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Marburg Wohnung finden in Marburg so leicht wie lange nicht
Marburg Wohnung finden in Marburg so leicht wie lange nicht
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15:58 12.04.2021
Ob Einzel-Apartment, WG oder Wohnheim: Studenten gibt es zuletzt weniger in Marburg. Das scheint sich auf die Mietpreise auszuwirken.
Ob Einzel-Apartment, WG oder Wohnheim: Studenten gibt es zuletzt weniger in Marburg. Das scheint sich auf die Mietpreise auszuwirken. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

In kaum einer anderen Universitätsstadt hat sich die Lage bei dem Studentenbuden-Angebot im Jahr 2020, während der Corona-Pandemie, so entspannt wie in Marburg. Das geht aus einer Analyse der Wohnungsmärkte, speziell der Entwicklung von WG-Zimmer-Preisen, in 97 Studentenstädten in Deutschland hervor.

In dem regelmäßig aktualisierten Anspannungs-Index des Moses-Mendelsohn-Instituts (MMI) rutschte Marburg zuletzt von Rang 25 – und somit der Schwelle zu den 20 angespanntesten Städten – ins Mittelfeld auf Position 34 ab. Das ist der größte Sprung aller untersuchten Städte mit mehr als 5 000 Studierenden. Bedeutet: Die Suche nach einer Wohnung in Marburg war lange nicht so einfach wie rund um das Wintersemester 2020/2021.

Und dieser Trend ist gegenläufig zu dem in anderen Städten, wo der Wohnungsmarkt trotz Pandemie eher schwieriger geworden zu sein scheint. Auffällig: In ganz Hessen, selbst in Frankfurt (Rang 4) und Wiesbaden (Rang 26), ließ der Druck nach, nur in Gießen (Rang 28) und Darmstadt (Rang 7) steigt er weiter an, ist mittlerweile sogar größer als in Marburg.

Der dem Ergebnis zugrunde liegende MMI-Index speist sich aus 23 Daten: unter anderem aus Mietpreis-Entwicklung, Erstsemester-Zahl, Anteil ausländischer Studierender und Altersstruktur.Was sind die Gründe für das jüngste Geschehen in der Stadt Marburg?

Nachfrage sinkt – Angebot steigt

Offenbar gibt es eine sinkende Nachfrage. Denn im aktuell auslaufenden Semester kamen laut offizieller Daten rund 500 Erstsemester weniger an die Philipps-Universität als noch im Vorjahr. Auch ausländische Studenten gibt es im Vergleich zu 2019 deutlich weniger: ein Minus von 400. Experten sagen, dass sich eine Wanderbewegung von rund 1 000 Menschen in einer Stadt der Größenordnung von Marburg schnell auch bei Mietpreisen bemerkbar mache.

Wahrscheinlich ist nach Einschätzung von Maklern auch, dass zumindest vereinzelte Studenten, gerade in höheren Semestern, vorzeitig etwa zu ihren Eltern oder Partnern umgezogen sind, um Mietkosten zu sparen. Grund: die für viele weggebrochenen Gehälter aus Nebenjobs speziell in Gastronomie und Freizeit-Branche. Für die von ihnen bisher belegten Klein-Apartments gibt es – zumindest vorerst und wegen der Pandemie – wohl weniger Nachmieter-Interesse.

Ein Faktor, der schon in den vergangenen ein, zwei Jahren zu einem Stopp des bis dato lange anhaltenden Mietpreisanstiegs führte, ist der in den vergangenen Jahren vor allem von Privatinvestoren vorangetriebene Wohnungsbau. So sind laut Magistratsangaben in den vergangenen fünf Jahren 2 000 neue Apartments entstanden – hunderte weitere, auch Sozialwohnungen, seien in Bau oder Planung. Mit zuletzt zwischen 320 und 335 Euro Warmmiete liegen die Preise für Studi-Buden seit zwei, drei Jahren relativ konstant. Hoffnungen verbinden viele in der Stadtspitze mit dem beginnenden Umbau der Nordstadt-Nachbarschaft in der Eisenstraße und vor allem den Wohngebieten Oberer Rotenberg und Hasenkopf mit Platz für mehr als 1 000 Bewohner. Leitfaden für die laufende Baugebiets-Ausweisung ist eine Bevölkerungsprognose des Regierungspräsidiums Gießen, wonach Marburg bis zum Jahr 2030 rund 3 000 Einwohner mehr zählen wird als in den vergangenen Jahren. Das war allerdings vor der Corona-Pandemie und den möglichen Auswirkungen des Modells „Fern-Uni“.

Klar ist: Im nun beginnenden Sommersemester sind nochmals deutlich weniger Studenten – insgesamt nur noch rund 21 500 – eingeschrieben als im Frühjahr 2020.

Von Björn Wisker

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