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Marburg Dichter sollen Bürgern Mut machen
Marburg Dichter sollen Bürgern Mut machen
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13:58 01.06.2020
Die Marburger Partnerstadt Maribor in Corona-Zeiten. Quelle: Foto: Marko PIGAC/MP PRODUKCIJA/PIGAC.
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Marburg

Bis auf Northampton aus dem Vereinigten Königreich gab es aus allen Städten Rückmeldungen. Über den Stand in Sibiu, Sfax und Poitiers haben wir in der Mittwochausgabe berichtet. Hier die Berichte aus Maribor und Eisenach:

Im Jahr 1969 wurde die Partnerschaft zwischen den Städten Maribor (Marburg an der Drau) in Slowenien und Marburg (an der Lahn) offiziell geschlossen.

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Pressesprecher Luka Slivnjak antwortete: Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung der Covid-19-Epidemie wurden in der Gemeinde Maribor und in ganz Slowenien unmittelbar nach der Erklärung der Epidemie am 12. März eingeleitet. Es folgte die Schließung von Restaurants, Non-Food-Läden, Einrichtungen mit Serviceaktivitäten, öffentliche Einrichtungen sowie Bildungseinrichtungen. Der öffentliche Personenverkehr wurde eingestellt. Die Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum und zwischen den einzelnen Stadtteilen war eingeschränkt.

Ende April, vor dem Feiertag 1. Mai, als sich das epidemiologische Bild verbesserte, wurden diese Maßnahmen allmählich gelockert. So wurde der uneingeschränkte Verkehr zwischen den einzelnen Stadtteilen wieder gestattet und bestimmte Non-Food-Läden, Serviceaktivitäten, öffentliche Einrichtungen und Catering-Gärten geöffnet. Am 11. Mai wurde der öffentliche Personenverkehr wieder aufgenommen. Seit dem 18. Mai wird die schrittweise Rückkehr der Kinder in Kindergärten und Schulen sowie die Eröffnung aller Geschäfte und Restaurants vorgenommen.

Die Gemeinde Maribor hatte seit dem 13. März keine Bürozeiten mehr und empfing auch keine Kunden in ihren Verwaltungsräumen. Sämtliche Korrespondenz erfolgte per E-Mail und Gespräche telefonisch. Seit dem 18. Mai empfängt die Verwaltung nach vorheriger Ankündigung wieder Einwohner in ihren Verwaltungsräumen. Es gab eine Befreiung von Parkgebühren vom 16. März bis 3. Mai und die Mieter von städtischen Immobilien oder Räumen, die ihre Geschäfte schließen mussten, brauchten für März und April keine Miete an die Stadt zu zahlen. Ebenso brauchten sie für Mai nur die Hälfte an Miete zu überweisen. Sie konnten Anträge auf finanzielle Unterstützung stellen, über weitere Hilfen wird derzeit noch verhandelt. Medizinisches Personal bekam kostenlose Parkplätze gestellt, ebenso wurde das städtische Hotel für deren Unterbringung genutzt, ähnlich wie in Sibiu. Weiterhin gibt es zeitlich begrenzte finanzielle Erleichterungen für Unternehmen, die besonders hart von der Krise betroffen sind, indem die Stadt modifizierte Daten an die Steuerbehörde weiterleitet. Damit soll den Unternehmen ein finanzieller Spielraum geschaffen werden. Außerdem kümmert sich die Stadt zusammen mit sozialen Einrichtungen um Obdachlose und sozial Benachteiligte, indem sie warmes Essen und Hygienepakete zur Verfügung stellt.

Zudem hat der Stadtrat von Maribor ein Dekret über die Einrichtung eines Haushaltsfonds für Unterstützung und Entwicklung in der Gemeinde Maribor verabschiedet, das eine Plattform für den organisierten Erwerb von Gebermitteln und deren transparente Verteilung schafft. „Wir haben auch eine Kampagne vorbereitet – ein Projekt mit dem Titel ,Die Kraft des Wortes’. Es handelt sich um eine Reihe von 137 Plakaten an öffentlichen Plätzen in Maribor, die die Bürger mit ermutigenden Gedanken ansprechen. Wir forderten Maribors Dichter und Schöpfer auf, uns einfache Gedanken zu senden, deren Zweck es ist, die Moral und den Mut ihrer Mitbürger in diesen – für viele – schwierigen und unsicheren Zeiten zu erhöhen.“

Seit 32 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Eisenach und Marburg. Der ehemalige Oberbürgermeister Egon Vaupel sagte zum 25-jährigen Bestehen im Jahr 2013: „Für die Verbindung zwischen Marburg und Eisenach musste nicht nur eine Grenze überwunden werden. Viel tiefer war der Graben, der sich durch die unterschiedlichen politischen Systeme aufgetan hatte."

Oberbürgermeisterin Katja Wolf antwortete auf die Anfrage der OP: „Die Verwaltung ist weiterhin für ihre Bürger da. Um Menschenansammlungen zu vermeiden, können Termine vereinbart werden, die dann vor Ort – in der Verwaltung – wahrgenommen werden können. Denn nicht alles lässt sich per Mail oder Telefon und Brief klären. Das wissen wir und darauf sind wir vorbereitet. Die Mitarbeiter haben sich schnell auf die völlig neuen Rahmenbedingungen eingestellt. Viele Beschäftigte zeigen dabei ein Engagement, das weit über das normale Maß hinausgeht. Etwa flexibles Arbeiten im Homeoffice nicht nach der Stechuhr, sondern angepasst an die Kinderbetreuung, die von vielen parallel zur Arbeit derzeit zu leisten ist. Doch nicht alle Tätigkeiten lassen sich im Homeoffice ausüben. Für die Mitarbeiter, die weiterhin in den Verwaltungsräumen arbeiten, sind besondere Schutzmaßnahmen getroffen worden. Abstandsregelungen, wo nötig veränderte Sitzordnungen, Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeiten sind nur einige Möglichkeiten. Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin arbeitet in einem fest eingeteilten Schichtsystem mit Präsenztagen in der Verwaltung. Die Stadtverwaltung zeigt sich als gut aufgestellte Einheit mit großen Engagement und hoher Flexibilität. Darauf bin ich stolz. Eisenach ist zudem – wie alle anderen Kommunen auch – von einem herben Einbruch der Gewerbesteuer- und anderer Einnahmen betroffen. Das ist für eine Stadt, die sich seit Jahren in der Haushaltssicherung befindet und gerade dabei war, sich aus dieser finanziellen Not herauszuarbeiten, besonders bitter. Hier wird gemeinsam mit den Kommunen Thüringens für eine adäquate Unterstützung durch den Freistaat Thüringen gekämpft. Der Eisenacher Gemeinsinn hat einen hohen Stellenwert. Wir sind diesen Herausforderungen gewachsen. Sicherlich geht das nicht ohne Ruckeln, ohne Probleme, ohne weitere Belastungen für uns alle. Wir sehen aber jetzt, dass der Weg richtig war. Wir alle müssen mithelfen. Da braucht es unseren Zusammenhalt, einen kühlen Kopf und den Blick und das Herz für den anderen, den Mitmenschen. Wir Eisenacher haben schon gezeigt, dass wir gemeinsam zu Außergewöhnlichem fähig sind.“

Von Katja Peters

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