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Marburg Frühes Beschränken der Öffnungszeit
Marburg Frühes Beschränken der Öffnungszeit
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22:05 28.11.2021
Letzte Runde um 17 Uhr: Glühweinstand-Betreiberin Cornelia Panzer gibt einer Kundin auf dem Weihnachtsmarkt am Marktplatz das Tassenpfand zurück.
Letzte Runde um 17 Uhr: Glühweinstand-Betreiberin Cornelia Panzer gibt einer Kundin auf dem Weihnachtsmarkt am Marktplatz das Tassenpfand zurück. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Sonntag, 1. Advent, 14 Uhr: Familienzeit auf dem Weihnachtsmarkt rund um die Elisabethkirche. Kein Gedränge, weder am Glühweinstand noch vor den anderen Buden, das Kinderkarussell dreht seine Runden, die Abstände werden grob eingehalten, die Mund-Nase-Masken sitzen dort, wo sie sein sollen, und sind nur heruntergezogen, wenn Nahrungsmittel in flüssiger oder fester Form zugeführt werden.

Gegen 17 Uhr ist der Zulauf an der Elisabethkirche etwas größer, Gedränge herrscht aber nicht. Einzig um das Kinderkarussell ballen sich die Fahrgäste mit ihren Eltern und an den Essens- und Getränkeständen haben die Schlangensteher offensichtlich etwas Probleme, den 1,5 Meter-Abstand richtig einzuschätzen. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes messen aber nicht mit dem Zollstock nach.

Ermahnungen

Auch nicht auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz. Da allerdings müssen die Ordnungshüter immer wieder Menschen ermahnen, ihre Masken aufzusetzen. Aber zu wirklich groben Verstößen gegen die Corona-Hygieneauflagen wie am Freitagabend kommt es am Sonntagabend nicht. Am Freitag musste der Weihnachtsmarkt nach drei Stunden abgebrochen werden, weil das „Abstandhalten und das Tragen von Masken deutlich nachgelassen hatte“, wie die Stadtverwaltung mitteilte.

Dafür seien nicht nur die zunehmende Zahl an Besuchern und die Enge an einigen Stellen des Weihnachtsmarktes verantwortlich gewesen. In der Mitteilung der Stadtverwaltung heißt es auch: „Nicht der Kauf von gebrannten Mandeln, Weihnachtsdekoration oder einer Bratwurst für die Kinder ist das Problem, sondern Situationen, in denen – insbesondere unter Alkoholeinfluss – Hygieneregeln nicht mehr beachtet werden.“ Darum entschied das Ordnungsamt nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt des Landkreises, die Öffnungszeiten und den Alkoholverkauf einzuschränken.

Die Weihnachtsmärkte werden vorerst nur noch bis 18 Uhr geöffnet haben, der Alkoholverkauf endet um 17 Uhr.

Auf diese Mitteilung reagierten die Besucher unterschiedlich. „Richtige Entscheidung, keiner kümmert sich nach dem vierten Glühwein um die Abstände und das ist bei den derzeitigen Inzidenzen Wahnsinn. Die Intensivstationen quellen über und hier wird munter gefeiert – das passt nicht“, betonte Nicolas, dem der Andrang am Freitagabend selbst zu hoch war.

Kritik an der Stadt

Bei anderen Besuchern überwog die Enttäuschung. „Das ist schon schade. Es tut mir auch für die Budenbetreiber leid, weil die Leute jetzt einfach in eine Kneipe gehen und da ist die Ansteckungsgefahr viel höher als an der frischen Luft“, sagte die 24-jährige Kati, die mit ihren Freundinnen auch gern einen Glühwein getrunken hätte.

Das sehen die Budenbetreiber genauso: Sie sind enttäuscht und äußern Kritik. Viele, mit denen die OP gestern sprach, fühlen sich an den öffentlichen Pranger gestellt. Nicht die Glühweinstände seien schuld, dass es Freitagabend so voll gewesen sei.

Vielmehr sei es ein Fehler der Stadtverwaltung gewesen, wochenlang für „Marburg by night“ und „Latenight-Shopping“ zu werben. „Es waren Menschen aus Köln und sogar aus Bayern hier, weil sie online Werbung dafür gesehen haben“, sagt Cornelia Panzer, die gestern ihren Glühweinstand am Marktplatz pünktlich um 17 Uhr zu macht. Für den Abbruch des Marktes am Freitagabend hat sie indes vollstes Verständnis. „Es war wirklich zu voll.“

Ähnlich sieht es Manuela Gluth, die ihren Crêpes-Stand am Marktplatz hat. „Wir haben im Vorfeld schon drauf hingewiesen, dass man bei diesen Inzidenzen nicht so viel Werbung machen sollte für Adventsshopping und Marburg by Night.“

Dass sich Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies am Freitagabend in der Hessenschau überrascht über so einen großen Andrang zeigte, können einige Standbetreiber nicht nachvollziehen.

Die Stadt betont indes, die Weihnachtsmärkte könnten als Treffpunkt im Freien und als kleines Stück Normalität nur erhalten bleiben, „wenn alle Besucher vernünftig agieren und sich an die Regeln halten.“ Die Ordnungspolizei und ein zusätzlicher Security-Service kontrollieren, dass die erforderlichen Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Alle Besucherinnen und Besucher seien dringend gebeten, darauf zu achten, damit der Besuch für alle sicher bleibt. Menschen mit Krankheitssymptomen sollten von einem Besuch des Marktes absehen. Außerdem sollten auf beiden Weihnachtsmärkten medizinische Masken oder FFP2-Masken getragen werden, der Mindestabstand von 1,5 Metern sei einzuhalten.

Von Gianfranco Fain und Nadine Weigel