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Marburg Weihnachtsstimmung unterm Stahlseil
Marburg Weihnachtsstimmung unterm Stahlseil
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16:16 30.11.2020
Besinnliche Stimmung in der Marburger Universitätsstraße.
Besinnliche Stimmung in der Marburger Universitätsstraße. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Es weihnachtet sehr in der Marburger Innenstadt – zumindest sorgt nun die traditionelle Weihnachtsdekoration für ein Stückchen Feststimmung an den Hauptstraßen und großen Plätzen. Die wurde in den letzten Tagen von Mitarbeitern der Stadtwerke montiert, die dieses Jahr vor ganz neuen Herausforderungen standen. Denn die leuchtenden Sterne und Lichterketten werden nicht immer an den gewohnten Ecken zu finden sein – mancherorts bleibt es dunkler als früher, an anderer Stelle thront zum ersten Mal weihnachtlicher Schmuck über den Straßen.

So etwa an neuen Standorten entlang der Universitätsstraße/Ecke Gutenbergstraße. Dort haben am Donnerstag Mitarbeiter der Stadtwerke und der Stadtverwaltung einiges zu tun, um die neuen Deko-Stücke fachgerecht aufzuhängen – und das mitten im Berufsverkehr, beziehungsweise darüber. Mit zwei Hubwagen rücken die Mitarbeiter an und postierten sich auf beiden Straßenseiten, flankiert von zwei Vertretern des Ordnungsamtes, die zeitweise den Verkehr regeln müssen.

Denn bevor die Deko stimmungsvoll leuchten kann, muss am neuen Standort mitten im Verkehrstrubel ein stabiles Stahlseil über die Straße gespannt werden. Etwa 20 Meter lang, mit einigem Gewicht. In diesem Fall zwischen dem Verwaltungssitz der Sparkasse und dem Gebäude von Abele Optik gegenüber, die zuvor mit Halterungen versehen wurden. Im Hubwagenkorb geht es auf jeder Seite hinauf in luftige Höhen. Das Seil am Haken der einen Hauswand zu befestigen, geht noch schnell. Komplizierter gestaltet sich der Transport auf die andere Seite und nach oben. Während ein Kollege sich mit dem Seilende auf den Weg macht, überprüft Koordinatorin Johanna Nau von den Stadtwerken noch die letzten Befestigungen und übernimmt das Endstück. Jetzt nur nicht fallen lassen. Die Ordnungspolizei greift ein und stoppt kurz den vorbeirauschenden Verkehr, so lange, bis das Ende des Seils im zweiten Hubwagen nach oben fährt. Nau befestigt das unhandliche Stück an der Fassade. Jürgen Kehring von der Stadt zückt das Lasermessgerät, nimmt noch einmal Maß, „wir hängen das zum ersten Mal hier auf, da muss alles passen“, lautet der Kommentar von oben.

Ungewöhnlicher Arbeitsplatz

Autos und Busse dröhnen vorbei, es ist laut, hier und da müssen sich die Kollegen auch mal anbrüllen, um sich zu verständigen. Während der Verkehr unter ihrem derzeitigen Arbeitsplatz noch weiter zunimmt, geht es ans eigentliche Dekorieren. Es gilt, zwei Sterne und jede Menge Lichterketten, die an mit Frost überzogene Zweige erinnern, passend zueinander aufzuhängen. Das dauert seine Zeit und die Monteure beweisen einiges an künstlerischem Geschick und Standfestigkeit, während sie von einem zum anderen Hubwagen Lichterketten entwirren, „es soll ja auch vernünftig aussehen“, sagt Kehring. Stück für Stück nimmt das Gebilde Formen an, dann baumeln Sterne und Weihnachtslichter ordentlich nebeneinander über der Straße. Immer wieder bleibt jemand aus dem steten Strom an Passanten neugierig stehen, schaut sich das ganze Spektakel vom Boden aus an. Erst recht, als es an den allerersten Licht-Test geht. Nau legt hoch oben den Schalter um, dann ein kurzer Moment des Zitterns – schließlich die Erlösung, alles leuchtet so, wie es sein soll. „Juhuu“, schallt es kurz von dem Hubwagenkorb herab. Noch ist es zwar nicht dunkel, aber auch im diesigen Nachmittagslicht macht die Deko schon etwas her. „Das sieht schön aus“, kommentiert eine Passantin fröhlich und nickt anerkennend. Kommt bei ihr denn unter den Sternen nun direkt Weihnachtsstimmung auf? „Ein bisschen schon“, sagt sie grinsend.

An insgesamt vier Standorten leuchten nun Sterne und Lichterketten an der Universitätsstraße, in der Mitte prangt eine überdimensionale Weihnachtskugel.

Alleine für diesen Bereich mussten rund 130 Meter Stahlseil angebracht werden. Zusammen mit der neuen Deko in der Gutenbergstraße – auch die Marburg Mall hat ihre ersten Halterungen bekommen – wären das etwa 200 Meter Stahlseil. Einmal angebracht, bleiben die auch nach Weihnachten hängen, für das nächste Fest. Sie werden regelmäßig auf ihre Sicherheit überprüft.

Firmen sagen Sicherheitscheck ab

Das gelang in diesem Jahr allerdings nicht an allen Standorten für Weihnachtsdekoration in der Stadt: Vor allem macht sich das in der Oberstadt bemerkbar, etwa entlang der Barfüßerstraße oder Wettergasse, die nicht wie üblich beleuchtet werden dürfen. In mehreren Straßen sei das Aufhängen von Dekoration nur eingeschränkt möglich, teilt die Stadt mit. Der Grund seien festgestellte Mängel und abgesagte Sicherheitsüberprüfungen.

Im Sommer habe die Stadt ein externes Ingenieurbüro mit einer Bestandserfassung und optischen Überprüfung der Beleuchtung beauftragt. Das deckte „bislang nicht bekannte Mängel auf“. Die Folge: Alle Befestigungshaken an den Gebäuden hätten eigentlich auf ihre Standsicherheit kontrolliert werden müssen, um zu prüfen, ob die Weihnachtsdeko sicher verankert werden kann. Mit dieser Kontrolle wiederum habe laut Stadt eine Materialprüfanstalt im Herbst begonnen.

Dann wurden ab Anfang November die Corona-Auflagen verschärft – die Experten konnten ihre Arbeit nicht beenden. Etwa weil für den Sicherheitscheck mehrere Personen in einen Hubwagenkorb hätten steigen müssen. Somit konnte die Zugprüfung nicht mehr an allen Haken durchgeführt werden. Die ungeprüften Standorte dürfen nicht geschmückt werden, „das ist hochgradig ärgerlich“, berichtet Stadtmarketing-Geschäftsführer Jan-Bernd Röllmann. Kurzfristig habe die Stadt zwar eine weitere Prüfanstalt angefragt, aber auch die sagte wegen Corona ab. Somit hängt die Deko nun ausschließlich an Laternenmasten und an bereits als sicher eingestuften Haken.

Von Ina Tannert

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