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Marburg Wider den Wohnungsmangel
Marburg Wider den Wohnungsmangel
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00:17 31.03.2019
Mitglieder des DGB Region Mittelhessen in der Mitte des nachgebauten Wohnzimmer.  Quelle: Noel Rhiel
Marburg

Ein Fernseher, eine Lampe und ein Vogelkäfig aus Pappe, dazu einige Aufblasmöbel: Mehr braucht es nicht zum Nachbau eines typischen deutschen Wohnzimmers. Der DGB Mittelhessen will mit der Nachbildung auf das stetig größer werdende Problem zu hoher Mieten aufmerksam machen.

Die Aktion heißt „Bezahlbar ist die halbe Miete“ und ist Teil des DGB-Zukunftsdialogs. Ähnliche Aktionen werden auch in weiteren hessischen Städten stattfinden, für Marburg hat der DGB spezielle Ortsschilder angefertigt. Diese sind mit den Worten „Marburg – Hier ist die Miete seit 2014 um 11,7 Prozent gestiegen“ beschriftet. „Das ist ein recht geringer Steigerungswert, allerdings waren die Mietpreise schon vor fünf Jahren recht hoch“, erklärt Matthias Körner, Geschäftsführer des DGB Region Mittelhessen.

Laut Gewerkschaftssekretär Ulf Immelt geben viele Mieter in hessischen Städten wie Marburg zwischen 40 und 50 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus. „Das ist das Ergebnis von Politik, die viele Sozialwohnungen verkauft hat. Es werden zwar noch Sozialwohnungen gebaut, aber viel zu wenige.

Wir haben Wohnungsmangel, allerdings nicht bei den Superreichen. Diejenigen von uns, die jedoch eine preisgünstige Wohnung suchen, die werden keine finden“, meint Immelt. Die Aktion bietet Leuten die Möglichkeit, ihre persönlichen Erfahrungen und ihre eigenen Änderungswünsche im Dialog mitzuteilen und ihre Beschwerden auf Karten zu schreiben.

Für eine sozialere und gerechtere Wohnungspolitik hat der DGB eine Checkliste mit Maßnahmen erstellt, welche die Mietsituation für die Einkommensschwächeren verbessern sollen. Unter anderem soll auf Bundesebene das Mietrecht geschärft und sollen Kommunen beim Erwerb von Flächen aktiv unterstützt werden.

Auf Landesebene sollen Mittel für ­sozialen, bezahlbaren und bedarfsgerechten Wohnungsbau massiv erhöht und Landesverordnungen gegen Wohnraumzweckentfremdung eingeführt werden. Auf kommunaler Ebene sollen bezahlbare Wohnräume für Azubis und Studierende geschaffen sowie kommu­nale Wohnungsgesellschaften ­gegründet und/oder gestärkt werden.

von Noel Rhiel