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Marburg Das sind die beliebtesten Filmküsse der OP-Leser
Marburg Das sind die beliebtesten Filmküsse der OP-Leser
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08:00 06.07.2021
Heute ist internationaler Tag des Kusses.
Heute ist internationaler Tag des Kusses. Quelle: Felix Kästle
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Marburg

„Küssen kann man nicht alleine...“, so lautet der Titel eines der bekanntesten Songs von Max Raabe – und er hat Recht. Ob schmusen (Österreichisch), bisous (Französisch), „Schnutegemüs“ (hessisch) oder bützen (Kölsch, rheinisch), egal, wie man es nennen mag.

Hollywood küsst sich regelmäßig in die Herzen der Menschen. Anlässlich des Welt-Kuss-Tages am heutigen 6. Juli hat die OP die Leserinnen und Leser online nach den besten Filmküssen gefragt. Doch was macht einen guten Filmkuss aus? „Es kommt darauf an, welches Ziel man mit einer Kussszene verfolgt, wenn man das Publikum romantisieren möchte, kann das auf unterschiedliche Weise passieren“, erklärt Katja Hettich, Medienwissenschaftlerin mit dem Forschungsschwerpunkt Emotionalisierung in der Literatur- und Filmrezeption an der Universität Weimar. Das sind die Ergebnisse:

Platz 4: My Girl – Der erste Kuss (1991)

Die erste Liebe, das erste Küsschen. Küssen sollte dennoch geübt werden, selbstverständlich, um sich nicht zu blamieren. Genau diese Situation finden wir zwischen den beiden Protagonisten, Vada (Anna Chlumsky) und Thomas (Macaulay Culkin) wieder, die das Küssen auf ihren eigenen Armen üben. Vada zählt von drei rückwärts. Der erste Kuss auf die Lippen von Thomas folgt, der seine Augen nach dem Schmatzer vor Verblüffung weit aufreißt. Laut Hettich unterscheidet man unterschiedliche Aspekte von Liebe: „Bei ‚My Girl‘ beispielsweise ist die Kussszene keine leidenschaftliche, sexuell aufgeladene. Der kindliche, unschuldige Kuss wird aus den Augen erwachsener Menschen oft als süß empfunden.“ Dabei spiele Intimität trotzdem eine entscheidende Rolle. Aufgelöst wird der Kuss durch das amerikanische Treuegelöbnis, welches die beiden Protagonisten aufsagen. Somit steht für die Medienwissenschaftlerin fest: „Die Art und Weise, wie man eine Kussszene in die Erzählung einbettet, ist entscheidend für die Wirkung.“

Platz 3: Harry Potter (Ron und Hermine, 2011) – Stürmisch und nass

Mitten im Kampf gegen Voldemort (Ralph Fiennes), dem Schurken der Harry Potter-Reihe, fällt der von den Fans lang herbeigesehnte Kuss der beiden besten Freunde von Harry (Daniel Radcliffe) , Ron Weasley (Rupert Grint) und Hermine Granger (Emma Watson). Bei der Zerstörung eines Seelensplitters Voldemorts, für Harry Potter-Fans als Horcrux bekannt, ergießt sich eine magische Wasserfront über die beiden Verliebten. Völlig durchnässt und erleichtert schauen sich die beiden erst schüchtern an, bevor sie sich stürmisch in die Arme fallen und sich küssen. Ein kleines Lachen der beiden am Ende des Kusses rundet die Szene ab. Nach einem Moment der Anspannung und Gefahr küssen sich die beiden Figuren. „Hier finden wir eine andere Art von Spannungsabbau als bei ‚My Girl‘. Der Emotionswechsel ist hier entscheidend“, sagt Hettich. Im Angesicht des Todes kommt sich das Paar plötzlich näher, existenzielle Gefühle brechen auf, die Figuren entwickeln den Mut, sich nach langem Sehnen endlich zu küssen.

Platz 2: Spider-Man (2002) – Kopfüber ins Unbekannte

Als Marie-Jane (Kirsten Dunst) oder MJ, wie sie gerne im Film genannt wird, von zwielichtigen Gestalten auf der Straße überfallen wird, eilt Spider-Man (Tobey Maguire) zur Stelle und rettet sie. Da dies nicht die erste MJ-Rettungsaktion von Spider-Man war, fragt sie ihn, ob sie sich dieses Mal bedanken darf, während er kopfüber an einem Spinnennetz von einer Hauswand hängt. Sie lässt ihre Hände vorsichtig Richtung Maske des Superhelden wandern. Nach einem zögerlichen „wait“ lässt sich der Held von MJ bis unter die Nase demaskieren, sodass nur sein Mund zu sehen ist. Ein intensiver, zärtlicher Überkopf-Kuss folgt. Marie-Jane zieht ihm die Maske wieder bis unter das Kinn, bevor Spider-Man wortlos nach oben verschwindet. Interessant findet Katja Hettich hier die grafische Umsetzung: „Bei Spider-Man wird mit Symbolik gespielt, Liebe stellt uns nun mal auf den Kopf. Die Normalität, der Feste Stand auf beiden Füßen wird körperlich aufgelöst.“ Dabei sei das Geheimnisvolle der Szene nicht unwichtig. Die Zuschauer wissen zu diesem Zeitpunkt der Handlung schon um die Identität des Helden. Die Protagonistin MJ jedoch nicht. „Spider-Man lässt sich von Marie-Jane teilweise entkleiden, das fügt der Szene Intimität hinzu“, sagt die Medienwissenschaftlerin.

Platz 1: Pretty Woman (1990) – Der berüchtigte Kuss auf den Mund

Die Prostituierte, Vivian Ward (Julia Roberts), küsst ihre Freier nicht auf den Mund. In dem Gewerbe der jungen Frau ist dies ein ungeschriebenes Gesetz. Der Kuss auf den Mund ist für sie etwas Emotionales, was sie nur mit jemandem teilt, den sie wirklich liebt. Bei Geschäftsmann Edward Lewis (Richard Gere) geschieht es dann. Der völlig überarbeitete Finanzinvestor liegt schlummernd in dem Bett seiner Hotelsuite. Ohne es auch zu merken, berührt Vivian mit ihrem Finger den Mund Edwads. Anschließend setzt sie zu einem Kuss auf die Wange, dann auf den Mund an. Durch die Berührung der Lippen wacht Edward auf und erwidert den Kuss. Emotionale Musik untermalt die berühmte Kuss-Szene. „Gerade bei dieser Szene steht die Empathie mit der Rolle der Vivian im Vordergrund, weil Edward schläft und somit zunächst nicht bei Bewusstsein ist“, sagt Katja Hettich. Der Zuschauer werde ein Teil des Geheimnisses. Vivian verspricht sich Edward, teilt es ihm aber noch nicht mit. Der Kuss wird zum unausgesprochenen Liebesgeständnis. Somit werde Spannung erzeugt, die dann erst im Laufe des Films aufgelöst wird.

Warum küssen wir uns?

Ursprünglich war die Mund-Auf-Mund-Berührung zur Fütterung des Nachwuchses gedacht. Diese Intimität hat sich evolutionär zu dem Kuss entwickelt, den wir heute kennen. Zudem werden bei einem Kuss Endorphine freigesetzt, beispielsweise Oxytocin, die laut Verhaltensforscherin Elisabeth Oberzaucher rein biochemisch schon eine Verbindung zwischen zwei Menschen herstellen.

Von Larissa Pitzen

07.07.2021
05.07.2021