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Marburg Windradausbau stockt
Marburg Windradausbau stockt
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08:55 29.07.2022
Windräder drehen sich vor einem Abendhimmel.
Windräder drehen sich vor einem Abendhimmel. Quelle: Jan Woitas/Themenfoto
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Marburg

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf stehen aktuell 93 Windkraftanlagen unterschiedlicher Bauart. 92 davon stehen schon seit mindestens 2017.

Das einzige Windrad, das nach 2017 gebaut wurde und im April diesen Jahres in Betrieb ging, war lange umstritten. Die Gemeinde Breidenbach klagte gegen das Projekt des Bad Laaspher Windkraft-Projektierers Boxbach Energy, verlor aber dann vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel. Seither ist Stille im Landkreis angesagt. Wobei, es könnte schon hoch hergehen.

Da sind zunächst einmal die sechs genehmigten Windenergie-Anlagen in der Gemeinde Münchhausen, die unter dem Namen „Windpark Niederasphe“ bekannt sind. Und: Nach Auskunft des Regierungspräsidiums Gießen als Genehmigungsbehörde sind tatsächlich noch neun Anträge auf Neugenehmigung anhängig, und die beziehen sich auf insgesamt weitere 31 Anlagen. Doch ob es dieses Jahr noch ruckt, ist sehr fraglich.

Thorsten Haas beantwortet eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung so: „Die Verfahren befinden sich derzeit in der fachlichen Prüfung. Erst wenn alle abschließenden fachbehördlichen Stellungnahmen vorliegen, kann eine Entscheidung erfolgen. Daher ist derzeit nicht absehbar, wie viele neue Windenergie-Anlagen in diesem Jahr noch genehmigt werden.“

Kein Umdenken bei den Bürgerinitiativen

Nichts deutet darauf hin, dass sich seit Kriegsbeginn in der Ukraine im Februar dieses Jahres und der damit einhergehenden immer dringender werdenden Energie-Frage in Deutschland irgendetwas in Sachen Windkraft im Landkreis verändert hat.

Die Schlagzeilen in den Medien geben die Richtung an. Wurde bundesweit im Mai noch die Frage gestellt, ob jetzt in Deutschland eine Windkraft-Offensive startet, folgte im Juni die Antwort von Bedenkenträgern: Bürgerinitiativen in Deutschland halten unbeirrt Kurs gegen Windkraftanlagen. Es sei gar hochgradig naiv, nur wegen des Krieges in der Ukraine jetzt plötzlich auf Windkraft setzen zu wollen, heißt es aus dieser Richtung.

Es gibt aber auch Ansätze im Landkreis, mehr Anlagen zu bauen. Die Firma Energiequelle mit Hauptsitz bei Berlin hat sich mit der Vorrangfläche zwischen Wetter-Todenhausen und Wetter-Mellnau beschäftigt und wirbt nun für das erarbeitete Projekt. Dem Bau-Ausschuss des Wetteraner Stadtparlaments wurden die Ideen dazu vorgestellt. In der Planung sind fünf Anlagen mit einer Nabenhöhe von 165 Metern.

Wetters Bürgermeister: „Die Zeit hat uns eingeholt“

Der Rotordurchmesser soll 170 Meter betragen. Das bedeutet, ein Flügel erreicht eine Länge von 85 Metern. „Die Anlagen haben eine Leistung von jeweils 6,6 Megawatt und einem Ertrag von 53,8 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Sie sind speziell für windschwächere Standorte entwickelt und garantieren die Wirtschaftlichkeit des Windparks“, sagt Projektentwickler Felix Grönboldt.

Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Busch: „Die Zeit hat uns eingeholt, die Lage hat sich in diesem Land verändert. Ob die Strategie der Vorjahre noch up to date ist, sollte hinterfragt werden. Jetzt rückt die Energieversorgungsfrage in den Vordergrund und da spielt für mich persönlich der freie Blick auf die Burgruine Mellnau keine Rolle mehr.“


Kleine Windkraft-Chronologie

Das älteste in Betrieb stehende Windrad im Landkreis steht in Angelburg, bei Lixfeld. Dieses ging am 28. Oktober 1996 in Betrieb. Im abgelaufenen Jahrhundert folgte noch ein zweites in Bad Endbach, das am 1. Januar 1998 seine Arbeit aufnahm.

Dann folgte lange nichts mehr, ehe 2003 sieben Anlagen an den Start gebracht wurden: die drei bei Wehrda, drei bei Speckswinkel und eine in Breidenbach-Kleingladenbach. 2007 wurde dann ein neuer Rekord aufgestellt mit 13 Anlagen in einem Jahr.

Getoppt wurde dieses Ergebnis 2017 mit 22 Anlagen. Zur Chronologie gehören auch gescheiterte Projekte, wie der Windpark im Wollenberg zwischen Wetter und Lahntal. 2014 gaben die Stadtwerke Marburg das in der Bevölkerung umstrittene Projekt wegen des Vorkommens von Mopsfledermäusen auf.

Von Götz Schaub

07:56 Uhr
28.07.2022
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