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Marburg „Wir erwarten, dass die Fallzahlen weiter steigen“
Marburg „Wir erwarten, dass die Fallzahlen weiter steigen“
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19:40 26.01.2022
In den Schulen gibt es klare Corona-Verhaltensregeln, die auch jederzeit wie hier an der Emil-von-Behring-Schule in Marburg nachzulesen sind.
In den Schulen gibt es klare Corona-Verhaltensregeln, die auch jederzeit wie hier an der Emil-von-Behring-Schule in Marburg nachzulesen sind. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Omikron-Variante sorgt für hohe Fallzahlen. Grund genug, danach zu fragen, wie das Gesundheitsamt und der Landkreis die derzeitige Lage an den Schulen und insbesondere an den Grundschulen und Kindergärten bewertet. Kreissprecher Stephan Schienbein gibt Auskunft: „Die Fallzahlen steigen in der Tat insgesamt. Das ist natürlich auch im Kontext Kita und Grundschulen eine Herausforderung. Wir beobachten die Entwicklung in diesen Einrichtungen sehr genau und stehen auch in engem Austausch mit den Einrichtungen. Die Konzentration auf vulnerable Gruppen bedeutet auch, den Fokus auf Kita und Schule zu legen.“

Heißt das, dass Schulen und Kitas Umschlagsplätze für Erkrankungen sind? Die bisherige Erfahrung könne dies nicht bestätigen. Schienbein dazu: „Überwiegend finden die Infektionen im häuslich-privaten Umfeld und nur selten in den genannten Einrichtungen statt. Wenn Fälle in Schulen oder Kitas auftreten, betrachtet und bewertet das Gesundheitsamt die Situation vor Ort immer individuell. Eine mögliche Konsequenz kann dann sein, dass eine ganze Gruppe oder auch eine ganze Einrichtung in Quarantäne gehen müssen. Das ist aber immer vom Einzelfall abhängig.“ Kreis und Gesundheitsamt gehen derzeit davon aus, dass in naher Zukunft keine Einrichtung geschlossen werden muss. Das sei natürlich keine Garantie für einen längeren Zeitraum. Das Gesundheitsamt weist allerdings nochmals eindringlich darauf hin, dass eine wirksame Schutzmaßnahme auch das regelmäßige kurze Durchlüften ist.

Eltern werden zunehmend unsicherer

Eltern von Kindergartenkindern werden zunehmend unsicherer. Wenn sich beispielsweise rumspricht, dass es offenbar Verdachtsfälle gibt, aber nichts offiziell verlautbart wird, wissen sie nicht, wie sie darauf reagieren sollen. In der Regel werden aber auch nur bestätigte Fälle kommuniziert. In einem Kindergarten wurde aber selbst das versäumt. Dort wurden zwei Erzieherinnen positiv getestet.

„So kann man doch nicht mit den Eltern umgehen“, sagt eine Mutter gegenüber dieser Zeitung. Das Vertrauen zur Einrichtung habe einen gehörigen Knacks erlitten. Das Gesundheitsamt bestätigt, dass zwei Mitarbeitende dieser Kita positiv getestet worden sind. Weiter heißt es von dort: „Ob die Betroffenen die Eltern der Kita-Kinder informiert haben, wissen wir nicht; es ist auch nicht Aufgabe des Gesundheitsamtes dieser Frage nachzugehen.“ Mittlerweile ist es in der Einrichtung bekannt.

Das Gesundheitsamt und der Kreis haben aber auf die aktuellen Entwicklungen reagiert und Regeln kommuniziert (siehe Info-Box). Vor dem Hintergrund der besonderen Bedeutung von schulischer und vorschulischer Bildung sowie den bisherigen Belastungen der Kinder und Jugendlichen in den vergangenen Pandemie-Jahren gelte es, Schulen und Kitas offen zu halten. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow sagt: „Wir erwarten, dass die Fallzahlen im Kreis weiter steigen. Bei Quarantänemaßnahmen für ganze Schulklassen oder Kitagruppen stünde eine Vielzahl von Eltern durch die notwendige Betreuung wieder vor einer enormen Belastung“.

Wenn positiv getestet wird

Treten in einer Kita positive Fälle auf, greift eine festgelegte Vorgehensweise des Gesundheitsamtes. Positive Fälle müssen für zehn Tage in Isolierung.

