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Marburg Die Weihnachtsgeschichte mal anders
Marburg Die Weihnachtsgeschichte mal anders
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18:40 23.12.2021
OP-Volontärin Larissa Pitzen hat die Weihnachtsgeschichte in Jugendsprache übersetzt.
OP-Volontärin Larissa Pitzen hat die Weihnachtsgeschichte in Jugendsprache übersetzt. Quelle: Nadine Weigel
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Es gibt sie in unzähligen Sprachen und Dialekten und Versionen, für Kinder und für Erwachsene: die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. OP-Volontärin Larissa Pitzen hat die biblische Geschichte über die Geburt Jesu in die Jugendsprache übersetzt, um die Jüngeren direkt mit ihrem Slang anzusprechen:

Ey, boah, ey, letztens, also so zirka vor 2021 Jahren gab es mal so einen Babo, der hieß Kaiser Augustus, der war einfach voll lost, weil der nicht wusste, wie viele Brudis und Schwestis er in seinem Land hatte. Also hat der gesagt, wir machen jetzt eine Volkszählung. Damit die Zahlen auch stimmen, also vong Richtigkeit her, musste jeder und jede wieder zurück in seine Hood, um sich auf so einer Liste oder so einzutragen.

In Nazareth, da lebte eine Maria. Das war so ’ne junge Perle, die Perle von Josef. Mitten in der Nacht war da so ein ganz helles Licht, und die Maria sagte: „Mach die Funzel aus“ und bekam schon langsam Schiss, dass die Zöllner wieder Mula eintreiben wollten und mit den Fackeln vorm Fenster stehen. Doch plötzlich hörte sie eine Stimme, von ’nem Engel oder so: „Jo, du, Maria!“, sagte der Engel, „Ehm … ich hab da so eine Botschaft vom obersten Babo, eh, Chef, eh … Gott, meine ich.“ Maria hat gar nicht gecheckt, was abging, sagte aber dann so: „Okay, krass, was will er denn so mitten in der Afterhour?“

Der Engel antwortete: „Also, ich will dich jetzt nicht schocken, aber du wirst bald schwanger sein.“ Maria war total geflasht. „Aber Josef und ich haben noch nicht … und wir sind auch nicht verheiratet oder so was.“ Der Engel verabschiedete sich mit einem „Mach dir kein Kopf, hau rein, Sis!“

Josef hat das alles nicht mitbekommen und hat gedacht, die Maria hätte ihn hops genommen. Der hat sich richtig wack gefühlt. Da ist ihm auch wieder so ein Engel erschienen: „Hallo Jo, i bims 1 Engel, und ich kann dir sagen, Maria is’ ’ne Ehrenfrau, das Kind ist der Sohn von Gott und er wird Jesus heißen.“ Kurz war Josef still, dann sagt der so: „Sheeesh, ich hatte schon echt mit dem Worst Case gerechnet, Maria war auch echt etwas sus in letzter Zeit.“ „Diggah, chill mal, es gibt keinen Grund für Beef“, sagte der Engel. „Boah, danke, ey, ich küss deine Augen“, antwortete Josef erleichtert.

Glossar

Babo: Boss, Anführer

vong XY her: nimmt Bezug auf XY

Hood: Viertel/Gegend

Cash: Geld

Afterhour: das Weiterfeiern nach einem Discobesuch

geflasht sein: erstaunt, begeistert sein

Hau rein!: Tschüss, Mach’s gut!

Sis: Abkürzung für Sister, Kosewort für eine Freundin

Hops nehmen: In diesem Fall: veräppeln/betrügen

wack: schlecht, uncool

I bims: Ich bin’s

Ehrenmann/Ehrenfrau: Gentleman/Lady, jemand, der etwas Besonderes für dich tut

Sheesh: Wirklich?, Echt jetzt?, Nicht dein Ernst?!

Sus: verdächtig

Diggah: Freund, Kumpel, Bro

Beef: Streit

„Ich küsse deine Augen“: Ausdruck der Dankbarkeit

Nap: aus dem Englischen, bedeutet „Nickerchen“

Message: Botschaft, Nachricht

den Tea spillen: wörtlich aus dem Englischen: mit dem Tee schlabbern/kleckern. Bedeutung: aus dem Nähkästchen plaudern, die Gerüchteküche anheizen

Bruuuuder: Kosename für einen Kumpel/Freund, langgezogen als Wort des Erstaunens

Mashalla: Ausdruck für Lob, Erstaunen, Kompliment

cruisen: ziellos durch die Gegend fahren

Das geht auf deinen Nacken!: Du zahlst!

Shit: Zeug/Kram/Ding

Nun gab es nur noch ein Problem. Josef musste in seine alte Hood Bethlehem zurück, da hat er sich gedacht, nehme ich einfach meine Perle mit. Der Trip bis dahin war richtig wild, so ohne Auto und nur mit Esel und so. Aber die beiden hatten lange keinen ausgiebigen Nap mehr, deshalb haben die überall mal an die Türen geklopft und nach ’nem Motelzimmer oder so etwas gefragt. Fehlanzeige, keiner wollte helfen. Ganz in der Nähe war so eine abgewrackte Hütte, also ein Stall. Da haben die dann gepennt. An dem Abend hat Maria dann ihr Kind bekommen, deswegen nennen wir es auch den „Heiligen Abend“. Auf einem Feld ganz in der Nähe waren ein paar Hirten am Chillen, da kam wieder der Engel: „Ey, ihr! Ich hab da mal ’ne Message für euch“, sagte er und spillt den Tea über die ganze „Gottessohn“-Nummer. Die Hirten machten direkt los zum Stall.

Dann war da noch der Caspar, der Melchior und der Dritte, ehm, Balthasar, glaube ich, das waren so drei Heilige Könige, die sind so durchs Land gecruised und haben plötzlich ein helleres Licht am Himmel gesehen. „Bruuuuder, mashalla, guck dir den Stern da an“, sagte Caspar, „der bewegt sich voll, lass mal hinterherlaufen.“ So folgten sie dem Stern bis zum Stall und brachten dem kleinen Jesus Weihrauch und Myrrhe und so. Das ist so richtig wertvoller Shit, aber keine Sorge, ging alles auf deren Nacken. Gottes Sohn alias „der Erlöser“ war geboren.

Von Larissa Pitzen

24.12.2021
23.12.2021