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Marburg Weniger Unfälle, aber mehr Tote als 2019
Marburg Weniger Unfälle, aber mehr Tote als 2019
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08:00 12.05.2021
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Marburg

Die Unfallstatistik des Polizeipräsidiums Mittelhessen für 2020 liegt vor. Ein Jahr, das sich spätestens ab März nicht mehr eins zu eins mit den Vorjahren vergleichen lässt, weil die Corona-Pandemie auch Auswirkungen auf die öffentliche Mobilität hatte.

So verzeichnete die Polizei im Landkreis Marburg-Biedenkopf 755 weniger Unfälle als 2019. Dieser Rückgang muss mit Corona begründet werden, weil in den drei Jahren zuvor die Gesamtzahl immer über 4 800 lag.

Doch eine andere Zahl passte sich da leider nicht an: 15 Verkehrstote. Das entspricht eher den Zahlen von 2007 (15) und 2008 (16). In den vergangenen zehn Jahren gab es fünfmal einstellige Zahlen bei Todesopfern. Nach der Schadensuhr im Bereich des Polizeipräsidiums Mittelhessen starb alle neun Tage ein Mensch im Straßenverkehr. Aufgeteilt auf die Landkreise heißt das, dass es alle 25 Tage eine tote Person im hiesigen Landkreis zu beklagen gab. Hingegen alle 37 Tage im Lahn-Dill-Kreis, alle 46 Tage im Landkreis Gießen, alle 73 Tage in der Wetterau.

Die Gesamtunfälle in den genannten Kreisen des Polizeipräsidiums Mittelhessen gingen auch zurück. Waren es 2019 noch 23 786, wurden im Corona-Jahr 2020 nur 19 615 polizeilich aufgenommen. Die Zahl der Verkehrstoten verringerte sich um sieben von 49 auf 42. Trotz weniger Unfälle blieb die Zahl recht stabil. Der Wert aus 2016 mit nur 31 Toten bleibt somit leider nur als positiver Ausreißer stehen.

Manfred Glaßl, kommissarischer Leiter der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf, sagt auf den Landkreis bezogen: „Trotz eines erfreulichen Rückgangs der Verkehrsunfälle wird die Polizei weiterhin in Verkehrspräventionsprojekten aktiv sein, um die Hauptunfallursachen zu reduzieren. Festgestellte Verkehrsverstöße werden weiterhin konsequent geahndet.“ Er nimmt jeden Verkehrsteilnehmer in die Pflicht, sich seiner Verantwortung bewusst zu sein. „Insbesondere kann jeder durch gegenseitige Rücksichtnahme und vorausschauendes Fahren erheblich zur Verkehrssicherheit beitragen.“

Von den 42 Menschen, die 2020 in Mittelhessen im Straßenverkehr ihr Leben verloren, verstarben 38 Personen auf Straßen außerhalb von Ortschaften wie Bundesautobahnen und Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen. Auch bei den 624 Personen, die bei Unfällen schwer verletzt wurden, verunglückten die meisten Menschen (410) auf Straßen, die sich nicht in einer Ortschaft befinden.

Polizeipräsident Bernd Paul nennt den Hauptgrund für Unfälle mit Todesfolge: „19 Personen, also fast die Hälfte, starben, weil zu schnell gefahren wurde. Zu hohe Geschwindigkeit ist auch weiter mit fast 20 Prozent die Hauptunfallursache, wenn Menschen verletzt oder getötet werden.“

Dabei sagt die Statistik nichts darüber aus, ob es sich bei den Opfern um Unfallschuldige oder Unfall-Unschuldige handelt.

Thorsten Samsa, Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes Marburg-Biedenkopf, mahnt eindringlich: „Der Grad, der über die Schwere der Verletzungen oder gar den Tod entscheidet, ist sehr schmal und von vielen Faktoren abhängig. Letztendlich haben wir immer durch unser eigenes Fahrverhalten die Möglichkeit, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Nur durch vorausschauendes Fahren und gegenseitige Rücksichtnahme sind wir in der Lage, auch Fahrfehler anderer Verkehrsteilnehmer auszugleichen. Letzten Endes profitieren dann alle davon.“

Eine andere Statistik: Im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen, die von Verkehrsteilnehmern der Generation 65 plus verursacht wurden, starben im Bereich des Polizeipräsidiums Gießen 2020 zwölf Menschen. 109 Personen trugen schwere Verletzungen davon. 2019 waren es acht tödlich Verunglückte und 113 Schwerverletzte.

Ist die Rede von Unfällen, muss auch immer wieder über das Thema Unfallflucht gesprochen werden. In Bezug auf alle aufgenommenen Verkehrsunfälle im Bereich Mittelhessens macht die Unfallflucht etwas über ein Viertel (26,53 Prozent) aus. Die Aufklärungsquote wurde nochmals von 41 auf 43 Prozent gesteigert. 2020 wurden 1162 weniger Verkehrsunfallfluchten als noch im vorletzten Jahr registriert.

Von Götz Schaub

12.05.2021
11.05.2021
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