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Marburg Der Schlaf ist wie eine Katze
Marburg Der Schlaf ist wie eine Katze
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20:09 31.03.2022
Eingekuschelt im warmen Bett schläft es sich am besten.
Eingekuschelt im warmen Bett schläft es sich am besten. Quelle: Dennis Siepmann
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Marburg

Herrlich: Man liegt eingekuschelt im warmen Bett und wird von der Sonne im Gesicht und dem Geruch von frisch gekochtem Kaffee geweckt. Man dreht sich vielleicht noch einmal auf die andere Seite, döst eine weitere Runde und steht nach einer gut durchgeschlafenen Nacht auf und startet in den Tag.

Zugegeben, das mit der erholsamen Nacht klappt leider viel zu selten. Nicht jeder Mensch wacht erholt am Morgen auf. Schlafstörungen sind nicht zu unterschätzen und man sollte sich mit ihnen beschäftigen. Und welcher Tag wäre dafür passender als der Heutige? Denn heute ist der Welttag des Schlafes, der am Freitag vor der Tagundnachtgleiche – also dem 20. März – stattfindet.

Eine gute Matratze ist eine Investition in die Gesundheit

Jemand, der sich täglich und nicht nur am Welttag mit dem menschlichen Schlaf beschäftigt, ist Marco Heinemann, der in seinem Bettengeschäft in Gladenbach seit gut 30 Jahre Matratzen mit Schwerpunkt Wasserbetten vertreibt. „Wichtig ist, dass die Matratze aus ergonomischer Sicht zu ihrem Benutzer passt. Kriterien sind unter anderem Körpergröße und Proportionen. Für Frau und Mann sind aufgrund der Statur oft unterschiedliche Matratzenausführungen angebracht.

Beide tragen ja auch nicht die gleichen Schuhe“, erklärt er. Weiter sagt er: „Das Wichtigste ist, dass sich eine Matratze dem Körper anpasst – und nicht umgekehrt. Die Folge wären Verspannungen und Schmerzen. Um dies zu vermeiden, ist auf den passenden Härtegrad zu achten, und zwar für alle Körperbereiche (Zonen).“

Wie wahrscheinlich viele wissen, steht man bei der Matratzensuche vor einer unfassbar großen Auswahl. Heinemann weist drauf hin, dass „nicht alles für jeden und jede Umgebung geeignet ist“. Wer stark schwitze, solle zum Beispiel eher eine Taschenfederkernmatratze wählen als eine Latexmatratze. Wasserbetten haben zusätzliche Vorteile für Allergiker. „Die Investition in eine gute Matratze ist eine Investition in die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden“, so Heinemann.

Zu einer richtigen Matratze gehört auch das passende Kissen und ein angemessener Lattenrost. „Grundsätzlich gilt: Die Schultern gehören nicht aufs Kissen. Matratze und Lattenrost funktionieren im Zusammenspiel und sind aufeinander abzustimmen“, sagt der Fachmann. Zudem solle man seine Matratze alle fünf bis sieben Jahre wechseln.

Wohlbefinden ist wichtig

Aber nicht nur in Bettengeschäften kümmert man sich um den Schlaf. Werner Cassel arbeitet seit 1988 als Diplom-Psychologe im Schlafmedizinischen Zentrum des Uniklinikums Marburg. Er weiß: „Man schläft am besten, wenn man es nicht erzwingt. Der Schlaf kommt von selbst.“ Der Schlaf sei wie eine Katze. Sie komme auch nur zum Menschen, wenn sie gekrault werden möchte, und nicht andersherum, sagt er lachend. Cassel hat mehrere Tipps für einen guten Schlaf parat. „Man sollte tagsüber draußen sein, regelmäßig essen und sich ausreichend bewegen. Abends sollte man versuchen, auf zu viel Licht zu verzichten, wie zum Beispiel beim Zähneputzen“, sagt Cassel. Einen Tipp hebt der Experte besonders hervor: „Man sollte mit dem Gefühl ins Bett gehen, dass die Ruhephase beginnt, und nicht mit dem Gedanken, dass man schlafen muss.“ Man müsse dafür sorgen, dass man sich wohlfühlt. Dabei helfe zum Beispiel Lesen oder auch ein Hörbuch. „Das Wohlfühlen im Bett ist wichtig.“

