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Marburg Wohnheime in leeren Kasernen
Marburg Wohnheime in leeren Kasernen
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15:42 17.10.2012
Von Maren Schultz
Was seine Wohnungsnot angeht, ist Marburg kein Einzelfall. Durch steigende Studentenzahlen hat sich die Situation in vielen Studentenstädten zugespitzt.
Was seine Wohnungsnot angeht, ist Marburg kein Einzelfall. Durch steigende Studentenzahlen hat sich die Situation in vielen Studentenstädten zugespitzt. Quelle: Thorsten Richter
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Berlin

Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) geht mit den Ländern ins Gericht, weil sie nicht genug Wohnraum für Studierende schaffen. „Was sich junge Leute in den Universitätsstädten gefallen lassen müssen, ist unglaublich und zum Teil skandalös“, empörte sich der Minister bei der Vorstellung des neuen Berichts seines Hauses über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Ramsauer will angesichts der „katastrophalen Situation“ alle Beteiligten an einen Runden Tisch holen.

Zurecht fragten sich die jungen Menschen, „was ist das für ein Staat, drängt uns ins Studium und dann sollen wir unter der Brücke schlafen“, rügte Ramsauer. Wer mehr Studierende wolle, müsse auch für ihre Unterbringung sorgen. Der CSU-Politiker will das Problem nun anpacken, obwohl es fast schon zu spät ist und er gar nicht zuständig ist. „Man kann 100 Mal auf die Länder zeigen, auf der Anklagebank sitzt der Bundesbauminister“, begründete er seine Initiative und berichtete von Klagen, die ihm seine studierenden Töchter übermittelten.

Länder vernachlässigen sozialen Wohnungsbau

Die studentische Wohnungsnot ist aktuell besonders akut, weil doppelte Abitur-Jahrgänge und das Aussetzen der Wehrpflicht einen Ansturm auf die Hochschulen ausgelöst haben - eine Entwicklung, die schon länger absehbar war. Ramsauer schlug vor, wenn möglich auch geräumte Kasernen oder leerstehende Gewerbeimmobilien in Wohnheime umzubauen.

Überhaupt wirft der Bauminister einigen Ländern vor, den sozialen Wohnungsbau zu vernachlässigen, der mit der Föderalismusreform ihre Aufgabe wurde. Der Bund überweise dafür 518 Millionen Euro im Jahr, rechnete der CSU-Mann vor. Aber nicht alle Länder kämen ihrer Verantwortung nach.

Die Lage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt hat sich nach Feststellung des Bauministeriums im Vergleich zu den Jahren 2000 bis 2010 spürbar verändert. In einer zunehmenden Zahl von Städten und Regionen zeichneten sich „lange Zeit nicht mehr bekannte Wohnungsmarktengpässe ab“, heißt es im Bericht. Bei Neuvermietungen zogen die Mieten 2011 im Bundesdurchschnitt um drei Prozent an - ein Anstieg, der vor allem auf das Konto der Groß- und Universitätsstädte geht. Dem stehen zum Teil erhebliche Wohnungsleerstände in Ostdeutschland gegenüber. Einen ähnlichen Trend gibt es bei den Immobilienpreisen.

von Arnold Petersen