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Marburg Werden am UKGM schon Stellen abgebaut?
Marburg Werden am UKGM schon Stellen abgebaut?
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17:51 23.10.2020
Mitarbeiter von UKGM und Vitos streikten Ende September unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen vor dem Erwin-Piscator-Haus in Marburg. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Hat das UKGM bereits damit begonnen, Stellen abzubauen? Fabian Dzewas-Rehm, Gewerkschaftssekretär von Verdi, teilt mit, dass Beschäftigte des UKGM genau dies berichten würden. Dies bereite der Gewerkschaft „große Sorge", heißt es.

„Aus immer mehr Bereichen berichten Kollegen über Versuche, Stellen abzubauen. In erster Linie setzt der Konzern scheinbar auf die Nicht-Verlängerung von befristeten Verträgen und versucht, Kollegen noch in der Probezeit rauszuwerfen“, so Dzewas-Rehm. „Zudem wird am Standort Marburg betriebsintern von Anweisungen berichtet, Stellen abzubauen, und Vorgesetzte werden zum Anlegen von Streichlisten angehalten“, erläutert der Gewerkschaftssekretär.

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Doch gibt es bei dieser Vorgehensweise einen Haken: Im Zuge der Vereinbarung zur Trennungsrechnung mit dem Land Hessen hat sich der Rhön-Konzern seinerzeit dazu verpflichtet, bis Ende 2021 keine Entlassungen vorzunehmen. Und, so Verdi: Auch mit der Gewerkschaft habe das UKGM vertraglich einen Verzicht auf Änderungs- und Beendigungskündigungen vereinbart.

Arbeitsplatzabbau „durch die kalte Küche“

„Scheinbar versucht der Arbeitgeber nun bereits unterhalb der Vorgaben der Verträge, Personal abzubauen und gleichzeitig weitere Streichungen vorzubereiten. Dies ist ein Angriff auf alle Beschäftigten am UKGM“, so Dzewas-Rehm. „Wir fordern einen sofortigen Stopp jedweden Stellenabbaus und ein rigoroses Eingreifen der Politik. Die Beschäftigten und die Patienten haben gute Bedingungen verdient.“

Und was sagt das UKGM dazu, werden quasi „durch die kalte Küche“ Stellen abgebaut?

Kein Dementi von der UKGM-Spitze

Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Gunther K. Weiß, bestätigt, dass das UKGM sich – wie auch viele andere Kliniken der Maximalversorgung – mit einer zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Situation in Folge der Corona-Pandemie konfrontiert sehe.

Die Patientenzahlen seien rückläufig, Kompensationszahlungen der Krankenkassen für das Freihalten von Betten liefen aus und seien aus UKGM-Sicht nicht ausreichend.

Zudem würden „deutlich gestiegene tarifliche Vergütungen und ein Stellenaufbau über viele Dienstarten hinweg in den letzten zwei Jahren“ zu einer „absehbar schwierigeren wirtschaftlichen Lage des UKGM“ führen, auf die sich die Geschäftsführung einstellen müsse, heißt es in einer Mitteilung auf Anfrage der OP.

Dies geschehe „mit Augenmaß und einem hohen Verantwortungsgefühl für unsere Patientinnen und Patienten genauso wie für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Am UKGM werden zu jeder Zeit alle Aufgaben und Verpflichtungen gegenüber der Krankenversorgung, der Forschung und Lehre vollumfänglich erfüllt. Das war immer so und wird auch in Zukunft so sein“, so Weiß.

Philippinische Pflegekräfte in Gießen

Demnach werde das UKGM von der neuen Kooperation mit Asklepios profitieren. So habe man mithilfe des Konzerns jüngst 22 philippinische Krankenschwestern und Krankenpfleger für das UKGM gewonnen, um mit ihnen lange stillgelegte Betten am Standort Gießen wieder zu eröffnen. Durch einen gemeinsamen Einkauf würden darüber hinaus die Verbrauchkosten für medizinisches Verbrauchsmaterial deutlich sinken, „und unsere gemeinsamen Anstrengungen, unsere medizinischen Abläufe und Prozesse weiter zu verbessern und unsere Leistungsabrechnung noch weiter zu optimieren, sind weitere Schritte der Unterstützung des UKGM, die wir ohne die neue Kooperation nicht gehen könnten“, so Weiß.

Er fügt hinzu: „Richtig ist aber auch, dass wir auch selber prüfen müssen, wo wir bei rückläufigen Leistungs- und Patientenzahlen und steigenden Tarifkosten unsere Strukturen und Vorhaltungen überprüfen und gegebenenfalls anpassen müssen.“ Dies gehöre zu den normalen Aufgaben einer Geschäftsführung „und unterscheidet uns in keiner Weise von anderen Kliniken und Unternehmen“.

Ob und wenn ja wie viele Stellen im Zuge dieser „normalen Aufgaben“ abgebaut werden, beantwortete das UKGM jedoch nicht.

Asklepios hatte laut Verdi im Zuge der Verhandlungen über eine neue Eingruppierung der UKGM-Beschäftigten in einigen Bereichen einen „Personalüberhang“ festgestellt. Das war auch Thema der zweitägigen Warnstreiks Ende September.

Von Andreas Schmidt