Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Das müssen Helfer wissen
Marburg Das müssen Helfer wissen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:39 28.03.2022
Die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine kamen am 16. März im Marburger Georg-Gaßmann-Stadion an.
Die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine kamen am 16. März im Marburger Georg-Gaßmann-Stadion an. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Hunderte geflüchtete Menschen aus der Ukraine sind in den vergangenen Tagen in Stadt und Landkreis angekommen. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist groß. Wie kann man Geflüchteten Wohnraum zur Verfügung stellen und warum reagieren die Behörden auf Wohnungsangebote oft mit Verzögerung? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema:

Werden noch Privatwohnungen für Geflüchtete benötigt?

Ja, der Landkreis, die Stadt Marburg und die anderen Städte und Gemeinden suchen weiterhin Privatleute, die Wohnungen für Menschen aus der Ukraine anbieten. Die vom Land zugewiesenen Flüchtlinge sollen möglichst kurz in Notunterkünften bleiben müssen. Auch Geflüchtete, die in den Wohnungen von privaten Helfern, Verwandten und Freunden untergekommen sind, können dort oft nur kurz bleiben. Bei einer Bürgermeister-Dienstversammlung vereinbarten der Landkreis sowie die Städte und Gemeinden, dass sie weiterhin dafür werben, dass Wohnraum zur Verfügung gestellt wird, berichtete der Sprecher der Bürgermeister im Kreis, Peter Eidam (Weimar).

Was ist bei den Wohnungsangeboten besonders wichtig?

Stadt und Landkreis suchen vor allem Wohnungen, die dauerhaft zur Verfügung stehen. „Rund die Hälfte der bisherigen Angebote war allein wegen der angebotenen Aufenthaltsdauer nicht geeignet: zum Beispiel, wenn jemand zwei Personen für maximal drei Tage im Gästezimmer aufnehmen möchte“, berichtete Patricia Grähling von der Pressestelle der Stadt Marburg. „Die Stadt ruft dazu auf, Wohnraum zu melden, der mindestens sechs Monate zu Verfügung gestellt werden kann.“

Wie werden die Wohnungen vermittelt, und wie lange dauert das?

„In der Regel dauert es eine bis zwei Wochen, bis Geflüchtete in den angebotenen Wohnungen untergebracht werden können“, sagte Grähling von der Stadt Marburg. Der Grund: „Alle Angebote werden von der Stadt geprüft und besichtigt.“ Dabei werde erfasst, ob es abgeschlossene Wohnungen seien, wie groß sie sind, welche Ausstattung vorhanden ist und ob es Unterstützungsmöglichkeiten für die geflüchteten Menschen gibt. „Beispielsweise benötigt eine Mutter mit Kleinkindern eine andere Ausstattung und Wohnungsgröße als eine alleinstehende Person mit einer Behinderung“, erläuterte Grähling. Auch die Kreisverwaltung lässt alle Wohnungen vorher prüfen, erklärte der stellvertretende Pressesprecher Sascha Hörmann. „So wird sichergestellt, dass die Wohnungen tatsächlich für die Geflüchteten, vor allem Frauen und Kinder, geeignet sind. Zum Teil müssen die Wohnungen vorher renoviert und eingerichtet werden.“

Stadt und Kreis teilten mit, sie seien sehr dankbar für die vielen Hilfsangebote. Die Stadt prüft aktuell rund 100 Angebote und bittet um Verständnis, dass nicht alle Angebote sofort geprüft werden können. Man werde sich aber bei allen Anbietern melden.

Wer bezahlt Miete und Nebenkosten?

„Die Kosten werden vom Landkreis übernommen“, teilte Hörmann mit. „Die Höhe orientiert sich an den Angemessenheitskosten der Unterkünfte für Menschen im Leistungsbezug des Jobcenters. Hinzu kommen Pauschalen für Nebenkosten und Heizkosten.“ Dasselbe gilt auch für die Stadt Marburg. Allerdings gebe es auch Menschen, die unentgeltlich Wohnungen anbieten und lediglich einen Betriebskostenanteil sowie einen Anteil für die Überlassung von Möbeln wollen, berichtete Grähling. „Das setzt die Stadt Marburg entsprechend um.“

Was ist mit Blick auf Corona zu beachten?

Die Kreisverwaltung empfiehlt, bei der Aufnahme geflüchteter Menschen auf die üblichen Regeln zum Infektionsschutz zu achten. „Wer Erkältungssymptome bekommt, sollte möglichst umgehend Abstand zu anderen Personen halten, sich in einem anderen Raum aufhalten, Maske tragen und sich testen lassen“, schrieb die Pressestelle des Landkreises in einer Mitteilung.

Gut zu wissen: Auch Menschen aus der Ukraine können bei den Impfaktionen des Landkreises kostenlos geimpft werden. Und: Die Bürgertestzentren im Landkreis bieten kostenlose Corona-Tests vor Ort auch für Geflüchtete aus der Ukraine an. Wer in der Ukraine mit den dort häufig verwendeten Impfstoffen „Sputnik“ und „Sinovac“ geimpft wurde, gilt in Deutschland als ungeimpft.

Was gilt, wenn Geflüchtete Hunde und Katzen aus der Ukraine mitbringen?

Die mitgebrachten Tiere müssen beim Veterinäramt erfasst werden, damit die Tollwutimpfung überprüft und gegebenenfalls nachgeholt wird. Dazu gibt es ein Formular auf der Seite des Landkreises. Das Veterinäramt ist zudem unter Telefon 06421/405-6601 oder per E-Mail an FBVuV@marburg-biedenkopf.de erreichbar. „Die Tiere werden nicht enteignet und nicht weggenommen!“, betont der Landkreis auf seiner Internetseite.

Wo kann man Wohnungen melden?

Der Landkreis stellt online ein Formular zur Verfügung für Menschen, die Wohnungen für Geflüchtete anbieten wollen: www.marburg-biedenkopf.de/soziales_und_gesundheit/migration_asyl/Wohnraum-fuer-Gefluechtete-aus-der-Ukraine.php. Anbieter können sich auch per E-Mail an wohnraum-ukraine@marburg-biedenkopf.de oder bei einer Hotline unter der Telefonnummer 06421/405-7272 melden (werktags von 8 Uhr bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 Uhr bis 20 Uhr).

Die Ukrainehilfe der Stadt Marburg ist erreichbar unter Telefon 06421/201-4000 (Montag bis Freitag 9 bis 16 Uhr) und per E-Mail an ukrainehilfe@marburg-stadt.de. Weitere Informationen und ein Formular für Hilfsangebote unter www.marburg.de/ukrainehilfe.

Von Stefan Dietrich

26.03.2022
26.03.2022