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Marburg Wildkatzen kehren nach Marburg zurück
Marburg Wildkatzen kehren nach Marburg zurück
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12:58 19.08.2021
Wildkatzen kehren allmählich wieder nach Marburg und Umgebung zurück. Dennoch bleiben sie gefährdet.
Wildkatzen kehren allmählich wieder nach Marburg und Umgebung zurück. Dennoch bleiben sie gefährdet. Quelle: Helmut Weller/BUND
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Marburg

Erste Hinweise auf die Rückkehr der Wildkatze hat die Untere Naturschutzbehörde (UNB) der Stadt vor vier Jahren erhalten. Auf die gefährdeten Tiere müsse aber Rücksicht genommen werden. Ganz wichtig: Wer tote wildfarbene Katzen am Straßenrand entdeckt, soll sie melden. Ihre Gene werden für den Artenschutz analysiert.

„Dass die Wildkatze zurück in die Wälder Hessens kehrt, ist eine gute Nachricht“, sagt Bürgermeister und Umweltdezernent Wieland Stötzel. Die Wildkatze habe recht hohe Ansprüche an ihren Lebensraum, die stellvertretend für die Ansprüche vieler waldgebundener Tierarten stehen. „Daher gilt die Wildkatze als eine sogenannte Leittierart, das bedeutet: Wo sich die Wildkatze wohlfühlt, da können auch andere bedrohte Tierarten wie Baummarder, Haselmaus oder Luchs wieder heimisch werden.“

Früher war die Europäische Wildkatze in ganz Deutschland und somit auch in Hessen weit verbreitet, berichtet Barbara Zimmermann von der UNB. Lebensraum der Europäischen Wildkatze sind naturnahe, störungsarme, strukturreiche Laub- und Mischwälder mit alten Baumhöhlen, viel Unterholz und Totholz, gestuften Waldrändern und kleinen Lichtungen für die Mäusejagd. Durch Bejagung und andere Eingriffe in ihren Lebensraum war die Art bis Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausgestorben. Doch seit etwa 20 Jahren eroberten die Wildkatzen ihren Lebensraum langsam zurück. „Inzwischen erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet in Hessen über den Taunus, Vogelsberg und Spessart, das Lahn-Dill-Bergland, das hessische Rothaargebirge und vom hessischen Bergland bis in den Reinhardswald“, weiß Zimmermann. Nach EU-Recht gilt die Europäische Wildkatze als „streng zu schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse“. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz gehört sie zu den „besonders geschützten Arten“ und ist in der Roten Liste Deutschlands ebenfalls als „gefährdet“ eingestuft. Dies bedeutet, dass Wildkatzen weder gefangen noch getötet werden dürfen. Zudem ist es verboten, sie absichtlich zu stören sowie Fortpflanzungs- und Ruhestätten der Wildkatze zu beschädigen oder gar zu vernichten. Außerdem dürfen sich Privatpersonen keine toten Tiere oder auch nur Teile von diesen aneignen.

Verkehr ist größter Feind

Trotz aller Schutzmaßnahmen kommen die seltenen Tiere zu Tode. Die häufigste Todesursache für Wildkatzen ist der Verkehr. Neben dem Verkehrstod droht Wildkatzen vermehrt die Gefahr von Infektionskrankheiten, weil menschliche Lebensräume immer näher an ihre Lebensräume heranrücken. So kommen sie zunehmend in Kontakt mit Hauskatzen und infizieren sich mit deren Krankheiten. Auch Kreuzungen mit Hauskatzen gefährden die Wildpopulation.

Das Fellmuster von Wildkatzen wirkt grau-gelb bis -braun verwaschen, wenig kontrastreich und stumpf. Wichtigstes Erkennungsmerkmal ist ihr breiter, buschiger Schwanz mit zwei bis drei schwarzen Ringen und einem schwarzen stumpfen Ende. Die Schwanz-Enden von Hauskatzen sind dagegen meist spitz zulaufend. Den Totfunden wird dann von dazu berechtigten Behördenmitarbeiterinnen oder -mitarbeitern Genmaterial entnommen. Erst mittels Gen-Analyse kann dann gesichert festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um eine Wildkatze oder um eine Hauskatze handelte. Diese Informationen helfen, Verbreitungsgebiet und Bestand der Wildkatzen sowie Gefahrenquellen und Unfallschwerpunkte zu erfassen und Maßnahmen zu entwickeln.

Totfunde von Wildkatzen können bei Judith Aegerter, Telefon 0 64 21 / 2 01 18 63, Barbara Zimmermann, Telefon 0 64 21 / 2 01 19 48, oder Florian Zilm, Telefonnummer 01 60 / 4 71 38 73, gemeldet werden.

Von von unseren Redakteuren

19.08.2021
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