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Marburg „Das Projekt fasst keine Firma an“
Marburg „Das Projekt fasst keine Firma an“
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09:58 24.09.2020
Ein Blick auf „Lichter Küppel“ aus dem Jahr 2017. Die Diskussion, dort Windräder zu errichten, ist neu entfacht. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
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Marburg

Die Windkraft-Diskussion erreicht nun auch Stadtteile, die nicht unmittelbar vom möglichen Windrad-Bau betroffen zu sein scheinen: Im Ortsbeirat Richtsberg wird diesen Donnerstag, 24. September, ein Antrag diskutiert, der sich gegen eine von ZIMT-Regierung und Magistrat forcierte Wiederaufnahme der „Lichter Küppel“-Planungen ausspricht.

Hauptargument der CDU-Politiker Runhild Piper und Heinz Stoffregen: Es sei eine „grundfalsche These“, dass die Stadt das Projekt im Gemeinwohl-Sinne realisieren müsse, um die Bebauung durch einen nur an Profiten interessierten Privatinvestor zu verhindern. Zuletzt sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) bezogen auf die theoretisch jederzeit bebaubaren Vorrangflächen: „Es geht nur noch um die Nabenhöhe.“

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Stoffregen und Piper sehen das anders. Firmen seien sensibler geworden und würden erkennen, dass Investitionen, die keine Akzeptanz in der Bevölkerung haben, nur schwer realisiert werden können – was man anhand der A49 gerade auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf sehe. Alleine wegen der in Aussicht stehenden, den Bau-Prozess verzögernden Klagen vor Gericht würde „kein privater Investor ein solches Projekt anfassen“, heißt es in ihrem Antrag.

Bewohner befürchten Lärm

Die Erfahrungen der heimischen Firma Krug Energie, die in den Jahren nach dem Aus für das kommunale Küppel-Projekt Windräder in Görzhausen bauen wollte und sich nicht zuletzt wegen des massiven Widerstands aus Michelbach von dem Vorhaben zurückzog, dienen Kritikern in Marburg als Beleg für die anhaltende Ablehnung.

Aus dem Magistrat hieß es zuletzt, dass das Gremium – mit Ausnahme von UKA Meißen für Görzhausen und den laufenden Planungen bei Bortshausen – keine Kenntnis von Investoren-Interesse an einer Vorranggebietsbebauung hat.

Richtsberg-Bewohner sehen sich durch die möglichen Windräder zwischen Moischt und Schröck durchaus betroffen, fürchten fußend auf alten Stadtwerke-Planungen in manchen Gebieten des Stadtteils sowohl Schattenschlag als auch Lärm. Vor fünf Jahren war die Haltung auf dem Richtsberg deshalb so: „Wenn viele hier im Stadtteil negativ von den Anlagen betroffen wären, dann wollen wir nicht, dass in Moischt gebaut wird.“

Windkraft-Gegner sollen einbezogen werden

Indes hat sich der SPD-Ortsverband Moischt zum Thema geäußert: Vor einem möglichen Windräder-Bau sei die Zustimmung der zu beteiligenden lokalen Bevölkerung Voraussetzung – und auch, dass der Rotmilan in dem Gebiet nicht mehr fliege. Der Vogel diente den Stadtwerken seinerzeit als offizieller Grund für den Rückzug von den Windkraftplänen. OB Spies sagte dazu kürzlich: „Es ist an der Zeit zu schauen, ob der Rotmilan jetzt vielleicht woanders fliegt.“

Von einem „Akzeptanz-Vorbehalt“ sprach zuletzt auch SPD-Stadtverordneter Dr. Fabio Longo. Diese Zustimmung will man in der Stadtspitze durch Info- und Werbe-Kampagnen erreichen, über Beteiligungsformate von der Hessischen Energieagentur soll es Sachinformationen geben und Prozess-Transparenz hergestellt, Windkraft-Gegner aktiv in die Diskussion einbezogen werden.

Während die Grünen seit Jahren einen über die Wehrda-Windräder hinausgehenden Anlagen-Bau fordern, kam der SPD-Schwenk in der Frage überraschend. Im politischen Raum vermuten viele, dass die Fridays-for-Future-Proteste und die Erstellung des Klimaaktionsplans den entscheidenden Schub in der Frage gegeben haben.

Sitzungsbeginn: 18.30 Uhr im Großen Saal der Richtsberggemeinde (Am Richtsberg 70).

Von Björn Wisker