Kontaktpersonen in der Kita(gruppe) können die Kita, sofern sie symptomfrei sind, weiter besuchen. Voraussetzung hierfür ist dann zudem eine tägliche Testung. Wer zu diesen Kontaktpersonen gehört und den Zeitraum, in dem diese tägliche Testung notwendig ist, legt das Gesundheitsamt auf Grundlage der Angaben der Kita fest. In der Regel beträgt dieser Testzeitraum zehn Tage. Den Eltern steht es auch frei, ihr Kind für die zehn Tage zu Hause zu betreuen. Am ersten Tag des Besuchs nach Bekanntwerden des Falles ist ein offizieller Antigen-Schnelltest (Bürgertest) für einen Besuch erforderlich. Für die folgenden Tage ist entweder ein Bürgertest oder alternativ ein Selbsttest notwendig. Seit dem 13. November 2021 hat jede Bürgerin und jeder Bürger nach Regelung des Bundes wieder mindestens einmal pro Woche Anspruch auf einen kostenlosen Bürgertest. Die Kosten dafür übernimmt der Bund. Für die Testnachweise an den Folgetagen, um die Kita zu besuchen, sind die Bürgertests auch weiterhin kostenlos. Die alternativ möglichen Selbsttests können von den Eltern eigenständig erworben werden. Zudem können Kitas Selbsttests beim Land bestellen. Kinder mit Symptomen sollten umgehend mittels PCR-Test getestet werden.Bei Quarantäne-Anordnungen spielen darüber hinaus immer auch Einzelfallentscheidungen des Gesundheitsamtes eine Rolle. Dafür steht das Gesundheitsamt in Kontakt mit den Kitaleitungen. Eine zeitnahe Absprache zwischen Gesundheitsamt und Kita ist auch bei steigenden Fallzahlen weiter vorrangiges Ziel, so der Landkreis.

 

Tritt in einer Schulklasse ein positiver Fall auf, muss die betroffene Person zehn Tage lang in Isolation. Die übrigen Schülerinnen und Schüler der Klasse müssen zunächst nicht in Quarantäne. Sie werden zwei Wochen lang täglich getestet. 

Hinzu kämen die damit einhergehenden Auswirkungen auf Berufstätige in der sogenannten kritischen Infrastruktur. Daher ist es Ziel des Gesundheitsamtes, Quarantäne-Anordnungen für ganze Klassen oder Gruppen in Schulen und Kitas möglichst zu vermeiden. Maßgeblich für die Entscheidungen des Gesundheitsamtes sind immer auch die gültigen Landesverordnungen sowie die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Auch diese sehen keine flächendeckenden Schließungen von Schulen und Kitas mehr vor.

Zachow weiter: Weil die Fallzahlen steigen, muss das Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung seine Kapazitäten vorrangig dafür nutzen, besonders gefährdete Personengruppen zu schützen.“ Auch wenn viele Infektionen mit der Omikron-Variante milder verlaufen würden, seien vulnerable Gruppen weiter besonders für schwerere Verläufe gefährdet. Dies betreffe insbesondere ältere Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen.

Weitere Infos zum Thema

Weitere Informationen zum Thema Quarantäne und den Möglichkeiten einer Verkürzung, zu Corona-Tests und zur Impfung gibt es auf der Homepage des Kreises unter www.lkmb.de unter „Coronavirus“.

„Gerade in der aktuellen Pandemielage ist es umso wichtiger, dass die Menschen sich auch weiterhin ihrer Eigenverantwortung bewusst sind“, sagt Zachow. Er appelliere an alle Bürgerinnen und Bürger, weiterhin auf die Einhaltung der Hygiene-Regeln zu achten sowie sich und andere keinen unnötigen Infektionsrisiken auszusetzen. „Mir ist bewusst, dass Einschränkungen und andauernde Achtsamkeit angesichts der Dauer dieser Pandemie an den Kräften zehren. Aber wir sind als Gesellschaft weiterhin auf das Verantwortungsbewusstsein und die Mithilfe aller Bürgerinnen und Bürger angewiesen, um dem Virus und einer Überlastung des Gesundheitssystems etwas entgegenzusetzen.“

Corona-Lage an Marburger Kitas

Wie die Corona-Lage in den Marburger Kitas aussieht, lesen Sie im Artikel "Marburgs Kitas vor schweren Zeiten".

Von Götz Schaub

Marburg Coronasituation in Marburger Kitas - Marburgs Kitas vor schweren Zeiten
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