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Marburg CDU will Baugebiet am Rotenberg erweitern
Marburg CDU will Baugebiet am Rotenberg erweitern
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00:17 10.02.2019
Eigentlich hätte neben dem Tegut-Neubau am Oberen Rotenberg, der laut Planung bis Frühjahr 2021 eröffnen soll, ein Wohngebiet für rund 100 Bewohner entstehen sollen – samt perspektivischer Erweiterungsoption. Die CDU will schneller mehr bauen. Foto: Björn Wisker
Eigentlich hätte neben dem Tegut-Neubau am Oberen Rotenberg, der laut Planung bis Frühjahr 2021 eröffnen soll, ein Wohngebiet für rund 100 Bewohner entstehen sollen – samt perspektivischer Erweiterungsoption. Die CDU will schneller mehr bauen. Quelle: Björn Wisker
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Marburg

„Gegen hohe und immer weiter steigende Mieten hilft nur mehr Angebot, also das Prinzip bauen, bauen, bauen“, sagt Jens Seipp, CDU-Fraktionschef. Überall dort, wo es attraktive und geeignete Flächen gebe – zumal wenn sie schnell für die Errichtung von Wohnhäusern benutzt werden könnten – müssten sie für diesen Zweck beplant werden. Der Rotenberg „erfüllt genau diese Bedingungen, wir können es uns nicht leisten, das Gebiet weitgehend brach liegen, das Potenzial unausgeschöpft zu lassen“, sagt er im OP-Gespräch.

Denn während vor allem wegen der Vielzahl der Eigentümer am Stadtwald – mit denen erst noch seitens der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Kaufverhandlungen geführt werden müssen – der Baubeginn am Hasenkopf laut Magistrat erst Mitte der 2020er-Jahre realistisch erscheint, könnten zwischen der Marbach und Wehrshausen Wohnhäuser schon in zwei, drei Jahren – in etwa mit der geplanten Eröffnung eines Tegut-Markts auf dem Ex-Gärtnerei-Gelände – bezugsfertig sein. Bereits in der vergleichenden Betrachtung der Stadtplaner – wie auch in Aussagen während des Bürgerbeteiligungsverfahrens – wurden immer wieder die zeitlichen Unterschiede bei der Umsetzung der Wohngebiete betont. Am Rotenberg würde sich – im Gegensatz zum Groß-Wohnviertel Hasenkopf, wo bis zu 900 Bewohner Platz finden sollen – die Bekämpfung des akuten Wohnungsmangels laut CDU-Politiker Seipp „nicht so in die Länge ziehen“, wenn man „die Dimension des ursprünglichen Vorhabens vor Ort“ umsetze. Das zu tun, sei eine „rein politische Entscheidung.“

In der Standortanalyse der Stadtverwaltung ist für das ­Rotenberg-Wohngebiet eine Kapazität von rund 500 möglichen Neu-Bewohnern ermittelt worden. Laut jüngster parlamentarischer Beschlusslage – fußend auf seinem Kompromiss-Vorschlag aus dem Magistrat, wonach das Rotenberg-Wohnviertel von 200 auf 40 Wohneinheiten schrumpfte – sollen es 100 werden, die in der Nachbarschaft zum Tegut-Markt entstehen.

"Der Rotenberg ist für uns noch nicht abgehakt"

Der Obere Rotenberg steht seit Jahrzehnten als mögliche Siedlungserweiterungsfläche im Regionalplan. Laut Standortanalyse sind „Flächenergänzungen“ über die aktuellen ­Gebiete hinaus „nicht denkbar“ – aber eben sehr wohl auf ­genau den 5,4 Hektar, die als mögiche Wohnfläche festgehalten sind. Schon der Beschluss zum Mini-Wohngebiet von Ende 2018 sieht vor, dass man eine­ ­Erweiterung perspektivisch problemlos anschließen können soll.

Sowohl der Magistrat als auch die Stadtregierung aus SPD, BfM und CDU verweisen bei den Wohngebiets-Fragen seit Monaten auf die Prognose des Regierungspräsidiums Gießen, wonach bis zum Jahr 2030 etwa 3000 mehr Menschen in Marburg leben werden als bisher. „Der Rotenberg ist für uns ­jedenfalls noch nicht abgehakt“, sagt Seipp. Marbach-Ortsvorsteher Jürgen Muth sagt auf OP-Anfrage, dass er diesen Vorstoß, das Erweiterungsvorhaben generell nun im Ortsbeirat besprechen will.

Wie zentral das Wohnungsthema ist, zeigt sich auch bei der anhaltenden Gentrifizierungs-Diskussion. Während einige Oppositionspolitiker eine Erhaltungssatzung speziell für Oberstadt, Campusviertel und Weidenhausen fordern, lehnt die Parlamentsmehrheit so ein Stadtgesetz ab. Grünen-Politiker Christian Schmidt fordert das „Ausschöpfen kommunaler Handlungsmöglichkeiten“ , um Luxussanierungen von Immobilien, Mietsteigerungen und damit einhergehende Abwanderungstendenzen von Viertel-Bewohnern zu verhindern („Die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung soll bestehen bleiben“). Vorgänge, die der Magistrat als nicht belegbar bezeichnet.

Mehr Wohnungen außen sollen Mieten innen dämpfen

Laut Roland Frese (BfM) wäre­ eine solche Satzung für die Oberstadt ohnehin nur bis vor 20 Jahren sinnvoll gewesen, um einen „Zustand zu verhindern, der jetzt Realität ist, der aber nicht schützenswert ist“. Denn es seien über die vergangenen Jahre in den attraktiven Innenstadt-Stadtteilen immer mehr große­ Wohnungen in viele kleinere Parzellen umgewandelt worden. „Mehr Studenten unterzubringen, bringt mehr Profit.“ Und gerade in der Oberstadt habe doch das studentische Klientel alteingesessene Familien verdrängt – zu einem solchen Ergebnis kommt auch eine Studie des Fachbereichs Geografie aus dem Jahr 2015 (OP berichtete). „Gentrifizierung besagt Verdrängung durch Luxussanierung, aber etwa in der Oberstadt passiert doch seit Jahren eher das Gegenteil. Da werden Besenkammern für 300 Euro vermietet – und diesen Zustand will man mit einer Satzung erhalten? Das ist das völlig falsche ­Instrument“, sagt auch Anna Zeis (SPD).

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) will den Wohnungsbau – mit ähnlicher Argumentation wie Seipp – grundsätzlich weiter vorantreiben: „Wir werden den im Westen eingeschlagenen Weg beibehalten und weiter bauen, denn wir wollen die Mieten im Zaum halten, bezahlbaren Wohnraum schaffen.“ Speziell in der Bebauung der kernstadtnahen Bereiche, die mit dem Nahverkehr gut erreichbar seien – zu denen die obere Marbach speziell nach der Rotenberg-Bebauung gehören soll –
liege „ein Mittel, um auch die Innenstadt-Situation zu entschärfen“. Einen weiteren Beitrag dazu solle in den kommenden Jahren die Weiterentwicklung des Temmlerstraßen-Gebiets als Verlängerung des unteren Richtsbergs liefern.

von Björn Wisker