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Marburg Leukämie-Patienten können im Krankenzimmer in die Pedale treten
Marburg Leukämie-Patienten können im Krankenzimmer in die Pedale treten
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19:00 05.10.2020
Ergometer-Spende für das UKGM: Lisa-Marie Kolbe (Sparkasse, von links), OP-Geschäftsführerin Ileri Meier, Rudolf Nieth (Stationsleitung), Chefarzt Professor Andreas Neubauer, Stephanie Fuchs (CSL Behring), Jan-Bernd Röllmann (Stadtmarketing), Carsten Dalkowski (Marburg Mercenaries), Franziska Wagner (Oberhessische Presse) und Oberarzt Professor Andreas Burchert. Foto unten: Weihnachtssingen im Georg-Gaßmann-Stadion. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

„Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es gut tut, sich als Patient zu bewegen“, sagt Jan-Bernd Röllmann. Der Leiter des Stadtmarketings Marburg wurde vor zwei Jahren als Leukämie-Patient auf der Leukämiestation im Marburger Klinikum behandelt und hat, nachdem er erfolgreich behandelt wurde, eine Benefizaktion initiiert. Das Weihnachtssingen im Georg-Gaßmann-Stadion wurde vom Marburger Football Club Marburg Mercenaries auf den Weg gebracht, unterstützt von der Oberhessischen Presse, der Pharmafirma CSL Behring sowie der Sparkasse Marburg-Biedenkopf.

Mit dem Erlös aus dem ersten Weihnachtssingen der Marburg Mercenaries 2018 wurde damals schon ein WLAN-Router für die Patienten der Leukämiestation im Carreras-Leukämie-Centrum angeschafft, um ihnen den Kontakt zur Außenwelt zu erleichtern. Auch der Erlös des zweiten Marburger Weihnachtssingens in Höhe von 6000 Euro kommt den Leukämiepatienten im Marburger Uni-Klinikum zugute.

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Patienten dürfen Zimmer nicht verlassen

Es wurden bereits im März dieses Jahres 12 Ergometer angeschafft. Auf diesen Stand-Fahrrädern, die in den Patientenzimmern stehen, können die Patienten jetzt regelmäßig in die Pedale treten und aktiv zu ihrer Gesundung beitragen. „Die Anregung für die Anschaffung kam von den Physiotherapeuten“, erläuterte Stationsleiter Rudolf Nieth jetzt bei der offiziellen Spendenübergabe, die Corona-bedingt einige Monate später stattfand.

Der Marburger Leukämie-Spezialist Professor Andreas Neubauer, der Chef des Marburger Carreras-Leukämie-Centrums, erläuterte, warum es so wichtig ist, dass die modernen Trainingsgeräte in den Patientenzimmern installiert sind. Die Patienten können nämlich in ihrer Phase nach einer Knochenmarks-Transplantation ihre Zimmer auf der Station nicht verlassen, weil sie zunächst auf die sterile Luft in diesen Zimmern angewiesen sind.

Die über Doppelschleusen zugänglichen Zimmer sind gegenüber der Außenwelt hermetisch abgeschlossen, zum Beispiel durch spezielle Dichtungssysteme der Fenster. Die Frischluft wird durch Hochleistungs-Partikelfilter zugeführt. In den Räumen herrscht permanent ein leichter Überdruck, um den Zustrom von Luft durch die Türen zu verhindern.

Angesichts dieser Bedingungen sind die Patienten umso mehr auf adäquate Bewegungsmöglichkeiten angewiesen. Die positiven Auswirkungen des Sports auf das Immunsystem seien in diesem Zusammenhang besonders wichtig, auch wenn sie bei Leukämie-Patienten im Gegensatz zu Brustkrebs-Patientinnen noch nicht mit expliziten Studien untersucht worden seien, betonte Neubauer.

Geräte sollen bei Genesung unterstützen

In den ersten Monaten nach der Anschaffung der Ergometer habe sich aber schon gezeigt, dass die regelmäßige Benutzung der Geräte die Patienten bei der Genesung motiviere. Allerdings sollten die Patienten das Trainieren bei aller Begeisterung für ihre Fitness ruhig angehen. „Sie müssen vorsichtig machen und es bei Beschwerden abbrechen. Der Puls sollte nicht über 100 steigen“, macht Professor Neubauer deutlich, dass zu viel Bewegung auch ungesund sein könnte, besonders bei einem deutlich eingeschränkten Immunsystem.

Bei der Spendenübergabe im Klinikum kamen auch die Macher des Weihnachtssingens zu Wort. „Wir können froh sein, dass wir gesund sind und anderen helfen können, damit es ihnen besser geht“, sagte Ileri Meier, Geschäftsführerin der Oberhessischen Presse. Ein Engagement bei dieser Benefizaktion mache auch wegen der Entwicklung von Medikamenten für seltene Erkrankungen auch für CSL Behring einen Sinn, erläuterte Stefanie Fuchs, die Pressesprecherin der Marburger Pharmafirma.

Kein Weihnachtssingen in diesem Jahr wegen Corona

Im Dezember dieses Jahres findet das Marburger Weihnachtssingen keine Fortsetzung. „Wir sind sehr traurig darüber“, sagte Franziska Wagner, Marketingchefin der Oberhessischen Presse. Denn das Event sei Ende vergangenen Jahres bei voller Stadiontribüne eigentlich ein toller Erfolg gewesen.

Doch die Hoffnung auf eine dritte Auflage machte jetzt endgültig die Entwicklung in der Corona-Pandemie zunichte. Immerhin basteln die Macher an einem Alternativprogramm. Das kündigte Carsten Dalkowski, der Präsident der Marburg Mercenaries, an. Gedacht ist an eine Art Spendenmarathon oder Spendentag – möglicherweise verbunden mit einer Blutspende-Aktion. Und für das dritte Marburger Weihnachtssingen gibt es immerhin schon einen neuen Termin. Es soll, wenn Corona dann nicht mehr dagegenspricht, am 11. Dezember 2021 über die Bühne gehen.

Von Manfred Hitzeroth