Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Wieder Ärger um Ruhestörungen in der Oberstadt
Marburg Wieder Ärger um Ruhestörungen in der Oberstadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 20.02.2022
Die nächtliche Oberstadt in Marburg. Rücksichtslose (Kneipen-)Besucher sorgen dort immer wieder für Ärger.
Die nächtliche Oberstadt in Marburg. Rücksichtslose (Kneipen-)Besucher sorgen dort immer wieder für Ärger. Quelle: Michael Agricola
Anzeige
Marburg

Der nächtliche Lärm in der Oberstadt, vor allem am Wochenende, beschäftigte einmal mehr den Altstadt-Ortsbeirat in seiner jüngsten Sitzung. Die Klagen von Anwohnern sind seit Jahren massiv und gleichbleibend. „Jedes Wochenende nachts geht es rund“, fasste Ortsbeiratsmitglied Ralf Diedenhoven die Situation zusammen.

Wenn junge Menschen die Altstadtkneipen verlassen, lärmten sie oft bis 5 oder 6 Uhr morgens in den Gassen, es komme zu Schlägereien, es werde erbrochen und uriniert. Dazu kämen auch lautstarke Partys von Oberstadtbewohnern in ihren Wohnungen, oft bei offenen Fenstern. Und, wie Ortsbeiratsmitglied Dagmar Altroggen-Hasenknopf beklagte, sei es in der Nachbarschaft der Burschenschaftshäuser – etwa am Renthof – oft nicht besser. Auch hier: Party, laute Musik, viel Alkohol – und oft wenig Schlaf für andere Bewohner.

Vandalismus in Parkgarage

Weiteres Thema der Ortsbeiratssitzung war der Vandalismus in der von den Stadtwerken Marburg bewirtschafteten Parkuntergeschoss im Lahncenter am Biegeneck. Dort wurden mehrfach Fahrzeuge teils mit massiver Gewalt beschädigt, wie Ortsbeiratsmitglied Ralf Diedenhoven berichtete. Das Problem: Das Parkdeck ist von außen frei zugänglich und muss das auch bleiben. In einem ersten Schritt habe man die Beleuchtung erneuert, sagte Guido Wege, stellvertretender Leiter der Parkraumbewirtschaftung bei den Stadtwerken. Mehr Licht allein werde aber mögliche Randalierer nicht abhalten. Daher sei außerdem eine Sicherheitsfirma beauftragt worden, dort täglich – auch nachts – zu unterschiedlichen Zeiten Kontrollgänge vorzunehmen.

Dass in der restlichen Zeit dann trotzdem keine Kontrolle über unbefugte Besucher möglich sei, war in der Sitzung allen bewusst. Diedenhoven forderte deshalb zusätzlich die Einführung einer Videoüberwachung, was Stadtwerke-Consult-Geschäftsführer Christoph Rau auch als Wunsch aus der Sitzung mitnahm. Bisher sei dies an dieser Stelle vonseiten des Magistrats allerdings nicht gewollt gewesen, gab er zu bedenken.

Eine schnelle Lösung könnte es für einen beklagten Mangel am ebenfalls von den Stadtwerken bewirtschafteten Parkdeck am Barfüßertor geben. Dort war moniert worden, dass der Platz teilweise nicht gut ausgeleuchtet sei. Im Gespräch stellte sich heraus, dass es nur um einen kleinen Bereich geht, den Zugang zur unteren Parkebene. Der Rest der Anlage ist ausreichend beleuchtet, wie eine Überprüfung durch die Stadtwerke ergeben hatte. An der Einfahrt soll nun nach Möglichkeit nachgebessert werden.

Gedeckt ist dieser Eindruck auch von ersten Zwischenergebnissen der Oberstadt-Umfrage des Ortsbeirats, die Konrad Hierasimowicz am Mittwoch kurz vorstellte. Der Rücklauf der 1.500 ausgeteilten Fragebögen liegt zwar erst bei knapp unter fünf Prozent. Doch darin zeigt sich deutlich, dass der Lärm und die Verunreinigungen in der Oberstadt mit großem Abstand als die größten Übel betrachtet werden. Die Umfrage läuft noch, die Initiatoren erhoffen sich noch möglichst viele Rückmeldungen. Derzeit sei er, sagte Konrad Hierasimowicz, vom Rücklauf noch etwas enttäuscht. Dass es mit der gegenseitigen Rücksichtnahme heute allgemein nicht mehr so weit her ist, und daraus auch die für viele Bürger unhaltbaren Zustände kämen, darüber war man sich im Ortsbeirat einig. Ebenso wie darüber, dass es auch keine einfache Lösung für die verzwickte Situation gibt – und dass man nicht Studierende oder junge Menschen allgemein für das alles allein verantwortlich machen sollte.

Gerade Gastronomen und die Betreiber der bis in die Nacht geöffneten „Späti“-Läden, die daran ja in erster Linie verdienen, interessierten sich in der Regel nicht dafür, was außerhalb ihrer Räume passiere, bedauerte Diedenhoven. Sie sollten und müssten künftig wieder stärker ins Boot geholt werden.

Quartiermanagerin Nadine Kümmel von der Stadt Marburg verwies wiederum darauf, dass einige Dinge bereits beraten oder schon angepackt würden und – wie etwa ein „Nachtwächter“ – bereits im städtischen Zukunftskonzept vorgesehen seien.

Von Michael Agricola