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Marburg „Wir haben hier keine Immobilienblase“
Marburg „Wir haben hier keine Immobilienblase“
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16:00 10.12.2021
Dr. Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen.
Dr. Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen. Quelle: Privatfoto
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Marburg

„Wir haben in den vergangenen Jahren weiterhin die Erfahrung machen müssen: Wohnen wird nicht nur in Marburg teurer. Und wir haben das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht“, sagt der Vorstandssprecher. Das ist ein Fakt, der sich laut Hanker auf der weltgrößten Immobilienmesse ExpoReal verfestigt hat.

Der kräftige Preisanstieg basiert laut Hanker auf drei Faktoren. So sei an erster Stelle das Angebot knapp und die Nachfrage groß. „Wir haben derzeit Preise von mitunter deutlich über 5 000 Euro je Quadratmeter bei Neubau-Objekten – das kann ja keine gewollte Entwicklung sein“, sagt Hanker. Gerade in den Ballungsräumen seien kaum neue Flächen vorhanden. In Marburg beispielsweise sei das Bauland schon alleine aufgrund der Topografie stark begrenzt. „Dennoch wäre es bei der Preisentwicklung doch geboten, zu schauen, ob der Instrumentenkasten nicht vielfältiger ist. Können wir nicht mehr tun, damit Wohnen in dieser Stadt bezahlbarer wird?“, fragt Hanker.

Er weiß, dass beispielsweise Nachverdichtung ihre Grenzen habe und auch von den jeweiligen Nachbarn oft sehr kritisch gesehen werde. „Doch heißt Verdichten ja nicht automatisch, dass man alles bis auf den letzten Zentimeter ausnutzt. Doch sollte es möglich sein, dass man für private Bauherren auch mal ein Staffelgeschoss mehr zulässt oder er ein Dachgeschoss ausbauen kann“, sagt Hanker. Die privaten Investoren seien jedoch wichtig, um langfristig eine Entspannung des Immobilienmarktes zu erreichen. Vor diesem Hintergrund könne er beispielsweise nicht verstehen, warum „eine hoch attraktive Fläche wie unser ehemaliger Parkplatz am Rudolphsplatz immer noch nicht bebaut wurde“ – das Projekt scheiterte seinerzeit daran, dass zur Lahnseite hin Balkone entstehen sollten, die laut Stadt für eine Beschattung des Lahnufers gesorgt hätten, worauf das Projekt geplatzt war.

Preise steigen weiter

Der zweite Grund für den Preisanstieg: Die Zinsen sind nach wie vor extrem niedrig. Baugeld ist so günstig wie nie. Drittens sind die Baukosten infolge höherer Standards und Rohstoffpreise immens gestiegen.

Doch auch wenn die Preise weiter steigen werden, steht für Hanker fest: „Wir haben hier keine Immobilienblase. Das Ganze ist nicht spekulativ, sondern nachfragegetrieben. Es sind wirklich Menschen wie du und ich, die etwas Neues suchen, weil sie sich vergrößern oder verbessern wollen – es sind keine Spekulanten von außen, die in Marburg 20 oder 50 Wohnungen kaufen, um sie dann nach einigen Jahren mit Rendite zu verkaufen.“

Hanker plädiert dafür, auch in Marburg eine etwas aktivere Konversion von alter Bausubstanz voranzutreiben und den Ensembleschutz gegebenenfalls aufzuweichen. „Wir alle haben doch das Ziel, dass Wohnen in Marburg bezahlbar bleibt und dass die Stadt prosperiert.“

Von Andreas Schmidt