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Marburg Wohnraum – das drängendste Problem
Marburg Wohnraum – das drängendste Problem
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00:18 12.06.2015
Vor allem jüngere Menschen halten Versorgung mit bezahlbaren Wohnungen für verbesserungswürdig. Foto: dpa
Vor allem jüngere Menschen halten Versorgung mit bezahlbaren Wohnungen für verbesserungswürdig. Quelle: dpa
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Marburg

Bei beiden Fragen entschieden sich deutlich mehr Menschen für eine Antwort als bei der Frage nach ihrer Wahlentscheidung.

Für mehr als ein Drittel der Marburger ist es klar: Das Angebot an bezahlbarem Wohnraum ist der Aspekt, der in Marburg besonders verbesserungswürdig ist. Mit einigem Abstand erst folgt das Thema, das die Marburger Kommunalpolitik über Jahre beherrschte: Parkplätze in der Innenstadt. 30 Prozent aller Marburger finden diese Situation besonders verbesserungswürdig.

Erwartungsgemäß ist das Wohnraumproblem vor allem für die jüngeren Wählergruppen am wichtigsten: 41,4 Prozent der Unter-30-Jährigen und 36,5 Prozent der 30- bis 59-Jährigen halten es für „besonders verbesserungswürdig“. Nur noch knapp jeder Vierte über 60 Jahre (22 Prozent) aber hält den Mangel an bezahlbarem Wohnraum für das drängendste Problem. Für die älteste Wählergruppe sind die Parkmöglichkeiten in der Innenstadt das größte Problem (43,7 Prozent).

Bewohner der Außenstadtteile wollen mehr Parkplätze in der Innenstadt

Eine klare Abstufung gibt es auch bezüglich der regionalen Verteilung: Menschen, die in den Außenstadtteilen wohnen, halten das Wohnraumproblem nur zu 16,7 Prozent für besonders verbesserungswürdig – ein erheblicher Unterschied zu den Wählerinnen und Wählern im Stadtkern (39,9 Prozent) und dem Stadtgürtel (44,7 Prozent).

Umgekehrt nennen mehr als 40 Prozent der Befragten, die in den Außenstadtteilen wohnen (40,7), Parkmöglichkeiten in der Innenstadt als besonders verbesserungswürdig, aber nur 21,4 Prozent der Menschen aus dem Stadtgürtel. In der Kernstadt hält nur knapp jeder dritte die Parkmöglichkeiten für besonders verbesserungswürdig.

Die OP hat auch die sechs Oberbürgermeisterkandidaten befragt, welches Thema sie für besonders verbesserungswürdig halten. Übereinstimmend nannten auch Dr. Thomas Spies (SPD), Dirk Bamberger (CDU), Jan Schalauske (Marburger Linke) und Marius Beckmann (Die Partei) das Angebot an bezahlbarem Wohnraum.

Spies will, dass „die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften mehr preiswerten Wohnraum bauen und dass durch eine Öffnung für Baugebiete in den Außenstadtteilen der innerstädtische Wohnungsmarkt entlastet wird.“ Schalauske verfolgt einen ähnlichen Ansatz: Die städtische „GeWoBau“ müsse „endlich“ mehr Sozialwohnungen bauen, fordert er, ergänzt aber: Die Stadt solle den Investoren die Schaffung von preiswertem Wohnraum über eine Quotenregelung verbindlich vorschreiben.

Beckmann will Makler verbieten

Bamberger wiederum fordert, um zusätzlichen Wohnraum zu ermöglichen und eine weitere Verdichtung in der Innenstadt zu verhindern, müssten die Außenstadtteile insbesondere für junge Familien gezielt weiterentwickelt werden. Er fordert neue Bauplätze, schnelles Internet und Nahversorgung. Gleichzeitig gelte es die Verkehrsanbindung in die Innenstadt durch optimierte Busverbindungen, neue Radwege und Parkplätze in der Innenstadt zu verbessern, damit die Bewohnerinnen und Bewohner der Außenstadtteile von der Innenstadt so gering wie möglich „abgehängt“ sind.

Beckmann will ein Maklerverbot und „innovative“ Konzepte für Wohnraum. Der Satire-Politiker versteht darunter unter anderem Baumhäuser. Bessere Erreichbarkeit der Innenstadt könne unter anderem durch mehr Busse und die Flutung der Oberstadt erreicht werden.

Dr. Elke Neuwohner (Bündnis 90/Die Grünen) und der Einzelkandidat Rainer Wiegand nennen dagegen die Verkehrsanbindung als einen Aspekt, der ihnen besonders verbesserungswürdig erscheint. „In Zukunft müssen über 40.000 Fahrten jeden Tag zwischen den Unistandorten Innenstadt und Lahnbergen bewältigt werden, wobei die Innenstadt klar der Lebensmittelpunkt der Menschen bleiben wird“, zitiert Neuwohner gegenüber der OP entsprechende Studien. Hierfür brauche Marburg ein innovatives Verkehrskonzept, das Schwerpunkte lege auf Radwege und auf eine Stärkung der Nutzung von Elektrobikes und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Wiegand fordert als ein Mittel für eine bessere Verkehrsanbindung, die Stadtbusse für alle kostenfrei zu machen. Auffallend ist, dass keiner der OB-Kandidaten die Parkmöglichkeiten in der Innenstadt für das dringendste Problem hält. Das entspricht nicht den Debatten in der Marburger Kommunalpolitik, mag aber der schnell gewachsenen Wohnungsnot in der Innenstadt geschuldet sein. Mit den Einkaufsmöglichkeiten ist dagegen der überwiegende Teil der Marburger ganz offensichtlich zufrieden.

von Till Conrad