Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Ein Platz bleibt immer frei
Marburg Ein Platz bleibt immer frei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 01.12.2021
Der Weihnachtsmarkt in Hermannstadt auf dem Großen Ring im Jahr 2019.
Der Weihnachtsmarkt in Hermannstadt auf dem Großen Ring im Jahr 2019. Quelle: Foto: Cynthia Pinter/Hermannstädter Zeitung-Archiv
Anzeige
Hermannstadt

Die Weihnachtszeit bedeutet in Deutschland, wenn man einmal etwas von der Pandemiezeit absieht, häufig: Besinnliches Beisammensein mit seinen Liebsten, Weihnachtsmarkt, Adventskalender, geschmückter Weihnachtsbaum und leckeres Essen. Man kennt die Bräuche und Traditionen. Doch wie feiert man Weihnachten in anderen Ländern? Was gibt es für Traditionen? Was kommt an den Feiertagen Feines auf den Tisch? In den kommenden Wochen stellt die OP in einer Artikelreihe Traditionen und Bräuche aus verschiedenen Ländern vor. Heute: Rumänien.

Der Glaube an Wunder

Was wäre Weihnachten ohne Wunder? In Rumänien hält man mit einer Tradition am Glauben, dass Wunder geschehen, fest. An Weihnachten „muss man einen Platz am Tisch für jemanden frei lassen“, auch wenn er oder sie nicht zur Familie gehöre, sagt Beatrice Ungar aus Hermannstadt in Rumänien. Vielleicht brauche jemand Hilfe und die Person werde aufgenommen. „Das ist eine schöne Geste. Weihnachten ist auch der Glaube daran, dass Wunder passieren,“ sagt Ungar.

Beatrice Ungar ist Chefredakteurin des deutschsprachigen Wochenblatts „Hermannstädter Zeitung“ aus Hermannstadt. Die rumänische Stadt pflegt mit Marburg seit 2005 eine offizielle Städtepartnerschaft und ist auf universitärer und privater Ebene mit Marburg vernetzt. Dort laufen die Vorbereitungen für die Advents- und Weihnachtszeit auf Hochtouren. „Einiges ist wie in Deutschland“, meint Ungar. „Dieses Jahr gibt es wieder einen Weihnachtsmarkt. Letztes Jahr hat er pandemiebedingt nicht stattgefunden.“ Trotzdem bestimmt die Pandemie die Planungen. „Nur Geimpfte haben Zutritt“, sagt sie.

Auf dem Weihnachtsmarkt lassen sich Buden mit vielerlei Essen, Trinken und handwerkliche Produkte finden. Unter anderem gibt es „Gebäck, Honigkekse, Trockenfrüchte, Nüsse, Glühwein und Tee“, sagt Ungar. „Wollhandschuhe und Selbstgestricktes kann man auch kaufen.“ Ein Riesenrad und einen großen künstlichen Weihnachtsbaum gibt es ebenfalls.

Kohlrouladen und Hefegebäck

Wenn es ums Essen geht, kommt man in Rumänien an Weihnachten um ein Gericht nicht herum. „In Rumänien dürfen Sarmale nicht fehlen“, erklärt die Chefredakteurin. Sarmale sind Kohlrouladen und werden traditionell an Weihnachten gegessen. Hinzu komme „alles Mögliche vom Schwein, wie geräucherte Wurst und Blutwurst“, berichtet Ungar.

Als Dessert esse man zum Beispiel Hefegebäck wie Striezeln mit Nüssen. Regionale Weihnachtsessen wie zum Beispiel aus Siebenbürgen, zu dem Hermannstadt gehört, gibt es auch. „Es ist regional unterschiedlich. Die Sachsen machen Enten- oder Gänsebraten“, meint Ungar. Die Siebenbürger Sachsen sind eine deutschsprachige Minderheit in Rumänien.

Weihnachten in Rumänien, wo auch ein Weihnachtsbaum dazugehöre, so Ungar, ist ein Fest für die Familie und Freunde. „Heiligabend ist für die Familie gedacht und dafür, dass man zusammenkommt. Die Bescherung an Heiligabend ist Familiensache“, sagt die Journalistin.

„Man besucht den Gottesdienst und es ist immer voll an Weihnachten.“ Den ersten Weihnachtstag verbringe man mit der erweiterten Familie und Freunden. „Bis zum 6. Januar läuft nicht so viel“, erklärt Ungar in Hinsicht auf die Zeit zwischen den Jahren.

Von Lucas Heinisch