Werner Cassel vom Schlafmedizinischen Zentrum des UKGM Marburg zeigt ein Gerät zur Atmungsunterstützung. Quelle: Lucas Heinisch

Schlafen verläuft in Zyklen

Dass Katzen viele Stunden am Tag schlafen, ist bekannt. Doch wie sieht es bei uns aus? Der Mensch braucht zwischen sechs und achteinhalb Stunden Schlaf pro Tag. Hochgerechnet „verbringen wir Menschen knapp ein Drittel unseres Lebens mit Schlafen“, erklärt Cassel. Wer nun aber denkt, dass der Schlaf vielleicht „verschenkte“ Zeit sei, in der man andere Dinge machen könnte, sollte sich eines bewusst machen: Schlaf ist wichtig. Denn: „Schlaf ist dazu da, uns zu entmüden. Funktionen werden resettet. Schlaf hat etwas mit unendlicher Entspannung zu tun“, sagt Professor Ulrich Koehler, der das Schlafmedizinische Zentrum auf den Lahnbergen leitet. Cassel ergänzt und mahnt: „Wenn man längere Zeit nicht genug schläft, wird man verrückt.“ Es könnten beispielsweise Halluzinationen auftreten und man sei gereizt und unkonzentriert.

25 Aufwacher pro Nacht

Doch wie läuft der Schlaf ab, abgesehen davon, dass man sich ins Bett legt und sich in die Welt der Träume verabschiedet? Erst wird das Hormon Melatonin ausgeschüttet, man wird müde und nach und nach beginnt der Schlaf. „Wir schlafen in Zyklen, die um die 90 Minuten lang sind. Ein Zyklus besteht aus dem Leicht-, Tief- und dem REM-Schlaf“, sagt der Schlafexperte. REM steht dabei für „rapid eye movement“ (zu Deutsch: rasche Augenbewegung). „Im REM-Schlaf träumen wir episodisch“, so Cassel weiter.

Der Schlaf verläuft jedoch nicht ungestört. „Ein junger Mensch wacht pro Nacht im Durchschnitt 25 Mal auf“, weiß der Diplom-Psychologe. „Man erinnert sich aber nicht daran. Man denkt nur, man würde durchschlafen.“ Diese „Aufwacher“ sind also normal und gehören zum Schlaf dazu. Was hingegen schlecht ist, sind Schlafstörungen, die uns von einem erholsamen Schlaf abhalten. „Insgesamt gibt es über 70 schlafmedizinische Erkrankungen. Dazu gehören unter anderem im Schlaf auftretende Erkrankungen wie die Schlafapnoe“, sagt Cassel. Bei Schlafapnoe kommt es zu Atemaussetzern. Gegen diese Aussetzer gibt es aber auch eine Lösung.

„Es gibt Masken, über die die Raumluft mit leichtem Druck in die Nase geblasen wird. Das ist eine Atemunterstützung“, erklärt der Schlafforscher. Der Schlaf kann aber auch durch andere Faktoren gestört werden. „Wenn man am Abend zu viel Licht konsumiert, stört das die innere Uhr“, meint Cassel.

Tierisch guter Schlaf

Ein erwachsener Hund benötigt 17 bis 20 Stunden Schlaf am Tag, ein Welpe sogar noch mehr: bis zu 22 Stunden. Katzen hingegen benötigen viel weniger Schlaf. Sie lümmeln sich 16 bis 18 Stunden an ihren Lieblingsplätzen.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein Haustier haben, das sich besonders gern und spektakulär schlafend in Szene setzt, dann schicken Sie uns ihr Lieblingsfoto. Schnell und unkompliziert über das Formular hier.

Von Lucas Heinisch

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