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Marburg Die rätselhafte Magie des Alltags
Marburg Die rätselhafte Magie des Alltags
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19:59 15.12.2021
Das Gemälde  „Selbstbildnis IV" entstand 1954.
Das Gemälde  „Selbstbildnis IV" entstand 1954. Quelle: Fotos: Bildarchiv Foto Marburg / Horst Fenchel
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Marburg

Nicht nur nach Ansicht des früheren Direktors des Kunstmuseums, Dr. Paul Jürgen Wittstock, war Blau „über Jahrzehnte der herausragende bildende Künstler in unserer Region“, wie Wittstock im Nachruf auf Blau schrieb.

Die Ausstellung „Zeitspuren“ präsentiert in drei Räumen mit mehr als 60 Gemälden aus den Jahren 1950 bis 1991 ein umfangreiches Panorama der wichtigsten Themen des Malers, der seit den 1950er-Jahren in Marburg und in dem Stadtteil Cyriaxweimar lebte und arbeitete. Sie wurde am Freitag aufgrund der Corona-Pandemie in kleinem Kreis eröffnet.

Blau schuf stille Bilder – anders kann man seine altmeisterlich in gedeckten Farben gemalten Stadt- und Industrielandschaften, Stillleben, Bildnisse der Familie und Selbstporträts nicht bezeichnen. Die Bilder sind meist kleinformatig, gegenständlich, zeichnerisch präzise, klar konturiert und streng komponiert.

In der Ausstellung zu sehen sind italienische Stadtansichten, Marburger Motive und symbolträchtige Bildwelten, in denen Günther Blau Alltägliches und Vergänglichkeit abbildete. Alltagsobjekte und Kuriositäten spielten eine große Rolle in seinen Bildern. Der Maler fand sie häufig bei Flohmarktbesuchen und hielt die Motive mit feinen Pinselstrichen fest. Blau habe detaillierte, realistisch anmutende Darstellungen geschaffen, die zugleich wie der Wirklichkeit entrückt wirkten, teilte das Kunstmuseum mit.

Günther Blau war seit den 1950er Jahren einer der wichtigsten, wenn nicht der bedeutendste Marburger Maler. Stilistisch anknüpfend an die Neue Sachlichkeit der 20er-Jahre habe er eine malerische Perfektion entwickelt, die selbst dem Tristen und Alltäglichen magische Wirkung verleihe, so Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck der betont: „Günther Blaus Bilder verbinden die nüchterne Bestandsaufnahme mit einem Gespür für das Rätselhafte der menschlichen Existenz. Die Kunst Günther Blaus lässt die Vergänglichkeit aufscheinen und hinterfragt die eigene Zeit.“

Die Kunsthistorikerin Kristina Gansel trug nach Auskunft des Kunstmuseums maßgeblich zum Gelingen der Ausstellung und des Kataloges bei, der voraussichtlich am 20. Dezember erscheinen wird. Blaus Bilder erzählten von Entschleunigung und Stille. Sie seien vor dem Hintergrund der letzten zwei Jahre sehr zeitgemäß, so Gansel.

Blau hat ein umfangreiches Werk hinterlassen

Nach Kindheit und Jugend in Elberfeld nahm Günther Blau 1940 an der Kunstakademie in Düsseldorf ein Studium der Bildhauerei auf, wurde jedoch ein Jahr später zum Reichsarbeitsdienst einberufen und 1944 als Soldat im Zweiten Weltkrieg auf der Krim schwer verwundet.

Er konnte sein Bildhauerstudium danach nicht mehr aufnehmen. 1946 begann er stattdessen ein Studium der Malerei an der Kunstakademie in München und setzte es an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe fort.

Blau hat ein enorm umfangreiches, breit gefächertes Werk in der Tradition des magischen Realismus geschaffen: Dazu zählen rund 1 400 Gemälde, über 250 Grafiken und zahlreiche Guachen. Das Werkverzeichnis seiner Zeichnungen umfasst rund 850 Werke.

Seine erste Einzelausstellung hatte er 1954 in der Kirchspitzklause in Marburg. Es folgten unter anderem drei große Ausstellungen im Marburger Universitätsmuseum 1972, 1982 und zuletzt 1999. Auch das Von-der-Heydt-Museum in seiner Geburtsstadt Wuppertal widmete ihm 1973 unter dem Titel „Magie des Alltäglichen“ und 2014 große Einzelausstellungen. 1977 erhielt er den Eduard von der Heydt-Kulturpreis der Stadt Wuppertal und 1991 den ersten Marburger Kunstpreis.

Werke von Günther Blau befinden sich in privaten und in öffentlichen Sammlungen, etwa im Marburger Kunstmuseum, im Von der Heydt-Museum Wuppertal, in der Staatsgalerie Stuttgart, im Oberhessischen Museum Gießen, im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel oder in der Städtischen Galerie Karlsruhe.

Die Ausstellung „Zeitspuren“ ist bis zum 24. April 2022 im Kunstmuseum, Biegenstraße 11, zu sehen. Das Kunstmuseum ist täglich außer dienstags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt: 5 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sowie Studierende der Philipps-Universität ist der Eintritt frei. Derzeit gilt wegen der Corona-Pandemie für den Museumsbesuch die 2G-Regel

Von Uwe Badouin

17.12.2021
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