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Marburg Wenige Luftfilter, viele Klassenräume
Marburg Wenige Luftfilter, viele Klassenräume
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15:58 21.07.2021
In Marburger Schulen und Kitas noch selten: Luftreiniger für Klassenräume.
In Marburger Schulen und Kitas noch selten: Luftreiniger für Klassenräume. Quelle: Foto: Hauke-Christian Dittrich
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Marburg

Kommt jetzt die Luftfilter-Offensive? Der Magistrat muss jedenfalls in allen Klassenräumen im Vorfeld einer Herbst-Corona-Welle möglichst viele Reinigungsanlagen verteilen und aufbauen, Planungen für die weitere Aus- und Nachrüstung in Schulen und Kitas vornehmen. Das ist das Ergebnis einer CDU-FDP-Initiative im Stadtparlament, die eine Bereitstellung von zwei Millionen Euro zum umgehenden Kauf von mobilen Luftreinigern fordert.

Eine erneute Abkehr vom Normalbetrieb, eine Schulschließung oder Rückkehr zum Wechselmodell gelte es „unbedingt zu vermeiden“, sagt Michael Selinka (CDU-FDP). „Man kann, man muss mehr machen als Lüften und Testen.“ Nur wenige Unterrichtsräume mit Luftreinigern auszustatten, wie das aktuell der Fall sei, reiche für das Ziel dauerhaft offener Schulen nicht aus. Die Stadt als Schulträger habe nun sechs Wochen Zeit, das zu ändern. Selbst wenn die Pandemie vorbei ist, könnten die Luftreiniger immerhin Allergene minimieren und so ein „gesundes Lernumfeld schaffen“.

„Kein zentraler Baustein“

Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) sieht – wie einige Behörden, etwa das Umweltbundesamt – den Nutzen gerade von mobilen Luftfiltern skeptisch. „Die Geräte dürfen nicht der zentrale Baustein sein“, sagt er und verweist auf den im Gegensatz zu der fest-installierten Technik, die aber auch nur in wenigen Gebäuden wie etwa in der Adolf-Reichwein-Schule entsprechend vorhanden ist, ausbleibenden Luftaustausch. 24 der geeigneteren, dezentralen Lüftungsgeräte, die Fensterlüftung entbehrlich machen, würden bis zum Ende der Sommerferien an verschiedenen Standorten, speziell in Schulen installiert. Aber: Als „flankierende Mittel“ wolle man mobile Luftreiniger nun doch breiter einsetzen. Allerdings: Deren Lieferzeit liege bei etwa vier Wochen.Fakt ist: In Marburg gibt es rund zwei Dutzend Schulen mit hunderten Klassen- und Gruppenräumen. Seit Anfang des Jahres stehen nach Angaben des Magistrats 20 Luftreiniger bereit – doch außer dem Kindergarten Michelbach-Nord und der IKJG-Kita im Stadtwald habe keine Einrichtung Geräte angefordert.

Ohnehin sind viele Eltern in Marburg wie anderswo irritiert, dass eineinhalb Jahre nach Pandemie-Beginn weiterhin mehr Machbarkeiten geprüft, sich in Vergabe- und Verfahrensfragen verlaufen, statt zügig Anlagen ein- und aufgebaut werden. In der Vergangenheit verwies die Stadtverwaltung darauf, wie kompliziert der Einbau von Technik, das Verlegen von Leitungen und Bohren von Wänden und Decken – also Bauarbeiten – gerade im laufenden Schulbetrieb sei. Die Kreisverwaltung untersucht nach eigenen Angaben in den 100 Schulen außerhalb Marburgs, wo der Einbau stationärer Geräte bis Jahresende, also tief drin in der prognostizierten vierten, vor allem Kinder und Jugendlichen betreffende Corona-Welle möglich ist (OP berichtete).

Von Björn Wisker