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Marburg Wohlfühlwärme für die Wohnungen
Marburg Wohlfühlwärme für die Wohnungen
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00:18 01.11.2018
Marburg

Im Erdgeschoss des nüchternen Zweckbaus des Neubaus der Uni-Bibliothek wird es ab Mittwoch kuschelig und wohnlich. Im Ausstellungsrsaum laufen die letzten Vorbereitungen für den Aufbau von drei „Wohninseln“. Sie sollen Einblicke in ein Wohnzimmer um 1900 sowie in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts und in der Gegenwart vermitteln.

Die beiden Ausstellungsorganisatoren Professor Manfred Seifert (Uni-Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaften) und Markus Hohmann (Buderus Deutschland) sitzen in einem Biedermeier-Sofa an einem Wohnzimmertisch. Im Hintergrund sieht man einen Heizkörper aus der Zeit um 1900.

Nicht nur der Thermostat aus Messing ist künstlerisch gestaltet, auch die einzelnen Wärme­rippen sind mit Ornamenten reichhaltig verziert.

Um das Jahr 1900 ging es richtig los

Nach ersten Experimenten ab 1850 habe sich die Zentralheizung in deutschen Wohnungen erst um das Jahr 1900 richtig durchgesetzt, erläutert Professor Seifert.

In Privathaushalten seien die Heizungen aber zuerst in den Häusern der Oberschicht verbreitet gewesen. Dies zeige auch ihre Funktion als StatusSymbol, das wohlige Wärme verbreite. Gegenüber den mit Holz- und Kohleöfen ausgestatteten Wohnungen der Durchschnittsverdiener habe die Zentralheizung gleich mehrere Vorteile mit sich gebracht. So habe es weniger Rauch, Asche und Staub gegeben, erklärt Markus Hohmann, Technischer Fachreferent beim Heizungshersteller Buderus in Lollar.

In späteren Jahrzehnten sei ist die technische Funktionalität von Heizung wie Wasser- und Stromleitungen immer mehr merklich aus der unmittelbaren Wahrnehmung der wohnenden Personen verschwunden.

Blick auf Veränderung des Wohnumfeldes

Die Ausstellung haben Seifert und Hohmann zusammen mit Studierenden der Kulturwissenschaften erarbeitet. Dabei stellten sich die Ausstellungsmacher vor allem die Frage, wie die Technik-Entwicklung das Wohnumfeld verändert hat.

In der Ausstellung wird die Heizungstechnik mit der Wohnkultur zusammengedacht und diese „Dienstleistungstechnik“ für die Wohnkultur „auf dem Sprung in die Moderne“ gezeigt. Früher dagegen war die Heizung eine direkt im Wohnumfeld präsentes und in seiner Wärmeleistung oft auch in etwas unangenehmer, aufdringlicher Wirkung agierende „Dienstleistungstechnik“.

Doch ihre wärmenden Effekte sind freilich schon immer unter den Dimensionen von Komfort, Stimmung und Atmosphäre bewertet worden. Sie bilden damit relevante Bezugsgrößen für Gemütlichkeit und Behaglichkeit als erwünschte Wohnqualitäten. Dabei hat die Entwicklung der Heizungstechnik immer mehr für komfortable atmosphärische Wohnqualitäten der Wohnräume gesorgt und damit die Wohnkultur gesteigert.

  • Die Ausstellung wird am Mittwoch, 31. Oktober, ab 18 Uhr in der Uni-Bibliothek eröffnet. Anschließend ist sie bis zum 13. Januar 2019 im Ausstellungsraum der UB jeweils von 8 Uhr bis 20 Uhr zu sehen.

von Manfred Hitzeroth