Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Tropische Hitze
Marburg Tropische Hitze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 05.08.2022
Hitze im Neuen Botanischen Garten auf den Lahnbergen in Marburg. Mitarbeiter Jan Hußmann wässert die Pflanzen.
Hitze im Neuen Botanischen Garten auf den Lahnbergen in Marburg. Mitarbeiter Jan Hußmann wässert die Pflanzen. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Heiß, heißer, 2022? Im Moment sieht es nicht unbedingt danach aus, als könne der Sommer 2022 die Rekordwerte von 2003 knacken. Die Wetterredaktion des Hessischen Rundfunks gibt sich zurückhaltend. „Da der „Sommer“ noch nicht beendet ist, ist es schwer, jetzt schon Aussagen darüber zu treffen, ob er der „heißeste der Geschichte“ wird“, sagt Silke Hansen. „Eine oder zwei Hitzewellen machen ihn noch nicht dazu.“

Deutlich genauer wird der Wetterdienst Wetter online. „Der Sommer liegt in Hessen aktuell mit einer Durchschnittstemperatur von etwa 19 Grad zusammen mit 2019 auf dem 3. Platz der heißesten Sommer. 2018 war es mit 19,5 Grad noch wärmer, 2003 steht mit 19,7 Grad an Platz 1.

Die Daten der Wetterstation Cölbe von Wetter online aus der Region ergeben ein ähnliches Bild, sagt Niklas Weise von Wetter online. Vor allem die Anzahl der Hitzetage unterscheidet sich aktuell noch von 2018: Damals gab es an der Station 25 Tage mit mehr als 30 Grad, in diesem Jahr sind es erst 12 Tage.

Da könnten aber noch einige heiße Tage hinzukommen. Nach dem außergewöhnlich trockenen Juli bleibt Regen auch im August Mangelware. Fest steht aber auch, dass der Juni um knapp 2 Grad wärmer war als im langjährigen Mittel und der Juli um mehr als 1 Grad wärmer.

Es fehlen noch 0,7 Grad zum Rekordsommer

Inzwischen gibt es aber auch Rechenmodelle, die einen neuen Rekordsommer bei den Temperaturen für denkbar halten. Der Wetterdienst Meteored veröffentlichte am Donnerstag Berechnungen, nach denen die Temperaturtrends der nächsten 7 bis 14 Tage auf eine erneute sehr warme Wetterphase hindeuten.

Bisher gab es diese Hitzespitzen um 35 bis 40 Grad immer nur 2 bis 3 Tage. Nun deuten die Wettermodelle für Mitte August eine länger anhaltende Hitzeperiode an. Es scheint so, als wolle der Hitzesommer 2022 zum großen Heißluftfinale ansetzen. Besonders das US-Wettermodell, welches als Erstes die großen Hitzeschübe erkannt hat, deutet eine lang anhaltende Hitzewelle an, sagt das Portal daswetter.com. Wir sprechen von 5 bis 7 Tagen mit Höchstwerten jenseits von 35 Grad und nahe der 40 Grad.

Wenn es so kommt, wäre ein neuer Rekordsommer doch noch möglich. Es fehlen 0,7 Grad zum Einstellen des Rekords aus dem Jahr 2003. Das wäre nach den aktuellen Berechnungen durchaus denkbar.

Nicht jede Pflanze muss bewässert werden

Im Neuen Botanischen Garten auf den Lahnbergen müssen derzeit aufgrund der Hitze viele Pflanzen bewässert werden. „Im letzten Sommer haben wir weniger bewässert, weil die Wetterverhältnisse anders waren“, berichtet Britta von Daacke, Leiterin der Abteilung Freilandflächen. In den heißen Sommern zuvor sei die Situation aber ähnlich gewesen wie jetzt. Besonders leiden nach ihrer Aussage Jungbäume sowie Gehölze mit großen Blättern unter der Trockenheit. Fest installierte Bewässerungsanlagen gibt es unter anderem bei den Rhododendren, im Alpinum und in der Farnschlucht.

Allerdings werden trotz der Bedeutung des Botanischen Gartens für den Artenschutz selbst dort nicht alle Pflanzen bewässert. Arten aus sonnigen oder trockenen Gegenden könnten sich selbst auf die Hitze einstellen, und viele Großbäume könne man gar nicht bewässern. Das gilt erst recht für Privatgärten. „Zuhause sollte man nicht alles bewässern“, rät von Daacke. Jungpflanzen, Gemüse oder Balkonpflanzen bräuchten natürlich viel Wasser, aber alte Bäume hätten oft so tiefe Wurzeln, dass sie die Trockenheit gut aushalten. „Manche Pflanzen kann man sogar zu viel gießen – die sehen dann auch vertrocknet aus“, warnt sie.

Auch Schatten hilft vielen Pflanzen, die heißen Tage zu überstehen. Im Botanischen Garten gibt es deshalb bei den Anzuchtbeeten so genannte Schattenleinen, erklärt von Daacke. Im privaten Garten zahlt es sich aus, wenn Pflanzen am richtigen (schattigen) Standort stehen. In der prallen Mittagssonne sollte man sowieso nicht gießen – wenn man abends und nur im Wurzelbereich gießt, verdunstet weniger Wasser.

Das Land Hessen hat die Waldbrandgefahr-Stufe A ausgerufen. Das Ausrufen der Alarmstufe A bedeutet, dass in Hessen oder Teilen Hessens eine fortgesetzt hohe Waldbrandgefahr besteht. Der Landesbetrieb HessenForst mit seinen Forstämtern veranlasst in diesem Fall eine verstärkte Überwachung der besonders gefährdeten, von ihm betreuten Waldgebiete. Darüber hinaus wird unter anderem der Kontakt mit den Brandschutzdienststellen intensiviert und die Information der Bevölkerung durch die Presse sichergestellt.

Von Till Conrad

04.08.2022