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Marburg CSL sagt Zentrallager-Bau in Goßfelden ab
Marburg CSL sagt Zentrallager-Bau in Goßfelden ab
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16:00 30.03.2021
Auf rund 83 000 des 95 000 Quadratmeter großen Industriegebiets „Spiegelshecke“ sollte das Logistikzentrum von CSL Behring entstehen, in unmittelbarer Nähe zum Anschluss an die neue B 252 (oben).
Auf rund 83 000 des 95 000 Quadratmeter großen Industriegebiets „Spiegelshecke“ sollte das Logistikzentrum von CSL Behring entstehen, in unmittelbarer Nähe zum Anschluss an die neue B 252 (oben). Quelle: Grafik: Groß & Hausmann / Gemeinde Lahntal / Nikola Ohlen
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Lahntal

CSL Behring wird in der Gemeinde Lahntal kein Logistikzentrum errichten. Diese Information der OP bestätigen beide beteiligten Seiten. „Wir können bestätigen, dass CSL Behring zum aktuellen Zeitpunkt kein Logistikcenter in der Gemeinde Lahntal errichten wird“, erklärt Pressesprecherin Stephanie Fuchs. Diese Entscheidung sei maßgeblich von globalen strategischen Rahmenbedingungen beeinflusst, die CSL Behring auf lokaler Ebene umsetze. Laut Fuchs seien die verantwortlichen Vertreter der Gemeinde Lahntal über diesen Beschluss informiert.

Mitte Februar ereilte Bürgermeister Manfred Apell die Nachricht, die er sogleich weitergab, unter anderem an die Fraktionsspitzen. In der Gemeinde versprach man sich viel vom beabsichtigten Engagement des Pharmaunternehmens, weil CSL „bislang auch ein guter Arbeitgeber für viele Lahntaler Bürger ist“. Auch deshalb sei die Akzeptanz in der Gemeinde groß gewesen.

Für diese ist die Absage nun erst mal einem Minusgeschäft gleichzusetzen. „Wir haben drei Jahre mit dem Unternehmen sowie weiteren Beteiligten verhandelt, Vorleistungen erbracht und haben nun keinen Benefit“, bilanziert Apell nüchtern, aber nicht verzweifelt. Denn der Bürgermeister sieht „durchaus noch Chancen, diese Entwicklung zu unserem Vorteil zu nutzen“. Dies, weil die Gemeinde nun wieder über eine rund 83 Quadratmeter große Fläche in „relativ zentraler Lage“ verfüge, die an zwei neuen Bundesstraßen-Anschlüssen liege, die nach wenigen Kilometern in eine vierspurige Anbindung ins Rhein-Main-Gebiet münden.

Auch keine Lagerhaltung am Görzhäuser Hof

Zudem gebe der Bebauungsplan für das Industriegebiet „vieles her“, unter anderem eine theoretische Bauhöhe von 40 Metern. Die Gemeinde würde das Gelände am liebsten als Ganzes an einen Käufer geben, der allerdings noch nicht in Aussicht ist, erklärt Apell. Zuerst stünden in dieser Woche aber Gespräche mit CSL Behring an, um den Kauf rückgängig zu machen. Dabei geht es Apell vor allem darum, wie der siebenstellige Betrag zurückzuzahlen ist, ohne dass die Gemeindekasse strapaziert wird, wie es bei einer einmaligen Zahlung der Fall wäre. Für die Gemeinde verschlechtern sich allerdings die Aussichten, weil die bisherigen Vorteile entfallen. Bisher ging man davon aus, dass durch das Ansiedeln eines „sauberen Gewerbebetriebs“ auch nicht mehr Lastwagenverkehr entstehen würde, da die Transporte des Unternehmens vom derzeitigen Standort Schwalmstadt zum Görzhäuser Hof ohnehin durch Goßfelden fahren. Entgegen der Entwicklung Verkehre zu begrenzen, weite CSL diese nun aus, kritisiert Apell leise die Entscheidung.

Mehr Verkehr könnte für Goßfelden nämlich nicht nur bedeuten, dass CSL laut Stephanie Fuchs das Logistikzentrum in der Gemeinde Lahntal als Erweiterungsfläche der Lagerkapazitäten am Standort Marburg gedacht war. Vielmehr schließt CSL auch seine Logistikabteilung am Görzhäuser Hof. Darüber, wie viele Mitarbeiter dort ihren Job verlieren, äußert sich die CSL-Pressesprecherin bedeckt: „Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns zum aktuellen Zeitpunkt – aufgrund laufender Verhandlungen mit dem Betriebsrat – nicht zu Details im Hinblick auf einen Personalabbau äußern können.“

Von Gianfranco Fain

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