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Marburg Licht an! Wirte in Marburg hoffen auf Kunden
Marburg Licht an! Wirte in Marburg hoffen auf Kunden
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20:59 16.05.2020
Jan Lerch (links) und Ali Arin betreiben in der Marburger Oberstadt seit zwölf Jahren das „Plan B". Vor der Wiedereröffnung der Gastronomie setzen sie auch auf die Bekanntheit ihres Ladens. Quelle: Björn Wisker
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Marburg

Nach zwei Monaten Zwangs-Schließung soll die Gastronomie wieder ins Laufen kommen. Ali Arin und Jan Lerch hoffen, „dass sich immer ein paar Dreier-WGs an unsere Tische setzen und nicht nur vereinzelte Kunden, die drei Stunden sitzen und eine kleine Cola trinken“, sagt Lerch augenzwinkernd mit dem Verweis auf die Corona-bedingten Kontakt- und Abstands-Auflagen in Konkurrenz zum herrschenden wirtschaftlichen Druck.

Denn Bars wie das „Plan B“ in der Marburger Oberstadt treffen Vorgaben wie der 1,5-Meter-Abstand besonders hart. Gerade in kleinen Kneipen wie jener hinter dem Rathaus tobt normalerweise das Leben an und um die Theke, das dichte Beisammensein, das Gedränge und Gewusel, das Gespräch an der Schankanlage – das ist für die Kunden Teil der Atmosphäre und des Reizes, für die Wirte es ist Bedingung für Umsatz.

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In Restaurants gehe man wegen des Essens, da komme es auf das Glas Bier nicht so an, „das Haupt-Event ist ein anderes: die Speise. Bei uns im Loungebereich ist das gänzlich anders, da ist der Faktor Geselligkeit größer“, sagt Lerch.

Gutes Wetter würde helfen

„Die Theke spielt daher eine sehr wichtige Rolle. Es ist ja auch kein realistisches Szenario, dass alle Tische mit erlaubten Kleingruppen belegt sind, von daher ist das Verbot von Thekenbetrieb für uns ein großer Punkt. Einen, den wir spüren werden“, sagt Lerch.

Wie so oft ist die Hoffnung: gutes Wetter. Denn dann bietet „Plan B“ auf einen Außenbereich, wo trotz Abstandswahrung viele Kunden sitzen könnten. So oder so: „Wir hoffen aber auf eine wirtschaftliche Menschlichkeit, also, dass Kunden weiter gerne kommen, eine gute Zeit haben und deshalb wie normal konsumieren“, sagt Arin.

Die Tatsache, dass sich faktisch keine Freundes-Cliquen treffen dürften, dass Kumpels eventuell vor der Tür abgewiesen werden müssten, dass Arin, Lerch und ihre Mitarbeiter Name und Adresse jedes Gasts sammeln müssen – das behagt den Profi-Gastgebern gar nicht.

Wichtig sind die nächsten zwei, drei Wochen

„Vom Verständnis für die Situation bis hin zur Bereitschaft, Geld ausgeben: Alles hängt am Mitmachen der Menschen“, sagt Lerch. „Positiv gestimmt“, dass ab die Kunden kämen, so Arin, sei man unter anderem wegen der Unterstützung durch den „Marburg Liebe“-Gutschein. Aber auch grundsätzlich spüre er „leichten Optimismus“, nicht zuletzt, weil der Laden seit zwölf Jahren existiere, bekannt sei und es viele Stammkunden gebe.

Die Wirte rechnen für das erste Wochenende, für die ersten Öffnungstage insgesamt mit einem gewissen Gastro-Andrang. Aber: „Wichtig ist nicht die vermutlich kurze Hochphase jetzt zu Beginn. Wichtig ist, wie ernüchternd die Normalisierung unter diesen viel Flair raubenden Abstands- und Kontaktregeln in den nächsten zwei, drei Wochen wird“, sagt Lerch.

Eben deshalb haben sich beide auf eine Probe-Öffnungsphase von zwei Wochen Dauer festgelegt. „Wenn wir bestimmte Kennzahlen bis dahin nicht erreichen, machen wir wieder zu“, sagt Lerch, der wie Arin seit März einen anderen Vollzeitjob gefunden hat – um die Fixkosten des Ladens zu decken und die Familien zu ernähren.

Von Björn Wisker

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