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Marburg Arbeiten da, wo Hoffnung lebt
Marburg Arbeiten da, wo Hoffnung lebt
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10:58 14.03.2021
Schwester Marianne Schmidt (von links) und Marion Guder von der Arbeitsagentur mit Mónica Niño Bautista, Jugolava Nešić-Hedeši und Jobkonzept-Geschäftsführerin Rita Neidhardt.
Schwester Marianne Schmidt (von links) und Marion Guder von der Arbeitsagentur mit Mónica Niño Bautista, Jugolava Nešić-Hedeši und Jobkonzept-Geschäftsführerin Rita Neidhardt. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Rückblickend kommt es Jugolava Nešic-Heceši wie ein Zeichen vor: „Als ich zum Praktikum ins Haus Sonneck kam, habe ich die Fahne gesehen, die vor dem Eingang weht“, erzählt sie. Darauf steht „Wo Hoffnung lebt“ – „das war ein gutes Omen“, sagt sie. Denn nach dem Praktikum, das Bestandteil der Weiterbildung von „das JobKonzept“ ist, bekam sie eine Festanstellung in dem Begegnungszentrum am Hebronberg. Und das, obwohl Nešic-Hedeši eigentlich wenig Hoffnung hatte, schnell einen neuen Job zu finden.

Nešic-Heceši: Zuerst Sprache lernen

Vor drei Jahren kam sie aus Serbien nach Deutschland – denn ihr Mann fand als Maschinenbau-Ingenieur eine neue Stelle am Pharmastandort Marburg. „In Serbien habe ich bereits zwölf Jahre im Hotelbereich gearbeitet“, erzählt die 40-Jährige, und zwar in einer Führungsposition.

Doch Deutsch sprach sie nicht, „ich kannte nur ,danke’, ,bitte’ und ,es tut mir leid’“, sagt sie – „mir war klar, dass ich zunächst die Sprache lernen muss, um mir dann einen Job im Hotelbereich zu suchen. Denn im Hotel ist Sprache das Wichtigste“. Gesagt – getan: Sie meldete sich bei der Volkshochschule zum Deutschkurs an, absolvierte das Niveau B2. Damit sei zumindest der Anfang gemacht, „das geht aber noch besser“, sagt Nešic-Hedeši selbstkritisch.

Berufliche Qualifizierung bis zum Praktikum

Sie ging zur Arbeitsagentur, „um einen Deutschkurs für den Beruf oder eine Weiterbildung zu bekommen“, erzählt sie. Die Serbin erhielt einen Bildungsgutschein, mit dem sie selbst ein Angebot auswählen konnte – und entschied sich für die Weiterbildung „Aqua“ vom Marburger Bildungsträger „das JobKonzept".

Denn Geschäftsführerin Rita Neidhardt hatte ihr zuvor erzählt, was der Kurs ihr alles bietet – von der Feststellung der eigenen Qualifikationen und Kompetenzen über Bewerbungs- und EDV-Training sowie die berufliche Qualifizierung bis hin zum Praktikum hat sich Rita Neidhardt mit ihrem Team auch auf die Qualifizierung von Berufsrückkehrerinnen spezialisiert. „Als ich das alles gehört habe war mir klar: Das ist eine Hoffnung für mich.“

Job und Familie unter einen Hut bringen

Da war sie also wieder, die Hoffnung. Denn für Jugolava Nešic-Hedeši war es auch eine Herausforderung, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. „Ich habe zwei Kinder, mein Mann arbeitet – Oma und Opa sind weit weg und können nicht mal eben spontan auf die Kleinen aufpassen.“ Dennoch bewarb sie sich für ein Praktikum im Haus Sonneck, dem Begegnungszentrum des Diakonissen-Mutterhauses am Hebronberg in Wehrda.

„Das ging sehr schnell: Am Donnerstag hatte ich meine Bewerbung abgeschickt – und am Freitag hat mich Schwester Marianne angerufen. Das war mein erstes Telefonat auf Deutsch.“ Und es gab ein weiteres Erfolgserlebnis, „denn ich hatte meine Bewerbungsunterlagen auch an den Marburger Hof geschickt, die mich auch nehmen wollten.“ Also absolvierte sie auch dort ein Praktikum.

Individuelle Betreuung gibt Frauen Sicherheit

Für Marion Guder, Beauftragte für Chancengleichheit bei der Marburger Arbeitsagentur, steht fest: „Die individuelle Betreuung, die in dem Kurs gegeben ist, gibt den Frauen sehr viel Sicherheit. Und auch, dass die Vernetzung zu Arbeitgebern so gut ist, dass diese in Corona-Zeiten Praktika anbieten, ist ein Gewinn.“

Rita Neidhardt weiß, dass die Frauen zunächst desillusioniert sind, weil sie schon lange nicht mehr Teil der Berufswelt seien, sie sähen sehr viele Hürden. „Diese Hürden überwinden sie aber, weil wir ihnen das Selbstvertrauen mitgeben, das sie brauchen.“ Die Frauen hätten sehr viele Kompetenzen, „sie müssen sich ihrer Stärken nur wieder bewusst werden“.

Weiteres Positiv-Beispiel

Dass „das JobKonzept“ funktioniert, zeigt auch das Beispiel von Mónica Niño Bautista: Sie kam vor 13 Jahren aus Mexiko nach Deutschland, kümmerte sich zunächst um ihre Kinder, lernte Deutsch – und wollte dann wieder ins Berufsleben. Vor zwei Jahren absolvierte auch sie den Kurs „Aqua“, stärkte ihre Kompetenzen – und fand ebenfalls Arbeit im Haus Sonneck.

Warum fiel die Entscheidung auf die beiden Bewerberinnen? Dazu sagt Schwester Marianne Schmidt vom Haus Sonneck: „Ich habe jeweils die Bewerbungen gelesen und habe gedacht: ,Das kann was werden.’ Ich habe auch viel dafür gebetet, dass die richtige Person zu uns kommt.“

Persönlicher Eindruck entscheidend

Als Mónica Niño Bautista ihre Bewerbung persönlich abgegeben hatte, „da war sofort eine große Empathie da“, erinnert sich Schwester Marianne. Und bei Jugolava Nešic-Hedeši sei auch das Praktikum ausschlaggebend gewesen. „Da hatte ich noch nicht erzählt, dass sie vorher eine Führungsposition hatte, damit die Mitarbeiter ihr offen begegnen“, so die Schwester, „denn wir hatten die Stelle als Hausleitung ausgeschrieben“.

Von beiden Praktikums-Stellen erhielt Jugolava Nešic-Hedeši letztlich also auch ein Job-Angebot. „Ich bin überzeugt, dass jede Frau einen Job finden kann“, sagt sie nach ihrer Erfahrung. Von den Angeboten entschied die 40-Jährige sich für das Haus Sonneck. Warum? „Es war das Gefühl, dass das Haus Sonneck für mich der richtige Platz ist.“ Das Herz habe entschieden, „da zu arbeiten, wo Hoffnung lebt“.

Von Andreas Schmidt

13.03.2021
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