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Marburg „Wir wollen bunt und laut sein“
Marburg „Wir wollen bunt und laut sein“
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20:40 17.05.2019
Bei der „Wir sind mehr“-Demonstration auf dem Marburger Marktplatz gegen Rechtsextremismus kamen im September vergangenen Jahres 7 500 Teilnehmer zusammen. Quelle: Tobias Hirsch
Bauerbach

Die Vorbereitungen für die Gegendemonstration ­gegen die AfD-Veranstaltung im Marburger Stadtteil Bauerbach mit Alexander Gauland laufen auf vollen Touren. „Wir erwarten mehr als 500 Teilnehmer“, sagte Christian Kirscht vom Marburger „Bündnis gegen rechts“, das für den Protest verantwortlich zeichnet.

Genehmigt wurde vom Marburger Ordnungsamt der Protest in einem Zeitkorridor zwischen 16 Uhr und 21 Uhr. „Wir wollen bunt und laut sein“, erläuterte Bündnis-Sprecher Kirscht. „Es geht uns darum, die AfD zu stören und zu nerven“, sagte er. „Wir wissen aber auch, dass wir die Verhandlung nicht verhindern können“, machte Christian Kirscht deutlich. Er verwies zudem auf einen „Aktionskonsens“, auf den sich die das Bündnis tragenden Gruppen geeinigt hätten. Demnach solle der Protest friedlich verlaufen. Da mit vielen Demo-Teilnehmern aus Marburg in Bauerbach gerechnet werde, gibt es ab 15.30 Uhr vom Marburger Hauptbahnhof aus einen Bus-Pendelverkehr der Linie 11 Richtung Bauerbach, kündigte­ Bündnis-Sprecher Kirscht an. Treffpunkt in Bauerbach ist dann ab 16 Uhr an der Kreuzung Am Forsthaus/Bauerbacher Straße am Ortsausgang Bauerbachs Richtung Ginseldorf.

Mini-Bürgerfest an der Kirche

Ab 17 Uhr soll dann die Auftakt-Kundgebung starten. Folgende Redner stehen laut Christian Kirscht fest: Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und der aus Marburg stammende Linken-Landesvorsitzende Jan Schalauske­ sowie Andreas Santa (Jusos), der in Bauerbach wohnende Nahost-Forscher Professor Rachid Ouaissa sowie Vertreter des DGB und anderer Organisationen.

Nach der Auftakt-Kundgebung soll der Demonstrationszug auf der Bauerbacher Straße einige hundert Meter weiter Richtung Ortsmitte weiterziehen und rund 20 Meter vor dem Bürgerhaus stoppen, wo nach Angaben von Kirscht durch die Polizei Absperrgitter aufgebaut werden.

„Es ist gut, wenn im Stadtteil viele Menschen für bunte Vielfalt auf die Straße gehen“, sagte eine Bauerbacherin im Gespräch mit der OP. Zusätzlich zur Gegendemo wird es auch ein genehmigtes „Mini-Bürgerfest“ auf dem Platz neben der Evangelischen Kirche geben. Bei dem von Bauerbacher Bürgern organisierten Fest werden Getränke und Kuchen verkauft. Zudem können dort die Toiletten der Kirchengemeinde benutzt werden.

Bauerbach sei "Notlösung"

Polizeisprecher Jürgen Schlick sagte auf OP-Anfrage, dass die Polizei für den Schutz aller genehmigten Veranstaltungen sorgen werde. Auf die Frage nach der Zahl der für ­Bauerbach eingesetzten Polizisten wollte Schlick aus „einsatztaktischen Gründen“ keine Antwort geben. Es ist aber nach OP-Informationen davon auszugehen, dass ­einige Hundertschaften im Einsatz sein werden.

Nach OP-Informationen wäre die aktuelle Aufregung in ­Bauerbach – der Streit nach der Protest-Rundmail von SPD-Vertretern im Ort – vermeidbar gewesen. Denn die AfD hatte offenbar am Bürgerhaus kein besonderes Interesse, hatte in den Vorwochen mehrere andere Veranstaltungssäle angefragt – darunter Cappel und Wehrshausen. Das sei ihnen seitens der Stadtverwaltung aber wohl trotz rechtlichem Anspruch auf einen Saal verwehrt worden. Bauerbach sei so „eher nur Notlösung“ geworden, wie es aus ­Parteikreisen heißt.

von Manfred Hitzeroth und Björn Wisker