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Marburg Wenn der Strom vom Solarzaun kommt
Marburg Wenn der Strom vom Solarzaun kommt
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12:00 14.12.2021
Drei Solar-Innovationen im Test: Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Armbrüster (von links), Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller stehen unterhalb des Solarzauns auf einem Test-Gehweg mit Solar-Kacheln und präsentieren eine Solar-Folie.
Drei Solar-Innovationen im Test: Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Armbrüster (von links), Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller stehen unterhalb des Solarzauns auf einem Test-Gehweg mit Solar-Kacheln und präsentieren eine Solar-Folie. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Er ist gut 30 Meter lang und ein echter Blickfang: Der Solarzaun, der auf der Grenze der Rudolf-Bultmann-Straße zum Heizkraftwerk Ortenberg steht. Der Zaun ist das sichtbarste Zeichen der Solar-Innovationen, die die Stadtwerke Marburg gerade testen.

Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Armbrüster ist von dem Zaun begeistert: „Er verbraucht wesentlich weniger Platz, als beispielsweise Freiflächen-Module. Und dabei ist der Ertrag der Module auch noch höher – denn sie fangen die Sonne von beiden Seiten ein, also Morgen- und Abendsonne. Der Strom soll für dreieinhalb Haushalte oder etwa 80 000 E-Auto-Kilometer genügen.

Selbstklebende Solarfolie

Auch eine selbstklebende Solarfolie testen die Stadtwerke derzeit – angebracht am Wärmespeicher des Blockheizkraftwerks. Sie besteht aus organischem Material, ohne Silizium und Schwermetalle, ist leicht und biegsam und lässt sich nahezu überall anbringen. Das Problem: Der Wirkungsgrad liegt derzeit lediglich bei fünf Prozent – der soll aber in den kommenden Jahren verdoppelt werden. Aufgrund der Flexibilität ließen sich jedoch neue Flächen erschließen.

Und dann gibt es noch eine mobile Test-Anlage mit einem „Solarweg“ – der besteht aus angerauhten Fußboden-Kacheln mit Solarzellen, die bis zu elfeinhalb Tonnen belastbar sind. Einsetzen lassen sollen sie sich beispielsweise als Gehweg-Belag ebenso, wie auf Fahrradwegen. Den Teststand haben Azubis der Stadtwerke gebaut – er soll künftig überall im Stadtgebiet auftauchen, um von Bürgern getestet zu werden. Angebracht sind beispielsweise ein Kompressor zum Fahrräder Aufpumpen oder eine USB-Ladebuchse, um zu demonstrieren: Der Solarweg funktioniert.

„Es ist eine wirklich geniale Idee, versiegelte Flächen als Solarquelle zu nutzen“, sagt denn auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

Klimaneutralität

Doch warum der ganze Aufwand? „Marburg will bis 2030 klimaneutral sein. Das ist ein ziemliches dickes Brett, aber wir sind zuversichtlich, dass wir das schaffen können“, sagt Spies. Dazu gehöre beispielsweise auch, bereits in fünf Jahren alle städtischen Gebäude mit Photovoltaik auszustatten, um den Strom, den sie benötigen, selbst herstellen zu können. „Da kommt es darauf an, alle Möglichkeiten, alle Chancen und alle Ideen zu nutzen.“ Die Herausforderung der Energiewende sporne zahlreiche Unternehmen geradezu zu Innovationen an. „Energiewende ist ja auch eine riesige wirtschaftliche Chance“, so Spies.

Für Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller ist die Leistung der Bodenkacheln zweitrangig. „Was uns interessiert ist, wie sich das Material entwickelt, wenn es das ganze Jahr der Witterung ausgesetzt ist – außerdem sollen die Leute drüber laufen, drüber fahren und es darf auch mal was drauffallen, das müssen die Kacheln ja aushalten.“

Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Armbrüster bezeichnet die getesteten Innovationen als „ein Zeichen für die gelebte Energiewende“. Oder im Fall der Solarfolie eher der geklebten Energiewende.

Von Andreas Schmidt