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Marburg Neue Chance für Philfak-Wohnviertel?
Marburg Neue Chance für Philfak-Wohnviertel?
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10:00 18.11.2018
Seit Jahrzehnten prägen die Philfak-Türme und die alte Universitätsbibliothek das Innenstadtbild. Werden sie irgendwann geräumt, sodass auf diesen Flächen in Landeseigentum ein Wohngebiet entstehen kann? Foto: Thorsten Richter
Seit Jahrzehnten prägen die Philfak-Türme und die alte Universitätsbibliothek das Innenstadtbild. Werden sie irgendwann geräumt, sodass auf diesen Flächen in Landeseigentum ein Wohngebiet entstehen kann? Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

„An günstigem Bauland mangelt es in vielen Teilen Hessens“, sagt Wohnungsbauministerin Priska Hinz (Grüne). Daher ermögliche eine neue Richtlinie, dass das Land eigene Grundstücke vergünstigt an Städte und Gemeinden verkaufen kann, wenn diese zusagen, dort bezahlbare Wohnungen zu bauen.

Konkret können Städte wie Marburg ab sofort ohne Ausbietungsverfahren direkt Grundstücke des Landes erwerben, wenn sie dort innerhalb von fünf Jahren geförderten Wohnungsbau errichten. Ein Preiswettbewerb, der zu hohen Grundstückswerten führt, sei damit ausgeschlossen. Für jede geförderte Wohnung sinke der Grundstückspreis pauschal um 25.000 Euro. Zudem verringert das Land den Kaufpreis in Höhe der Grunderwerbsteuer.

Bibliothek steht seit Monaten leer

Damit können die Grundstücke bis zu 50 Prozent günstiger als ihr gutachterlich festgestellter Wert verkauft werden. Auf dem jeweiligen Grundstück müssen nach Landes-Angaben mindestens acht Mietwohnungen errichtet werden und der Anteil an geförderten Mietwohnungen muss mindestens 30 Prozent betragen, jedoch nicht weniger als drei Wohnungen. Die Gemeinden können die Grundstücke auch an Wohnungsunternehmen weitergeben, allerdings müssen die Auflagen der Sozialbindung weiterhin erfüllt werden.

Die Marburger Fläche in Landesbesitz, auf die viele Kommunalpolitiker und die Vertreter der Lokalen-Agenda-Gruppen schielen, ist das Philfak-Gelände entlang der Wilhelm-Röpke-Straße. Die Universitätsbibliothek steht bereits seit Monaten leer, ursprünglich sollten auch die Fachbereichstürme in einigen Jahren geräumt sein. „Wenn das Land seine jahrelange Praxis, Grundstücke – auch in Marburg – meistbietend zu verkaufen, endlich überdenkt und zu diesem Zeitpunkt Verantwortung übernimmt, ist das grundsätzlich zu begrüßen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) auf OP-Anfrage.

„Gebiet darf nicht zur Abstellkammer verkommen“

„Leider“ seien der Kommune aktuell keine Flächen bekannt, die das Land derzeit oder in naher Zukunft an die Stadt verkaufen wolle – das schließe auch das Philfak-Areal ein. Zumal Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne kürzlich darauf verwies, dass die Philipps-Universität die Fläche bis auf weiteres nicht aufgeben, sondern sie noch für eigene Zwecke weiternutzen wolle. Eine Entscheidung, die Martin Turek von der Lokalen Agenda „Nachhaltige Stadtentwicklung“ kritisiert. „Dieses zentrale Gebiet, ein Filetstück der Stadt darf nicht zu der Abstellkammer der Universität werden“, sagt er mit Verweis auf den Leerstand und die theoretischen Wohngebiets-Entwicklungsmöglichkeiten.

Vor dem Gewobau-Vorstoß Anfang dieses Jahres wurde die Umgestaltung des Philfak-Areals vor allem in Verbindung mit einer möglichen, aber seitdem nie weiter vorangetriebenen Austragung der Bundesgartenschau im Jahr 2029 diskutiert. „Wir tun gerne alles, um bezahlbaren Wohnraum und attraktive Quartiere zu schaffen“, sagt Spies. Ob der aktuelle Vorstoß des Landes in Marburg eine positive Wirkung zeige, sei abzuwarten. „Feststeht: Das Land kann aus unserer Sicht viel mehr tun, um die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zu unterstützen.“

von Björn Wisker