Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Willi Weitzel will helfen
Marburg Willi Weitzel will helfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:49 13.04.2014
Willi Weitzel plant gemeinsam mit seinem Bruder eine Reise nach Syrien.
Willi Weitzel plant gemeinsam mit seinem Bruder eine Reise nach Syrien. Quelle: Privatfoto
Anzeige
Langenstein

„Stellt Euch vor, plötzlich stehen Panzer vor Langenstein und Ihr müsst weg.“ Mit dieser drastischen Szene versetzt Manuel Weitzel die Kinder der zweiten Klasse an der Grundschule Langenstein in die Situation der syrischen Flüchtlingskinder. Diese mussten ihre Heimat ohne ihr Spielzeug verlassen und wohnen jetzt in Flüchtlingslagern ohne Kinderzimmer oder Schulen.

Die Langensteiner Grundschüler haben in den letzten Tagen oft von Syrien gehört – über ein Thema, für das sie nach Ansicht vieler Erwachsener noch viel zu jung sind. Aber das Wichtigste haben die Grundschüler verstanden: Den Flüchtlingskindern muss man helfen. Schulleiterin Karin Steinhoff hat im Flur der Schule beschriftete Kartons aufgestellt: Lego soll in den einen, Zahnbürsten und Zahnpasta in den anderen. Und die Kinder haben die Kartons gefüllt. Die Sammelaktion ist ein Teil des Projekts „Willi will helfen“.

Willis Plan

Der gebürtige Stadtallendorfer Willi Weitzel will die Sachspenden mit seinem Bruder Manuel in einem 7,5-Tonnen-Lkw eigenhändig an die syrische Grenze bringen. Sie kooperieren mit dem Verein Syrien­hilfe e.V. und dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst. Beide Organisationen bauen gerade Häuser auf, in denen Flüchtlingsfamilien unterkommen und betreut werden können. Die Kinder – viele haben Verwandte oder Freunde verloren – brauchen nach ihren Erlebnissen psychologische Betreuung. Und nach drei Jahren, die der Bürgerkrieg in Syrien schon anhält, müssen sie die Chance kriegen, wieder zur Schule zu gehen.
„Ich weiß, dass ich die Probleme in Syrien mit dem Hilfstransport nicht lösen kann, dass alles, was in einen kleinen Lkw hinein passt, ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber die Flüchtlingshäuser meiner Projektpartner können mit unserer Unterstützung vielen Menschen helfen. Und sie werden auch weiter machen, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin“, sagt Willi Weitzel.

Kinder für Kinder

Die Leiter der Flüchtlingshäuser haben den Weitzels Listen mit Dingen geschickt, die sie dringend brauchen. Um diese Hilfsgüter für den Transport zusammen zu bekommen, haben die Brüder eine Sammelaktion gestartet. Zunächst sind sie auf Schulen zugegangen. „Ich will eine Brücke bauen zwischen den deutschen und den syrischen Kindern“, erklärt Willi Weitzel sein Konzept. Während sein Bruder am Freitag in Langenstein und Kirchhain die ersten Spenden in den Schulen abholte, war Willi in einer Grundschule im bayerischen Beuerberg. Die Bärenbachschule in Stadtallendorf, die Stiftsschule in Amöneburg, die Grundschule Niederweimar und der Kindergarten St. Michael in Stadtallendorf haben ebenfalls gesammelt.

Neben den Schulklassen unterstützen das Projekt auch die Verwaltung des Landkreises, der Eintrachtfanclub „Adlerhorst“, der TSV Eintracht Stadtallendorf, die Kolping-Familie Stadtallendorf sowie jeweils mit großzügigen Geldspenden die evangelische Kirche in Stadtallendorf und die katholische Gemeinde in Rüdigheim.
Ein besonderes Engagement zeigt auch der Fahrlehrer Michael Noll aus Gießen. Er stellt seinen Fahrschul-Lkw kostenlos für den Transport zur Verfügung. „Für mich ist das eine menschliche Aktion. Wenn man nichts wagt, kann man auch nichts bewegen“, sagt Noll. Und was ist, wenn der Lkw unterwegs kaputt geht? „Zur Not muss Willi ihn halt da unten verkaufen und mir den Erlös mitbringen“, sagt er sorglos.

Helfen – so geht‘s

Der Platz im Lkw ist begrenzt, deshalb braucht Willi für das Projekt jetzt vor allem noch finanzielle Unterstützung. Arabische Lernbücher, Benzingeld, Mautkosten – um nur drei Punkte von der Liste zu nennen. Und wenn der Transport vorbei ist wird das Geld genutzt, um die Arbeit der Syrienhilfe in ­einem der beiden Flüchtlingshäuser weiter zu bezahlen.
Alle Informationen über Konten, Quittungen und genauen Verwendungszweck stehen auf williwillhelfen.de/mithelfen. Dort gibt es auch Newsletter und Blog, in denen Sie sofort erfahren, wenn doch noch Sachspenden gebraucht werden – aktuell: Ein Beamer.

Die OP fährt mit

Die OP wird Willi und Manuel Weitzel auf ihrer Tour begleiten. OP-Redakteur Thomas Strothjohann wird täglich in der Zeitung und noch öfter auf op-marburg.de berichten.
So haben Sie als Spender die Möglichkeit, jeden Morgen in der Zeitung zu verfolgen, was mit Ihrem Geld, Ihren Sachenspenden und den Weitzels unterwegs passiert.

von Thomas Strothjohann