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Marburg Besitzer kontert Oberbürgermeister
Marburg Besitzer kontert Oberbürgermeister
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10:00 19.07.2022
Ein aus Paletten und Planen erbautes Camp steht am Marburger Hermann-Cohen-Weg neben der Stadtautobahn.
Ein aus Paletten und Planen erbautes Camp steht am Marburger Hermann-Cohen-Weg neben der Stadtautobahn. Quelle: Thorsten Richter
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Er habe weder von der Bebauung gewusst, noch habe er dazu sein Einverständnis gegeben, erklärt der Besitzer des Grundstücks, auf dem das wilde Camp steht, über das die OP berichtete. Ferner befinden sich die Behausungen am Hermann-Cohen-Weg gegenüber den Philfak-Türmen nicht ausschließlich auf seinem Grundstück. Diese ragten auch auf Nachbargrundstücke, die vermutlich der Stadt gehören, stellt der Eigentümer fest, dessen Name der Redaktion bekannt ist.

Auf Nachfrage der OP erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, eine „zwischenzeitliche Überprüfung“ habe ergeben, dass „auch ein benachbartes städtisches Grundstück betroffen ist“. Anders als in der Oberhessischen Presse vom 11. Juli wiedergegeben, habe er im Ausschuss nicht von einer ausdrücklichen Befürwortung gesprochen, sondern dass der Besitzer das Camp auf seinem Grundstück derzeit „duldet“. „Das heißt so, weil er das Grundstück nicht räumen lässt“, erklärt Spies.

Allerdings gehe die Stadt derzeit davon aus, dass es „weder bauordnungsrechtlich noch ordnungsrechtlich Anlass für größere Sicherheitsbedenken gibt“, so der Oberbürgermeister weiter. Das wiederum verwundert den Grundstücksbesitzer, dessen Angaben zufolge die Baubehörde Mitte März schriftlich über das Bestehen des Camps informierte und über eine bestehende Gefährdung informierte. Etwa zur gleichen Zeit habe er der Stadt ein Verkaufsangebot unterbreitet, welches die Stadt mit einem Hinweis auf ein „naturschutzfachliches Erwerbsinteresse“ beantwortete.

Der Grundstücksinhaber erklärt auch sein Verständnis dafür, „dass obdachlosen Menschen geholfen werden muss, allerdings ist es Sache der Stadt, ordentliche und sichere Areale zur Verfügung zu stellen“.

Über den Antrag der CDU/FDP-Fraktion, den Bewohnern eine Alternative anzubieten beziehungsweise das Grundstück bei einem Verstoß gegen die Bauordnung räumen zu lassen, debattierten die Ausschussmitglieder schon im vergangenen Monat. Sie vertagten einen Beschluss, weil nicht klar war, ob ein Verstoß gegen die Bauordnung vorliegt. Heute steht das Thema erneut auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses der Stadtverordnetenversammlung, der ab 17 Uhr im Sitzungssaal Barfüßerstraße 50 tagt.

Von Gianfranco Fain

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