schreyer. Denn nur so lasse sich der auch von der neuen Koalition formulierten Neubau-Bedarf schnell und effizient erfüllen.

Von Andreas Schmidt

  • Das sagt Dr. Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen, zur Entwicklung des Wohnungsmarktes. (Der Artikel ist nach Anmeldung für Abonnenten kostenfrei)

10.12.2021
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