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Marburg Die Krippe steht in der Sporthalle
Marburg Die Krippe steht in der Sporthalle
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08:00 07.12.2020
Angelina Hergesell (vorne), Schülerin Josy Masuch und Finn Hesselmann (Bundesfreiwilligendienst Compass) arbeiten vor dem Jugendhaus Compass in der Deutschhausstraße an der Bühnendekoration für das Krippenspiel in Cappel.
Angelina Hergesell (vorne), Schülerin Josy Masuch und Finn Hesselmann (Bundesfreiwilligendienst Compass) arbeiten vor dem Jugendhaus Compass in der Deutschhausstraße an der Bühnendekoration für das Krippenspiel in Cappel. Quelle: Thorsten Richter
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Cappel

Im ersten Lockdown, im Frühjahr, als die Jahresplanung los ging, „da kam schon der erste Gedanke: was machen wir Heiligabend“, gibt Tobias Wulf, Jugendreferent und Theaterpädagoge der evangelischen Kirchengemeinde Cappel, zu. „Wenn wir die Zuschauer so aufteilen hätten müssen wie beim Einschulungsgottesdienst, dann wären am 24. Dezember fünf Gottesdienste mit Krippenspiel notwendig gewesen. Das ist nicht machbar, weil an diesem Tag ja auch noch andere Gottesdienste stattfinden“, erklärt er das Problem.

Sofort ging das Ideenkarussell für einen passenden Ort los: Open Air? Bürgerhaus? Sporthalle? Sie fragten beim Sportamt nach, und gegen eine kleine Gebühr konnte die Gemeinde die Halle mieten. Und das Ziel war auch schnell klar: „Wir wollen an Heiligabend einen Gottesdienst gestalten, der nach einem Heiligabendgottesdienst aussieht, auch wenn er in der Sporthalle stattfindet“, sagt Tobias Wulf und fand in Pfarrer Wolf Glänzer und Angelina Hergesell gleich Unterstützer. Letztere zeichnet für das Bühnenbild verantwortlich. Zusammen mit anderen Jugendlichen wird derzeit fleißig gebastelt und gemalt. „Das werden riesige Teile, bestimmt drei mal drei Meter. Sie müssen ja auch in der Sporthalle wahrgenommen werden“, beschreibt Angelina Hergesell. Eine weitere Herausforderung: das Bühnenbild soll auch bei zukünftigen Auftritten genutzt werden. „Da muss man vorher genau überlegen und nachmessen, damit es am Ende auch passt“, berichtet sie.

Wolf Glänzer, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Cappel. Quelle: Katja Peters

Für die 18-Jährige gehört das Krippenspiel seit frühester Kindheit zum Heiligen Abend dazu. „Jedes Jahr vor der Bescherung gehen wir als Familie in die Kirche. Wenn kein Schnee liegt, dann gibt dieser besondere Gottesdienst mir einfach eine weihnachtliche Einstimmung. Vor allem, wenn wir alle ,O du Fröhliche’ singen.“ Das wird es in diesem Jahr nicht gehen. „Gemeinsames Singen ist ja nicht erlaubt“, sagt Tobias Wulf, und Pfarrer Wolf Glänzer ergänzt: „Aber wir machen, was möglich ist, und das möglichst entspannt.“ Soll heißen, dass es keine Extrawürste gibt. „Wir machen das, was geht“, betont er noch einmal. „Denn das, was wir zu erzählen haben, ist so genial. Auch die Requisiten sind wunderbar.“

Geübt wird derzeit auch anders, als es sonst der Fall ist. „Die Kinder üben ihre Texte zuhause. Per Videokonferenz tragen sie diese dann vor und sie bekommen eine Rückmeldung von uns, was schon gut ist und wo sie noch dran feilen können“, erklärt der Theaterpädagoge Wulf. Er hat das bekannte Stück umgeschrieben. „Es wird also kein Krippenspiel im klassischen Sinne werden. Sondern mehrere Erzählerinnen lesen vor und weitere Personen berichten über ihre Erlebnisse in der wundervollen Weihnachtsnacht.“ Notwendig machten das das Hygienekonzept und andere Vorschriften. Statt zehn Personen pro Szene gibt es jetzt nur noch zwei Rollen und insgesamt drei Szenen. Alle Rollen konnten besetzt werden. „Und wir bekommen positive Rückmeldungen. ,Danke, dass ihr es möglich macht’, ist die häufigste“, sagt Tobias Wulf. Denn auch für ihn steht fest: „Weihnachten ohne Krippenspiel ist kein Weihnachten.“

Tobias Wulf, Jugendreferent und Theaterpädagoge der evangelischen Kirchengemeinde Cappel. Quelle: Katja Peters

Neben dem Üben hat er noch einiges andere um die Ohren. Er kümmert sich um die weihnachtliche Beleuchtung und auch die Beschallung in der Halle, er muss noch einen Raumplan erstellen, wie die 160 Zuschauer sitzen dürfen, und an Heiligabend dafür sorgen, dass sich alle an das Hygienekonzept halten. „Deswegen sind Reservierungen im Vorfeld nötig, damit die Familien auch zusammen sitzen können“, erklärt er. Spontanbesuche werden nur möglich sein, wenn noch Plätze frei sind. Über einen Livestream im Internet wird ebenfalls nachgedacht. „Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir das personell noch stemmen können“, weiß Tobias Wulf um den Aufwand. Sein Anspruch: „Einen guten, schönen, tiefgründigen Gottesdienst zu organisieren.“

Von Katja Peters

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