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Marburg Weltweit erster Krebsimpfstoff in greifbarer Nähe
Marburg Weltweit erster Krebsimpfstoff in greifbarer Nähe
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20:58 21.06.2021
Quelle: DPA
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Mainz

International ist Biontech mit seinem Corona-Impfstoff bekannt geworden. Einem Impfstoff, der bei den Menschen und den Staaten ganz oben auf der Impf-Wunschliste steht. Und der natürlich auch im Unternehmen im Zentrum steht. Gefühlt sei hier praktisch die ganze Firma involviert, heißt es unter Mitarbeitern.

Doch vor Corona hatte Biontech einen anderen, aber nicht minder revolutionären und hoffnungsvollen Fokus: Die Entwicklung einer individuell auf den jeweiligen Patienten genau zugeschnittenen Immuntherapie gegen Krebs, die Chemo- und Strahlentherapien überflüssig machen.

Trotz des Hypes um den Corona-Impfstoff hat das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen dieses Ziel nicht einfach hintenan gestellt, sondern weiter geforscht. Und kommt nun auf dem Weg, auch den weltweit ersten Impfstoff gegen Krebs zur Zulassung zu bringen, mit großen Schritten voran.

So verkündete Biontech am Freitag, dass nach positiven Ergebnissen der klinischen Testphase 1 nun der erste Mensch in der klinischen Phase 2 den Krebs-Impfstoffkandidaten gespritzt bekommen hat. Die Studie umfasst 120 Patienten aus der EU, den USA, Großbritannien und Australien, die an einem, wie Biontech schreibt, „refraktärem/rezidiviertem, inoperablem Melanom“ der Stadien 3 und 4 leiden.

Kombination mit dem Medikament Libtayo

Einem Hautkrebs also, der weder behandelbar noch operabel ist und bereits Metastasen gebildet hat. Die Prognose für diese Patienten ist also äußerst schlecht. Wie es weiter heißt, bekommen die Teilnehmer den Biontech-Impfstoffkandidaten  BNT 111 in Kombination mit dem Krebsmedikament Libtayo verabreicht. Das Präparat des US-Biotechnologie-Unternehmens Regeneron ist 2018 zugelassen worden und unterstützt mit dem Antikörper-Wirkstoff Cemiplimab laut Beipackzettel das „Immunsystem beim Kampf gegen den Krebs“ und damit auch den Impfstoff von Biontech.

Regeneron ist auch Kooperationspartner bei dem Projekt. Die Firma hat mehr als 8 000 Mitarbeiter und gilt als weltweit führend in der Herstellung humaner Antikörper.

BNT 111 zeigt “dauerhafte Ansprechraten”

„Unsere Vision ist es, die Stärke der körpereigenen Abwehrmechanismen gegen Krebs und Infektionskrankheiten zu nutzen. Wir konnten bereits das Potenzial von mRNA-basierten Impfstoffen im Einsatz gegen Covid-19 verdeutlichen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Krebserkrankungen ebenfalls eine große Bedrohung für die globale Gesundheit darstellen, die sogar weitaus schlimmer ist als die derzeitige Pandemie“, sagte Özlem Türeci, Mitgründerin und medizinische Geschäftsführerin bei Biontech. „In der frühen klinischen Untersuchung konnten wir für BNT 111 bereits ein vorteilhaftes Sicherheitsprofil sowie ermutigende erste Ergebnisse feststellen. Die Behandlung des ersten Patienten in unserer Phase-2-Studie ermutigt uns, unser ursprüngliches Ziel, das Potenzial von mRNA-basierten Impfstoffen für die Behandlung von Krebspatienten, weiter zu verfolgen und zu verwirklichen.“

Bereits in Phase 1 der klinischen Tests zeigte der Biontech-Kandidat den Angaben zufolge bei 89 Patienten mit fortgeschrittenem Melanom „dauerhafte Ansprechraten“. In Phase 2 sollen den Angaben zufolge nun „die Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von BNT111“ überprüft werden – in Kombination mit Liptayo und für die beiden Präparate einzeln.

Es folgt noch die für die Zulassung entscheidende Phase 3 mit in der Regel Zehntausenden Teilnehmern. Insgesamt will Biontech seine „breit aufgestellte Onkologie-Pipeline zügig voranbringen“ und erwartet, innerhalb der nächsten fünf Jahre weitere Kandidaten in die späte klinische Entwicklungsphase sowie in Richtung Marktzulassung zu entwickeln.

Von Ralf Heidenreich

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