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Marburg Weite Weihnachten
Marburg Weite Weihnachten
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11:57 03.12.2020
Gottesdienst in Coronazeiten: Ein Hinweisschild in der Lutherischen Pfarrkirche in Marburg.
Gottesdienst in Coronazeiten: Ein Hinweisschild in der Lutherischen Pfarrkirche in Marburg. Quelle: Thorsten Richter
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Eines steht fest: Weihnachten findet statt, aber dieses Jahr wird das Fest anders gefeiert, weil es keine Großveranstaltungen geben soll. Davon gehen sowohl die evangelischen als auch die katholischen Kirchen aus.

Infolgedessen rechnet Dekan Burkhard zur Nieden in den großen Marburger Gotteshäusern wie der Elisabeth- oder der Universitäts- sowie der lutherischen Pfarrkirche, in denen sich zu den Weihnachtsgottesdiensten sonst 600 bis 700 Menschen drängen, höchstens mit 120 bis 150 Gläubigen.

Es wird also luftig an Heiligabend, weil die aufgrund der Corona-Pandemie vorgeschriebenen Abstände einzuhalten sind oder weil die Christmetten gleich im Freien stattfinden. Frostbeulen bekommt aber keiner der Besucher, denn „die Gottesdienste, auch die mit Krippenspiel, fallen kürzer aus“, erklärt der Dekan des Kirchenkreises Marburg, dafür werde aber deren Anzahl „deutlich erhöht“.

Es sollen auch die in der bisherigen Corona-Zeit erprobten Formate zur Geltung kommen. Mithilfe moderner Technik seien vorproduzierte oder Live-Gottesdienste online per Streaming verfügbar gewesen. Das sei der jetzige Stand, betont zur Nieden; falls sich an den Auflagen noch etwas ändere, werde man kurzfristig reagieren. Im Übrigen vertraut der Dekan für weitere Aktivitäten „auf die Innovationskraft der Gemeinden“.

Kirchen und Regierung stehen in Kontakt

Auf diese setzt auch Dekan Hermann Köhler im Kirchenkreis Kirchhain. Die Pläne sehen im Ostkreis ähnlich aus wie in der Stadt Marburg: mehr, aber kürzere Gottesdienste an Heiligabend, Video-Gottesdienst für diejenigen, die ihr Haus nicht verlassen wollen, und natürlich Open-Air-Veranstaltungen. „Wir bieten Freiluft-Gottesdienste an verschiedenen Orten an“, sagt Köhler.

Veranstaltungen mit bis zu 200 Menschen hält der Dekan für möglich. Dazu müssen die Abstände eingehalten und die Einlässe kontrolliert werden und es wird ein digitales Buchungssystem geben. Aber alles hinge davon ab, „was die Landesregierung noch beschließt“.

Es gebe noch ein Gespräch der Kirchenleitungen mit dem hessischen Ministerpräsidenten, erklärt Dekan Andreas Friedrich. Danach, vermutlich Ende dieser Woche, wüssten die Kirchenvorstände, „was geht“, und müssten ihre Konzepte gegebenenfalls anpassen, blickt der Leiter des Dekanats Biedenkopf-Gladenbach voraus.

Motto lautet „kurz, kalt und kreativ“

Die bisherigen Pläne bezeichnet Friedrich als „kurz, kalt und kreativ“. Was stattfindet, entscheiden aber die Gemeinden für sich, betont der Dekan. Im Hinterland, wo es viele kleine Kirchen gibt, in denen unter Corona-Bedingungen 15 bis 50 Gläubige Platz fänden, planen aber viele Gemeinden Veranstaltungen im Freien.

Auch an den Sitzen der Bistümer Fulda und Limburg geht man davon aus: „Gerammelt volle Christmetten wird es nicht geben.“ Ebenso keine Großveranstaltungen, zum Beispiel in Stadien, erklärt Robert Eberle in Fulda. Im Bistum gebe es keinen Fall einer Infektion beim Kirchgang, deshalb gehe man davon aus, dass das Hygiene-Konzept wirksam ist und somit keine zusätzlichen Einschränkungen nötig sind. Somit könnten Familien beisammen sitzen, aber es würden Platzkarten ausgegeben.

Die katholischen Kirchen wollen auch die moderne Technik für das Übertragen von heiligen Messen nutzen, bieten aber auch klassische Gottesdienste oder Krippengänge sowie Advent-Aktionen an, erklärt Stephan Schnelle in Limburg. Auch gibt es die Tendenz, vieles im Freien anzubieten. Zwar werden auch für die Katholiken die Messen kürzer und dafür häufiger angeboten, „es wird aber keine Gottesdienste am Fließband geben“, betont Schnelle.

Von Gianfranco Fain