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Marburg Weniger Studenten starten ins Corona-Semester
Marburg Weniger Studenten starten ins Corona-Semester
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10:58 25.10.2020
Blick ins leere Audimax. Die Universität bietet im Wintersemester für Erstsemester viele Präsenzveranstaltungen an. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Zahl der Studenten an der Philipps-Universität in Marburg schmilzt wohl weiter ab. Im nun beginnenden Wintersemester 2020/2021 sind insgesamt rund 24 000 Menschen eingeschrieben. Davon sollen etwa 5500 Erstsemester sein. Das teilt die Uni-Pressestelle auf OP-Anfrage mit. Vor einem Jahr waren es nach Anmeldeschluss noch rund 25 000 (darunter 6000 Erstsemester).

Die aktuell beliebtesten Studienfächer sind demnach Humanmedizin (2530 Einschreibungen) und Rechtswissenschaft (1869). Auf den weiteren Plätzen folgen Erziehungswissenschaften (708), Politikwissenschaft (646), Biologie (458) sowie Soziologie (427). Auffallend viele interessieren sich für den Abschluss des Gymnasial-Lehramts (2281), vor allem im Bereich Sport gibt es mit rund 500 viele Erstsemester.

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Die Zahl der ausländischen Studenten ist im Vergleich zum Vorjahres-Wintersemester um 400 auf nun 3250 zurückgegangen. Der Corona-bedingte Rückgang sei aber „deutlich kleiner als erwartet“, wie es von der Hochschule heißt. Trotzdem bedaure man die Entwicklung, da man eigentlich „hohe Priorität auf internationale Vernetzung und Austausch“ lege.

Uni: Mensa und Bibliotheken offen,1000 Präsenz-Lehrveranstaltungen

So kommen über das europäische Erasmus-Programm in diesem Semester nur 66 Studenten an die Uni. Und aus Marburg gibt es ebenfalls kaum Wechsel an internationale Partner-Unis, da viele ihre Abreise auf Sommersemester 2021 geschoben oder gleich ganz abgesagt hätten. Manche hätten aber mit einem Online-Semester begonnen, um die Entwicklung abzuwarten und dann eventuell den physischen Aufenthalt doch noch zu beginnen. Gerade mal 80 Marburger Studenten sind derzeit im europäischen Ausland, normalerweise seien es um die 250 pro Semester. Außer-europäisch sei der Studentenaustausch sogar faktisch eingestellt worden.

Sollte es im Wintersemester 2020/2021 bei den etwa 24 000 Gesamtstudenten bleiben, würde sich ein Trend der vergangenen Jahre zum schrittweisen Abschmelzen der Immatrikulationszahlen – zu den nicht lange zurückliegenden Rekordzeiten waren mehr als 27 000 eingeschrieben – fortsetzen. Zuletzt sackte die Zahl um rund 1000 Studenten vom Jahr 2017 auf 2018 ab, blieb 2019 konstant und rutscht nun offenbar – allerdings neben weniger Erstsemestern vor allem wegen der vielen fernbleibenden internationalen Studenten – wieder etwas ab.

Die Uni will gerade mit Blick auf die Erstsemester nach eigenen Angaben „auf möglichst viel Präsenz“ setzen. Fachbereichsübergreifend seien 1000 Lehrveranstaltungen vor Ort, offene Bibliotheken, PC-Säle und Mensen geplant. Man wolle gerade Studienanfängern „einen guten Start ermöglichen und die Möglichkeit geben, sich auszutauschen und kennenzulernen“, sagt Professorin Evelyn Korn, Uni-Vizepräsidentin für Studium und Lehre.

Korn: Besser vorbereitet als im Sommersemester

Angesichts der Entwicklung der Corona-Pandemie müsse gleichwohl vieles digital stattfinden. Für die Dozenten bedeute das Mehrarbeit: Diese hätten zwar mehr Zeit für ihre Planungen gehabt als im zurückliegenden Sommersemester. „Aber Distanzlernen erfordert andere didaktische Formate als Präsenzlehre“, sagt Korn. Die Entwicklungen der Pandemie könnten Planungen so oder so schnell überholen.

Zuletzt war es so, dass ein großer Teil der Studenten nicht aus dem erweiterten Einzugsgebiet rund um Marburg stammt. Hessen und Teile Nordrhein-Westfalens: Nur rund die Hälfte der Studierenden stammt aus einem Umkreis von rund 80 Kilometern. Überdurchschnittlich viele­ Studenten zog es in den Vorjahren aus der ganzen Bundesrepublik an die Philipps-Universität. Wie es aktuell aussieht, ist noch unklar.

Wohnungen, Nahverkehr, Wirtschaft: Die Entwicklung der Studentenzahlen, speziell die in der Corona-Pandemie stattfindende Transformation von der klassischen Präsenz- hin zur Digital-Lehre, wird mitunter enorme Auswirkungen auf die Stadtentwicklung haben. Beginnt wegen dem Fern-Uni-Charakter das Zeitalter der Pendel-Studenten, da künftig weniger Studenten nach Marburg ziehen und von Zuhause lernen? Einige Hochschullehrer fürchten jedenfalls eine sozio-ökonomische Abwärtsspirale speziell für traditionelle Universitätsstädte wie Marburg oder Tübingen (OP berichtete).

Von Björn Wisker

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