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Marburg Weniger Arbeitslose als vor einem Jahr
Marburg Weniger Arbeitslose als vor einem Jahr
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19:57 29.04.2021
Ein Bäcker knetet in der Backstube einer Bäckerei Brotteig. Auch Bäckereien haben noch Azubi-Stellen offen.
Ein Bäcker knetet in der Backstube einer Bäckerei Brotteig. Auch Bäckereien haben noch Azubi-Stellen offen. Quelle: Foto: Jens Büttner
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Marburg

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt derzeit 5668 Arbeitslose und damit 4,0 Prozent weniger als vor einem Jahr, gar 5,1 Prozent weniger als im Vormonat. „Die Zahlen“, sagte Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit gestern, „sehen auf den ersten Blick schön aus. Aber man muss sie längerfristig vergleichen.“ Machte er dann auch, blickte auf die Relation zum April 2019 – und ein Plus von 8,7 Prozent.

Die Arbeitslosenquote liegt kreisweit bei 4,2 Prozent und damit unter dem hessischen Durchschnitt von 5,5 Prozent. Vor zwei Jahren lag die sie in Marburg-Biedenkopf bei 3,9, vor einem Jahr bei 4,4 Prozent. „Da haben wir die Pandemie gespürt“, sagte er im Rückblick. „Wir vergleichen also jetzt mit einem richtig schlechten Monat.“

Produzierendes Gewerbe meldet mehr Stellen

Eine negative Entwicklung gibt es bei den über 50-Jährigen, von denen derzeit 1732 arbeitslos gemeldet sind – 2,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. „Da hat sich ein Trend entwickelt. Wenn es um Kündigungen geht, dann trifft es diesen Sektor derzeit überproportional, unabhängig von der Qualifizierung.“ Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist auf 1917 gestiegen, ein deutlicher Zuwachs um 27,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, gar um 35,0 Prozent gegenüber dem April 2019. „Es gibt mehr Menschen, die sich in eine verfestigte Arbeitslosigkeit bewegen.“

Als „kleinen Silberstreif am Horizont“ bezeichnete Breustedt andere Entwicklungen: 621 Menschen kamen binnen eines Monats aus der Arbeitslosigkeit in Erwerb, das waren 20,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auf der anderen Seite gab es 480 „Zugänge“ aus Erwerbstätigkeit – ein Minus von 41,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in dem die Corona-Auswirkungen stark zu spüren waren. Vor allem die Zahl der gemeldeten Stellen aus dem produzierenden Gewerbe ziehe „spürbar an“, sagte Breustedt. Insgesamt sind im April 447 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet worden, was einem Plus von 58,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. „Es geht in eine gute Richtung“, so der Agenturleiter. Ohne Kurzarbeit, sagte Breustedt, „würden die Zahlen deutlich schlechter aussehen“.

Die jüngsten verlässlichen Werte dazu gibt es von Ende vergangenen Jahres: Demnach hatten im Dezember 818 Betriebe im Landkreis Kurzarbeit angemeldet, nachdem es im November noch 684 gewesen waren. 5862 Personen waren im letzten Monat 2020 davon betroffen – etwas mehr als in den vorherigen Monaten, aber deutlich weniger als etwa im August (7915). Er würde sich wünschen, sagte Breustedt, dass die Kurzarbeit stärker zur Qualifikation von Beschäftigten genutzt wird: „Es wird gemacht, aber es könnte deutlich häufiger gemacht werden.“

Weniger Ausbildungsstellen, deutlich weniger Bewerber

1285 Ausbildungsstellen sind der Agentur für Arbeit seit Beginn des Berichtsjahres am 1. Oktober 2020 gemeldet worden – 5,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Eine Ursache, meint Breustedt, seien die unklaren Zukunftsperspektiven mancher Betriebe aufgrund der Pandemie.

Dennoch seien die Chancen, eine Ausbildungsstelle zu bekommen, „so gut wie lange nicht mehr“, denn: „Aus Unsicherheit heraus gehen viele junge Menschen weiter zur Schule.“

Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber ist dadurch im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken: um 113 beziehungsweise 9,1 Prozent auf 1123. Noch unversorgt sind davon 534, ihnen gegenüber stehen 684 noch unbesetzte Stellen (siehe Infobox). Unter den derzeit 5668 Arbeitslosen befinden sich 2995 erwerbsfähige Grundsicherungsempfänger, für die das Kreisjobcenter (KJC) zuständig ist. Das sind 46 Personen oder 1,5 Prozent weniger als im Vormonat und 146 Personen beziehungsweise 4,6 Prozent weniger als vor einem Jahr, teilte der Landkreis Marburg-Biedenkopf mit.

„Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich etwas verbessert. Von einer Kehrtwende kann aber noch nicht gesprochen werden“, so der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow.

Von Stefan Weisbrod

29.04.2021
29.04.2021