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Marburg Wirtschaft spricht sich gegen Testpflicht aus
Marburg Wirtschaft spricht sich gegen Testpflicht aus
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17:56 01.04.2021
Die Wirtschaft spricht sich gegen die Verpflichtung zu Corona-Tests aus.
Die Wirtschaft spricht sich gegen die Verpflichtung zu Corona-Tests aus. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Marburg

Homeoffice-Pflicht und Corona-Tests für die Beschäftigten: Die Wirtschaft ist von den Forderungen der Politik nicht erfreut. Wolf Matthias Mang, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), formuliert es drastisch:

„Eine generelle Test- und Homeoffice-Pflicht für Unternehmen wäre eine Kampfansage an die Wirtschaft. Wir lassen der Politik ein solches ,Schwarzer-Peter-Spiel‘ nicht durchgehen, auch nicht der Kanzlerin. Hier wie dort fehlt sowohl die Rechtsgrundlage für eine solche Drohung als auch die epidemiologische Begründung.“

Aus seiner Sicht sei auf dem Stand des bisher Erreichten die „Kombination aus beschleunigtem Impfen, Testen, abgesichertem Öffnen und einem digitalen Impfnachweis der richtige Weg“. Eine Corona-Testpflicht und eine Homeoffice-Pflicht bezeichnete Mang indes als „ungeeigneten Aktionismus. Das würde die fehlende Anerkennung der Unternehmen ausdrücken, die um ihre Wettbewerbsfähigkeit und vielerorts auch um ihre Existenz kämpfen“.

Verband setzt auf Freiwilligkeit

Die VhU habe an ihre 80 Mitgliedsverbände mit 150.000 Unternehmen appelliert, ihren nicht im Homeoffice befindlichen Beschäftigten freiwillige Schnell- oder Selbsttests anzubieten. Doch seien viele betriebspraktische und rechtliche Fragen sowie die Beschaffung und Finanzierung zu klären.

„Zwei Tests pro Mitarbeiter in der Woche führen zu finanziellen Aufwendungen und einem erheblichen Einsatz von Arbeitszeit, die in der jetzigen Zeit von manchen Unternehmen nicht zu stemmen sind. Es reicht, auf freiwillige Tests in Unternehmen zu setzen.“

Auch der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen lehnt eine Testpflicht für Arbeitgeber ab. „Diese Regelung würde zu einer großen Verunsicherung führen, da alle wesentlichen Fragen zur praktischen Umsetzung noch unbeantwortet sind“, erläutert Hauptgeschäftsführer Burkhard Siebert. „Auch die Finanzierung ist ungeklärt, und niemand weiß, wo und zu welchen Bedingungen in dieser kurzen Zeit eine solch große Anzahl Tests bezogen werden kann.“

In Kürze testet fast die Hälfte aller Betriebe

Die Bauunternehmen hätten vergangenes Jahr gezeigt, dass sie mit strikten Hygienekonzepten zur Eindämmung der Pandemie hätten beitragen können. Schon dies verursache erhebliche Mehrkosten. Statt neuer Verpflichtungen wünscht sich Siebert ein „schneller und strukturierter verbessertes Impfangebot“ – etwa durch Betriebsärzte.

Eine Blitzumfrage der IHK Kassel-Marburg ergab, dass 17,4 Prozent der Unternehmen im heimischen Kammerbezirk regelmäßig Corona-Tests anbieten – weitere 31,9 Prozent der befragten 145 Unternehmen gaben an, „in Kürze“ zu starten.

Unternehmen beklagen Informationsdefizit

Daraus folgt jedoch auch: 50,7 Prozent der Betriebe stellen ihren Belegschaften noch keine Tests zur Verfügung. Als Grund gaben 52,6 Prozent der Unternehmer an, dass Informationen zum Umgang mit Tests fehlten. 32,8 Prozent kritisierten, dass es kein passendes Schulungsangebot für die betriebsinterne Durchführung von Schnelltests gebe.

Dazu habe die IHK nun ein Schulungs- und Informationsangebot unter  www.ihk-kassel.de/coronatests etabliert, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes erläutert. Er betont, dass „25,9 Prozent der Befragten wegen Lieferschwierigkeiten seitens der Anbieter bisher keine Tests beschaffen konnten“.

Von Andreas Schmidt

01.04.2021
01.04.2021