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Marburg Weihnachten in Italien: Tombola bringt alle zusammen
Marburg Weihnachten in Italien: Tombola bringt alle zusammen
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10:09 08.12.2021
Weihnachtsgebäck aus Italien: Panettone (oben) und Pupurati.
Weihnachtsgebäck aus Italien: Panettone (oben) und Pupurati. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Die Weihnachtszeit bedeutet in Deutschland, wenn man einmal etwas von der Pandemiezeit absieht, häufig: besinnliches Beisammensein mit seinen Liebsten, Weihnachtsmarkt, Adventskalender, geschmückter Weihnachtsbaum und leckeres Essen. Man kennt die Bräuche und Traditionen. Doch wie feiert man Weihnachten in anderen Ländern? Was gibt es für Traditionen? Was kommt an den Feiertagen Feines auf den Tisch? In einer Artikelreihe stellt die OP Traditionen und Bräuche aus verschiedenen Ländern vor. Heute: Italien.

Panettone, Pandoro, Pupurati

Was haben Pizza, Pasta, Panettone und Pandoro gemeinsam? Richtig, alles sind Spezialitäten aus Italien. Viele Menschen mögen die Leckereien. Pizza und Pasta verbindet man vielleicht mit dem eigenen Urlaub. Doch was verbindet man mit Panettone und Pandoro? Marco Antonio Cristalli denkt bei den Kuchen direkt an eine Sache: Weihnachten in Italien.

Wenn es um den Nachtisch beim Weihnachtsfest geht, scheiden sich in Italien die Geister in zwei Gruppen: „Entweder Panettone oder Pandoro“, meint Cristalli, der am Institut für Romanische Philologie der Philipps-Universität Marburg tätig ist. Bei beiden Desserts handelt es sich um Kuchen, die zur Weihnachtszeit gegessen werden. Doch es gibt Unterschiede. Panettone enthält kandierte Früchte und kommt ursprünglich aus Mailand. Pandoro stammt aus Verona und hat einen goldfarbenen Teig. Für Marco Antonio Cristalli gibt es aber noch eine weitere Süßigkeit, die er mit Weihnachten verbindet. „Pupurati sind Kekse und werden mit Most gesüßt“, sagt der 32-Jährige. „Die Kekse sind traditionell aus der Region des Gargano, im Norden Apuliens.“ Das Gebäck weckt bei Cristalli auch Erinnerungen: „Ich muss dabei an meine Oma denken.“

Weihnachtsgebäck aus Italien: Panettone (von oben), Pupurati und Struffoli. Quelle: Privat

An seine Familie, die aus Apulien und Veneto stammt, erinnert ihn auch ein Spiel, das zum Weihnachtsfest in Italien gespielt wird. „An Heiligabend und am ersten Weihnachtstag spielt man Tombola. Das ist wie Bingo“, sagt der Doktorand. Jeder könne mitspielen, egal ob jung oder alt. Ob man gewinne oder verliere, sei reines Glück und keiner sei besser als der andere. „Tombola ist essenziell für Weihnachten. Jeder spielt Tombola und es geht bis tief in die Nacht. Tombola ist Weihnachten pur“, meint Cristalli.

Bis tief in die Nacht gehen auch die Gespräche und das gemeinsame Essen mit der Familie. „Weihnachten ist nicht vor Mitternacht vorbei. Ich finde das lange gemeinsame Sitzen schön“, sagt der Doktorand. Teilweise verteile man die Geschenke auch nach dem Essen am 24. Dezember. Aber: „Ganz traditionell ist die Bescherung morgens am 25. Dezember“, erläutert Cristalli. Dieses lange Beisammensein mit der Familie zum Essen und Spielen nimmt in Italien an Weihnachten eine wichtige Rolle ein. „Weihnachten ist schon sehr familiär. Man versucht, so viele wie möglich zusammenzubekommen“, erklärt der 32-Jährige. Gemeinsam „wird sehr, sehr viel gegessen. Es ist laut und dass nichts an Weihnachten passiert, ist ungewöhnlich“, sagt er lachend.

Doch was wird eigentlich „sehr, sehr viel gegessen“? In Italien hängt das Weihnachtsessen von der Region ab, wo man lebt. „So etwas wie die Gans oder Kartoffelsalat mit Würstchen“ gebe es nicht, sagt Cristalli. Das Weihnachtsgericht „ist sehr stark regional geprägt. Es gibt einzelne, regionale Sachen zu Essen und kein einheitliches Essen“, erklärt er. An den unterschiedlichen Gerichten erkenne man „die kulinarisch regionale Küche. Das spiegelt auch Italien wider. Jede Region hat eigene Spezialitäten. Meine Mutter macht zum Beispiel Baccalà“, was ein speziell zubereiteter Fisch ist.

Pupurati pugliesi

Zutaten: 1 Kilogramm Mehl , 150 Gramm Kakao (bitter), 300 Gramm Zucker, 2 Eier, 1 Tütchen Zimt (optional), ½ Tütchen Gewürznelke gemahlen, 1 Tütchen Vanillezucker, 2 Tütchen Backpulver, 125 Gramm Mandeln, 100 Milliliter Olivenöl, 1 Esslöffel Honig, 150 Milliliter Milch, 200 Milliliter Traubenmost.

Die Mandeln klein schneiden und kurz in der Pfanne rösten. Die Milch kurz erhitzen und die gemahlenen Gewürznelken darin auflösen. Dann kann man beginnen, die Zutaten so zu mischen, dass ein Teig entsteht, der nicht zu hart sein sollte und nur leicht klebrig ist. Im Anschluss ölt man sich am besten die Hände ein und schon kann man beginnen, die „Pupurati“ zu formen, die man auf einem Backblech mit Backpapier legt. Die traditionelle Form ist die des „Tarallos“ – also etwas dicker und rund. Man kann sie jedoch formen wie man möchte. Schließlich kommen die Kekse für sieben bis zehn Minuten in einen auf 200°C vorgeheizten Ofen.

Von Lucas Heinisch